13.12.2007 - 20:00 Uhr

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Zwischensex und Sex

Text: petra-baeumer

Man hat einen One-Night-Stand, oder eher „was am laufen“, nur eine Bett-Geschichte oder ist doch richtig zusammen - aber zwischen all dem begrifflichen Durcheinander unserer Beziehungen steht immer noch eine fest betonierte Eindeutigkeit: Sex. Jetzt gerade allerdings zweifele ich an meiner Betondefinition von Sex. Meine Freundin Nina rührt ausdruckslos in ihrem Milchkaffee. „Nö, ist nix passiert“, sagt sie und meint ihre letzte Nacht. So richtig gelogen ist es nicht. So richtig wahr, erfahre ich später, aber auch nicht. Tom, ihr guter Freund war schließlich da. Außerdem zu viel Wein und eben auch Ausziehen, Anfassen undsoweiter. „Rein freundschaftlich aber nur“, meint Nina. Auch in meinem Kopfarchiv entdecke ich bei der ein oder anderen Begegnung den gleichen Gedanken. „Das kann man doch nicht so richtig zählen“. sagt die Erinnerung. Das bisschen Knutschen, Rumsexen, Rumprobieren. Das war doch mehr eine Versuchsaufstellung unter realen Bedingungen. Aber Sex, so richtig? Nein. So banal simpel das Wort klingt, weiß ich nicht mehr, was genau es meint. Sex will sich keiner genauen Definition mehr beugen und bleibt individuell einsetzbar. „I did not have sexual relations with that woman“, sagte Bill Clinton mit erhobenem Zeigefinger. Mit dem Wort Sex trat er gleich eine Lawine der Vorstellung los. Vor dem geistigen Auge erschien Monica Lewinsky auf dem Kopierer sitzend, vor ihr der Ex-Präsident mit heruntergelassener Hose. Oder beide ineinander verschlungen auf dem Teppich. Vielleicht hatte sie eine Peitsche. Er trug eine Latexmaske. Die Variationen, was Sex alles sein kann, sind viele. Als Bill Clinton sagte, er habe keinen Sex gehabt und doch Oralsex hatte, hat er da gelogen? Reine Definitionssache, sagten seine Anwälte. Mit Sicherheit aber verfolgte er andere Absichten als meine Freundin Nina, wenn sie erzählt, dass nichts passiert sei. Hauptsache, der Slip bleibt an Relevant wird die Sexdefinition nämlich erst in Ausnahmesituationen. Vor Gericht, wie Clinton bewies oder wenn der Freund fragt, was genau beim Seitensprung vorgefallen ist. Reicht fürs waschechte Fremdgehen schon ein Kuss? Oder ist alles legitim, Hauptsache der Slip bleibt an? Wenn man der Kirche oder „True-love-waits“ Enthaltsamkeit geschworen hat, dann öffnet sich die Schere, wo Sex beginnt genauso gefährlich weit. Denn auch extreme Formen von Zungenküssen können, laut einer katholischen Website, extatisch sein. Spirituell begeisterte Menschen behaupten sogar, Sex beginne im Kopf. Allein die mentale Kraft könne Wallungen erzeugen. Sexual Intercourse meint die Wahrheitsfindung aber eigentlich und bedeutet tatsächlich: Jede Art von sexuellem Kontakt und nahezu alle Sexualpraktiken, an denen zwei oder mehr Personen beteiligt sind. So müsste dann auch Bill Clinton zugeben: Ja, es war Sex. Ebenso müssten vielleicht einige Noch-Jungfrauen angesichts einer Wirklichkeit mit Petting, Cunnilingus und Co, ihren Reinheitsstatus ein wenig überdenken. Ist der Gedanke „ein bisschen Sex“ also genauso absurd wie ein „bisschen schwanger“? Kaffee mit Milchschaum, Croissant mit Marmelade Worauf es ankommt, wenn man um die Eigendefinition ringt, ist ganz unterschiedlich. Vielleicht geht es um Qualität, Intensität, die Kosten-Nutzen-Rechnung: Es war zu kurz, er zu klein. Ich bin nicht gekommen. Er nicht oder wir nicht zusammen. Der Entscheidungskatalog ist groß und neben den anatomischen Stellungsvarianten um beliebige Kriterien erweiterbar. Man muss auch zusammen einschlafen, zusammen aufwachen. Und dann mindestens frühstücken. Kaffee mit Milchschaum, Croissant mit Marmelade. Drunter geht’s nicht. An die eigene Vorstellung von Sex, in welcher Variation auch immer, sind Erwartungen geknüpft. Und so muss man sich die Bezeichnung Sex erst einmal verdienen. Alles andere erhält dann beim Ausschlachten der Erlebnisse der letzten Nacht ein enttäuschtes „nur“. Wenn Nina sagt, es war nichts, bedeutet das nicht automatisch Enthaltsamkeit. „Nichts zu bedeuten“ kann es auch heißen oder auch „Nichts gutes“ oder „Nicht alles“. Sex ist nur Sex, wenn ich es will. Ich bin schließlich kein Priester, kein Wahre-Liebe-Wartet-Anhänger, ich mache auch keine Kerben in meinen Bettkasten. Trotzdem gibt es da etwas, das den Unterschied macht: Dieses unverschämt breite Grinsen im Gesicht und dieses selige Trunkenheitsgefühl am nächsten Morgen, die immer noch laut: „Ja!“ rufen. Wenn sie das tun ist ganz gleich, was genau in der Nacht passiert ist.


