22.09.2011 - 19:47 Uhr

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Abrissparty im Vorstadtdiscounter

Text: freiwild

Irgendwo. Sagen wir: In Einem Supermarkt. Die haben große Scheiben zur Straße hin, aber sonst keine Fenster. Neonlicht ist deutlich billiger, obwohl die Sonne keine Rechnungen schreibt (Naja, der Fensterbauer). Komisch, was? Jedenfalls kriege ich davon immer Kopfschmerzen. Ich stehe aber schon an der Kasse, ich kann nach draußen gucken - und ja, ein bisschen Licht kommt hier schon an, von der Sonne. Sonnenlicht braucht 8 Minuten. Als ich in den Laden gegangen bin hat die Sonne also kräftig geleuchtet, damit ich Sonnenlicht habe, wenn ich in der Schlange stehe und wieder rauskomme. Sehr freundlich, sehr zuvorkommend. Schön vorausgedacht!


Ich kaufe Brot und Wasser, als wäre ich ein Gefängnisinsasse. Das haben Oma und Opa früher immer Gesagt, Brot und Wasser gibt es im Gefängnis. Vor mir steht eine Frau, und ich überlege ob sie Single ist, und ob man das sagen kann, wenn man sich ansieht, was sie auf dem Förderband liegen hat. EINE Pizza. Aber vielleicht kann ihr Partner einfach keine Thunfischpizza leiden. Ich könnte es ihm nicht verübeln.


Sie hat drei Plastiktüten auf das Band gelegt. Ich zähle ihre Arme und überlege, ob sie den dritten vielleicht versteckt, und nur herausholt, wenn sie drei Plastiktüten gekauft hat. Die Kassiererin ist noch ein bisschen neu. Sie wedelt den Barcode der ersten Tüte vier Mal über den Scanner und macht einfach weiter, bis die Vielleichtsinglefrau sie darauf hinweist, dass das jetzt ein Mal zu viel war. Der Aufschrei ist groß, eine "Stornokarte für Sofortrückbuchung" wird mit Blaulicht angefordert und der Typ hinter mir verlässt genervt die Schlange. Draußen Nieselt es, ich warte lieber. "Vielleicht zieht das ja auch einfach vorbei."


Diese Frau mit den vermutlich drei Armen bezahlt mit Karte. Auf der Karte steht in sauberer Mädchenschrift, dass sie Carina Müller heißt. Carina Müller sieht genau so aus, wie Carina Müller, denke ich. Und dann fällt mir auf, dass es komisch wäre, wenn das nicht hinkäme. Irgendwie. Hinter mir steht ein Mann mit drei Dosen Mettwurst. Wahrscheinlich hat er in der rechten Innentasche von seinem waldgrünen Parka einen Teelöffel und geht gleich in eine dunkle Gasse, wo er die Fleischmasse genüsslich auslöffeln wird. Dieser Mann sieht nach dem aus was er kauft, alle sehen nach irgendwas aus. Wahrscheinlich liegt das an mir.


Als ich bezahlen soll, fällt mir beim Herausholen des Geldes auf, dass ein Schlüssel an meinem Bund fehlt. Ich überlege fast schon, wie ich das gleich mit der Tür mache, als ich bemerke, dass es nicht der Haustürschlüssel ist. Was, denke ich, wenn der Schlüssel garincht zu einem Schloss gehört. Was, wenn er für ein Herz gemacht war.


Jetzt denkst du aber Scheiße, denk ich, die Stornokarte für Sofortrückbuchung bitte.



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6 Kommentare

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20.09.2011 - 13:25 Uhr
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MomoSchnitte
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20.09.2011 - 14:25 Uhr
MomoSchnitte

Gefällt mir sehr! *

elieam
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20.09.2011 - 20:15 Uhr
elieam

der teil mit dem arme zählen gefällt mir.
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polaroid_android
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21.09.2011 - 03:30 Uhr
polaroid_android

hier gefällt mir so einiges!

grey_bird
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24.11.2011 - 17:42 Uhr
grey_bird

mir auch

ryuk
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09.01.2012 - 21:41 Uhr
ryuk

nich schlecht!


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