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Leben

| Köln | 08.02.2010 20:29  

3in1. Freitag. Samstag. Sonntag.

Nachdem ich träumte, eine Welle würde Menschen jagen und wenn die Welle die Menschen berührte, wurden diese zu Aquarellzeichnungen auf Putz, hatte ich direkt die Nase voll. Lebendig zum Fresco zu werden ist keine schöne Vorstellung. So fing also der Freitag an.

Morgens widmete ich mich den üblichen Dingen. Texte schreiben, Blog updaten, Zeitung lesen, einige Briefe schreiben, Dinge mit der Post verschicken. Den Grafiker anrufen und fragen was Flyer und Visitenkarten kosten. Etwas rumstöbern nach Möbeln im Internet und ein Besuch im örtlichen le Plus, weil in der Nacht noch die Nachttischlampenbirne mit einem feudalen Peng den Geist aufgegeben hatte. Es gibt ja nichts schöneres, als nach einem schlechten Traum das Licht anzumachen und dann einen Beinahe-Infarkt zu haben, weil die Birne knallt. Daher war der Freitag eher schwer als leicht. Ein Freitag mit den Facetten eines Mitwoches der quengelig einen auf Montag macht.

Samstags bin ich, sind wir, total früh aus dem Bett. Bevor der Himmel klar wurde und der Nebel sich aus dem Rheintal verzogen hatte, tuckerten wir mit der Bummelbahn über die Rheinschiene. Über Königswinter in Richtung neue Heimat. Erst Unkel, dann Erpel. Dann nächster Briefkasten rechts raus. Wir bummelten lange durch unsere neue Stadt und bevor die Kirchenglocke High Noon rödeln konnte, hatte mein Liebster den Mietvertrag für unseren Winzerhof unterzeichnet. Als Vermieter und Maklerin von dannen gezogen waren, tobte ich über hundert Jahre alte Holztreppen und bereitete mich auf die nächste Große Sache vor. Einrichtungswahnsinn

Danach fuhren wir zurück, den Rhein entlang, ins hysterisch muffige Köln. Wir feierten unser Winzerhaus total unstandesgemäß bei Hooters. Die Muse hatte mir am Donnerstag den Flusen ins Ohr gesetzte, da müsse man mal hin. Man müsse unbedingt die Chorweilergirls in den knappen Orangen Shorts sehen. Und man müsse sie rufen hören „Welcome to Hooters“. Mondieu. Merde au lait. Was war das ein lustiger Teil unseres, meines, Samstages. Ich brauchte rasch zwei große Kölsch um das alles zu ertragen. Denn jedes Mal wenn die Tür dort aufgeht, rufen die echt „Welcome to Hooters“. Auf Chorweilerischem-Amerikanischem-Englisch.Großes Kino. Alle drei Minuten geht die Tür auf. Alle drei Minuten wird gerufen. Die Hintern in den Hosen sind so mittel, ist halt kein Amerikanischer Standard. Aber die Burger, die sind echt gut.

Danach wanderten wir durch die überfüllte Innenstadt. Kaum ist der Schnee weg, alle wie bekloppt in die Stadt rein. Es gab ja so lange nichts. Ja, ja, ja. Da ich gerne in überfüllten Kaufhäusern Rolltreppe fahre, fuhren wir etwas in einem Kaufhaus herum. Für das liebste Kind einer liebsten Freundin erwarb ich „Peter und der Wolf“, obwohl ich schon Sorge habe, ob er davor nicht Angst hat. Aber vielleicht gehört das zu Peter und der Wolf dazu.

Am Dom spiele eine Blaskapelle Techno. Daneben stand einsam ein Kontrabassspieler der gegen die BumBumKapelle nicht anstinken konnte. Wir gaben ihm zwei Euro. Außerdem gaben die Greenpeace Leute von der Greenpeace Demo unter dem Motto „2050 – 2 Mio Klimaflüchtlinge“ auf. Anscheinend war ihnen beim Klimaflüchtlingsimmulieren zu kalt geworden.

Daheim rollte ich mich im Bett umher, der Hooters Burger war wie ein Monster in meinem Magen. Wie eine Plage. Fürchterlich, welcome to Hooters. Wir sahen irgendeinen Quatsch im Fernsehen und ich dämmerte so weg, wie man nach so einem ordentlichen Tag nur wegdämmern konnte.

Sonntag. Aus Versehen wurden wir gegen halb sieben wach. Ich aß im Halbschlaf drei Kinderschokobons und laberte irgendeinen Unsinn über fliegende Südseefrüchte und neongelbe Einhörner. Wir beschlossen, es sei sicherer und besser für die Welt, wenn ich noch etwas weiter schlafen würde. Wie das so ist, wenn man weiterschläft, kommt man verquer wieder zu sich. Ich frühstückte trotzig ein paar Fruchtgummis und meckerte herum um dann gegen Mittag mich selber in einer viel zu heißen Badewanne zu verbrühen. Da ich nicht zugeben wollte, das ich das Wasser hatte zu heiß werden lassen, hielt ich mich extra lange in der Wanne. Dann hatte ich Kreislauf und ich drohte zu kollabieren. Also kroch ich aus der Wanne wieder raus. Leider hatte man mit längerer Abwesenheit meiner gerechnet. Nun war ich also wieder da. Wir stritten uns aus Langweile und hauten und gegenseitig aus Spaß auf die Oberschenkel, bis einer natürlich total aus Versehen richtig feste traf. Da war das Geschrei aber groß.

Wir beschlossen, zur Sicherheit einfach noch mal zu schlafen. Der Tag war eh im Eimer. Als wir wieder wach waren, kam ein schlechter Tatort und Inspector Barneby fiel auch aus. Was für ein Sonntag. Ich fand noch ein paar Kinderschokobons in der Bettritze, lutschte diese genüsslich. Gerade bevor ich einschlafen konnte, schmissen die Assis von nebenan die Waschmaschine an und das Boeing-Feeling breitete sich in Wellen durch die Wohnung aus. Damit aber nicht genug. Der Globetrotter von unten war wieder da und schaute irgendeinen geklauten Kinofilm auf seiner Dolby Surround Sound Anlage. Der Effekt ist dann halt der: Unten Kampfszene. Bei mir oben: Alles vibriert. Ich stöhnte und versuchte das Dilemma mit dem Wiesel zu debattieren. Der war aber schon einfach eingeschlafen. Also hockte ich da und stampfte etwas auf dem Boden rum. Aber ich kam gegen das Kampfgetöse von unten nicht an. Was soll's, dachte ich mir. Bis drei Uhr morgens lauschte ich den Kampfszenen von unten und dem Schleudergang von nebenan. Dann schlief ich ein. Das Wochenende war vorbei.

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tilly 08.02.2010 | 20:26
winzerhof?
jetzt bin ich offiziell neidisch.

enjoy!

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rose 08.02.2010 | 20:33
yes, ein winzerhof. i am so fürchterlich glücklich about that!

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tilly 08.02.2010 | 20:36
yes, i belive dir das totally!
hach...

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ein_oxymoron 08.02.2010 | 21:49
solche nachbarn waeren fuer mich tod auf raten (entweder meiner oder ihrer). hier war ich nicht sicher, ob ueberhaupt nachbarn am leben sind, bis ich sie sah. noch ein grund, jeden monat die scheissteure miete zusammenzukratzen. aber boah, glueckwunsch zum winzerhof!

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octopussy 09.02.2010 | 11:30
haiaiai, du scheinst überall heimliche depots von schokobons zu haben. nun, den zahnarzt wirds freuen. und: so schlecht war der tatort gar nicht. der war schön schräg.

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