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OliveGuete
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Mag ich Mag ich nicht

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13.12.2005 - 20:29 Uhr
OliveGuete

"Ich wollte nur sehen, ob sie noch mehr Tätowierungen hat" hat mein Ex gesagt...

baerin27
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Mag ich Mag ich nicht

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13.12.2005 - 20:41 Uhr
baerin27

oh. oh wie gut. echt mal ein guter text.
vor allem, weil er so wahr ist....was ist denn sex.....genau. hab ich mich früher auch gefragt. obwohl man sich da, glaub ich, mehr mit beschäftigt, wenn man eben laut der definition(!!), noch keinen sex hatte. jungfraublabla. dann ist es noch wichtig. dannach wirds doch eh einfacher und man hat öfter sex, so dass die defintion dann gar nícht mehr so wichtig ist.
so war es bei mir.
obwohl ich heute finde...sex = nicht nur geschlechtsverkehr.
naja. und....ich toll fand: es ist unglaublich egal, was war. nur ein kuss kann glücklicher machen als eine nacht gefickt zu werden.(pardon...)

lupa.

unkultur
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Mag ich Mag ich nicht

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13.12.2005 - 20:51 Uhr
unkultur

Ich weiß nur, ab wann geil nicht mehr geil ist:


Ab 'jetzt'.

dendefrau
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Mag ich Mag ich nicht

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13.12.2005 - 20:51 Uhr
dendefrau

da kann ich lupa nur zustimmen. sehr guter text. eigentlich komisch, dass man immer nach ner definition für sex sucht...sex ist, wenn es sich danach anfühlt. ganz einfach. deshalb auch schwachsinn bill clinton danach zu fragen. die frage müsste dann wohl eher lauten: bill, haben sie sex gefühlt. oder so;)

paolo_p
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13.12.2005 - 23:53 Uhr
paolo_p

"sex ist, wenn es sich danach anfühlt."

Guter Satz. Muss ich mir merken.

suey
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Mag ich Mag ich nicht

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14.12.2005 - 09:59 Uhr
suey

bitte in zukunft auf das wort "Rumsexen" verzichten. am besten für immer. auch die qualität von "ex-statischen" zungenküssen bitte ich nochmal zu überdenken.

ansonsten aber lesens- und nachdenkenswerter text - grade auch, um sich mal über die eigenen definitionen gedanken zu machen.

Dessy
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Mag ich Mag ich nicht

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14.12.2005 - 10:52 Uhr
Dessy

toller text... gefällt mir gut... und ich find mich ständig wieder...

bea
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14.12.2005 - 13:23 Uhr
bea

ich will auch sexeln... :)

KamiKaAtze
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Mag ich Mag ich nicht

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14.12.2005 - 13:39 Uhr
KamiKaAtze

Ha, das ist der Unterschied zwischen euch Frauen und uns Männern.
Während ihr das Geschehene eher marginalisiert ("Nö, ist nix passiert"), posaunen wir nachher zwecks Profilierung im Freundeskreis rum, ja, ich hatte Sex mit der Frau, obwohl es eben doch nicht bis zum GV gekommen ist.
Total praktisch solch schwammige Definitionen, sonst würde man viel mehr lügen.

mondmadel
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Mag ich Mag ich nicht

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14.12.2005 - 14:16 Uhr
mondmadel

es gab eine zeit in meinem leben da hab ich öfter "ein bisschen sex" gesagt. aber mit dem jungen war sowieso chaos mit den gefühlen und auch sonst. durch deinen text hab ich mich grade an ihn erinnert und naja, die bezeichnung passt auch heute noch zu dem was zwischen uns war.

ansonsten: super text!

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petra-baeumer

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.