Eine kleine wahre Geschichte über den Individualisierungsdrang und die große Einsamkeit
Bedrohlich rauschen die Phasen des Lebens vorbei.Drinnen sitzen die Fahrgäste der MVV.
Alle Plätze sind besetzt, die Guten stehen sehnsuchtsvoll, wie im Leben.
Ein junger Mann, eine braune Mütze auf dem Kopf, unter der schneegerötete Ohren hervorstanden, lehnte an der Glasscheibe und deklamierte über seine Beobachtungen als langjähriger Zugfahrer. Die Heimkehrenden lauschten dickbepackt, mit Tüten in der Hand. Er sprach von den vielen Namenlosen, die in einen leeren zug steigen. Sie säßen alle in ihrer eigenen Reihe. fast schon traurig sah er aus, als er das sagte.
"Es sei denn, es sind Pärchen. Bei Pärchen ist das was ganz anderes. die sitzen natürlich zusammen. Aber auch ganz abgetrennt in ihrem eigenen Viererabteil. Wenn eins frei ist, natürlich."
Kalt und taktlos kündigte die Dame aus der Leitung den nächsten Halt an.
Ein Sitzender begann zu sprechen. Schelmisch leuchteten seine braunen Knopfaugen aus dem blassen Gesicht. Auf dem Kopf ebenfalls eine Mütze, schwarz. Ihm gegenüber eine Dame, etwas älter schon, blondgefärbte Haare, Lachfalten. Zu Anfang noch eine Frau neben ihm, in einen blauen Schaal gehüllt, Sommersprossen auf den Wangen.
Gestern stand die S-bahn ja in Pasing.
Ja, unmöglich.
was soll da eigentlich immer los sein? technische Störung? Signalstörung?
oder einer hat sich wieder...
ja, das ist tragisch immer.
egoistisch ist das!
(lachen)
Ah mei...
Joa...
da standen wir eine stunde gestern.
Eine stunde Verspätung hieß es! Ja, steh erst mal eine Stunde da draußen!
unmöglich...
Ja, und ich hatte keine lange Unterhose an. jetzt, wissen Sie, wo ich keine frau mehr hab, da hab ich auch keine lange Unterhose mehr an, wenn es kalt ist. früher hat sie´s ja immer rausgelegt.
ja! (lachen)
ja, wissen Sie, ein Mann denkt da net dran!
ja (lachen)
das sind so Sachen, sehn Sie, das war ich gewohnt, da hab ich mich drauf verlassen.
ja, auf so Dinge verlässt man sich dann.
Da merkt man es dann, dass keine Frau mehr da ist.
Ja, (lautes lachen) stimmt, das sind so Frauensachen.
Ich hab einen Hund.
Ah, eine Hund? Was denn für einen?
Einen Labrador. ja,keine Frau mehr, aber einen Labrador.
Die sind gutmütig.
Ja, ganz gutmütig. der freut sich auch, wenn ich komme.
Ja (lachen), das glaub ich.
Also, nächstes mal zieh ich eine lange Unterhose an!
ja, würd ich auch.
Wenn ich komm, und der hund ist ganz hinten im Garten, der lässt alles stehen und kommt und dann wedelt er mit dem Schwanz!
ja, die Tiere sind da so.
ja, die Frauen nicht.
(übermäßig lautes lachen)
ich bin ein Mensch, wissen Sie, ich bin gern in der Natur.
ahso!
ja, wo es mir gefällt, da bleib ich und wo nicht, da geh ich wieder. auch mit dem hund.
Mit dem Labrdor, gell?
ja, der ist ganz gutmütig.
Reisen Sie auch viel?
ja, ja, reisen tu ich viel. Da fehlt mir nur noch die Frau dazu.
mhm
Ich bin jetzt 53.
Ich auch.
Ehrlich?
Ja! (lachen)
Ich arbeite ja schon von Anfang an bei der Firma,.
Wie lang jetzt?
Seit ich 18 bin.
hat sein gutes, so lange dabei zu sein.
Ach, ja. aber ist natürlich auch so, dass die Firmen sich von den Älteren trennen wollen, aber da gibt es ja bei ihnen bestimmt einen Schutz.
Nein, da nicht.
Naja, aber wenn Sie einen Mann haben...
ich hab keinen. Ich bin auch alleine.
ach, Sie sind auch alleine?
Jaja
Ich hab 2 erwachsene söhne.
ich hab eine erwachsene Tochter.
Der Herr hatte sich die jacke angezogen und kündigte an, raus zu müssen.
Schade eigentlich, wo wir doch beide alleine sind.
Ja, das wär was gewesen.
(lachen)
Schauen sie, weißes Haar (lüftet seine Mütze)
meine sind auch nur gefärbt.
ja?
Die nächste Station kam, ich stieg aus in das Leben, er sah sich kurz um und blieb dann sitzen...
- that one guy. 24.03.2012
- Einfach mal schweigen - Ein Appell an Zwangskontaktierer 06.09.2011
- Charkter 30.08.2011
- wirbelkopf 19.07.2011
- eine kleine wahre Geschichte über die traurige große Suche 02.06.2011







0
28.03.2011 - 23:07 Uhr
tetraHC