15.04.2012 - 09:41 Uhr

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... ich wünschte ...

Text: DaniausHamburg

Es fing mit einem Foto an. Ich versuchte eigentlich etwas herauszufinden über all die Teenager, die in Deutschland Morde begangen haben. Obdachlose so ins Gesicht getreten, dass sie an ihrem Blut erstickten. Unbekannte in der U-Bahn verprügelt. Eine Nachbarin erstochen, während ihr Kind im Nebenzimmer schlief. Vielleicht ist das mein Gehirn, das vor so viel Grauen abdriftet. Also auch bei mir: Ein primitiver Bewältigungsreflex. Meine Aufmerksamkeit blieb nämlich am Foto eines Elternpaares hängen. Ihr Sohn hatte eine Siebenjährige vergewaltigt und, ja: abgestochen. Da war er 15.Die Fotografen hatten im Gerichtssaal auch die Eltern erwischt. Gramgebeugt, voller Scham, blass saßen sie hinter dicken Eichenpaneelen. Ungepflegt auch. Beide tragen Adidas. Er: Eine Hose, sie eine Jacke. Wie eine Uniform. Schon wieder.


Nun hatten diese Streifen eine Schneise in meine Wahrnehmung gepflügt, ich sah sie auf Bildern zu beinahe jedem Mordfall. Weiße Streifen, goldene, silberne – sie zogen sich durch die Bilder. Über Beine und Schultern der Täter und Opfer, der Klassenkameraden, Geschwister, Eltern. Die Synthetik, aus der die Streifen sind: Der Kleber einer Gesellschaft, auf die wir sonst nicht blicken?Adidas ist der Treppenwitz der Marketing-Opfer: Seht her, die Marke ist begehrlich. Und sehr her, wo. Es ist, als wollten die Abgehängten der Gesellschaft rufen "Herzogenauracher Designer, Strategen und Manager, blickt auf diese Welt!" Genau die Welt, die die Macher einer Marke mit all ihren Werbemaßnahmen ausblenden wollten. In ihren Spots lassen sie die Streifen zischen und funkeln, zeigen scheichreiche Fußballer, hoffnungsfrohe kleine Kinder an der Hand ihrer Idole. Sie wollen sagen: Alles ist möglich.
Aber keine Chance: Die Bilder aus dem Gerichtssaal, von den Tatorten und aus den Facebook-Profilen der Jugendlichen haben eure bunten Marketingbilder bei mir ausgelöscht. Auch hier sagen mir die Streifen "Alles ist möglich" – aber in eine andere Richtung.Und das funktioniert nicht nur mit Adidas. Auf Facebook gibt es eine Gruppe "Dank Ed Hardy erkennt man Idioten schon von weitem". Abercrombie bot gar einem "Star" Geld, damit er ihre Shirts nicht trägt. Vielleicht schicken die großen Modefirmen längst nicht mehr die eigenen Kreationen vor den "Oscars", sondern die der Konkurrenz. Als Intrige, an die „Unangesagten“.
Es ist oberflächlich, wie wir uns und unsere Welt labeln, aber es hilft nicht, die Ablenkung hält nicht vor.Es ist egal, welche Klamotten Kindermörder tragen und warum. Und ob man an einem Logo wirklich den IQ des Trägers ablesen kann. Hätte die kleine Lena nur gewusst, woran man Einen erkennt, der einen Dreck auf ein Menschenleben gibt.



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