Das Ding der Woche: Die Pferdefleisch-App
Text: teresa-fries  Illustration: Marie-Claire Nun | 1 1 Kommentar | Ding_der_Woche | Technik | 01.09.2014 23:01  


Seit dem neuen Fleischskandal traust du keiner Lasagne mehr über den Weg, machst einen großen Bogen ums Tiefkühlregal und verzichtest sogar auf deine geliebten Dosenravioli? Die barcoo-App könnte deine Rettung sein.

„Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass die bislang gefundenen Lebensmittel schon das Ende der Kette sind. Vermutlich werden noch viele weitere folgen und mindestens genauso viele werden im Verborgenen bleiben“. Mit diesen rosigen Aussichten wird auf einer App-Plattform für „barcoo“ geworben: Ein kostenloser Barcode-Scanner fürs Smartphone, der uns immer und überall sagen kann, was in unserem Essen ist.



Ist es nun Schwein, Rind oder Pferd? "barcoo" soll helfen, diese Frage zu beantworten.

Die Internetseite von „barcoo“ sagt, es sei der größte Produkt-Guide Europas. Denn dank der zahlreichen Quellen der App gehen die Informationen über die reine Inhaltsangabe hinaus: Testberichte wie von „Stiftung Warentest“, „Greenpeace“ oder „billiger.de“ werden ausgewertet und so kann die App sagen, woraus das Produkt besteht, ob es genmanipulierte Bestandteile hat, oder schlicht ob es teurer ist als wo anders. Hinzu kommen die Bewertungen andere Komsumenten.

Scannt man zum Beispiel die Flasche eines Cola-Mix-Getränks zeigt die App, die Nährwertangaben. Das Ganze gleich in Ampelfarben, damit man sieht, was davon ungesund oder wovon zu viel drin ist – in diesem Fall ist der Zuckergehalt rot. „barcoo“ vergleicht das Getränk mit anderen aus der Kategorie „Softdrink“ und zeigt: 79 Prozent weniger Fett, 100 Prozent weniger gesättigte Fettsäuren und 100 Prozent weniger Natrium als der durchschnittliche Softdrink. Außerdem sagt die App einem, dass Getränke im Schnitt 600 Gramm CO2 pro Liter verursachen und bietet Wissenswertes über Pfand und Limonade an.

Seit kurzem werden nun auch alle veröffentlichten Untersuchungen zum Thema Pferdefleisch berücksichtigt und die Nutzer gewarnt, wenn sie ein betroffenes Produkt scannen. Das wird besonders nützlich, wenn die Liste noch länger werden sollte und man den Überblick zu verlieren droht. Ganz sicher, kann man sich natürlich nicht sein. Denn nur weil die App nichts anzeigt, heißt es nicht, dass kein Pferdefleisch verwendet wurde, sondern nur, dass keine Untersuchung vorliegt.

Zur „barcoo“-Website gehört ein Blog. Auf dem wird zum einen für die App geworben und die Funktionen werden erklärt. Spannender aber sind die Berichte und Informationen zu Aromagranulat in Teebeuteln, gestrecktem Kaffee oder dem aktuellen Fleischskandal.

Wenn man ehrlich ist, hat niemand die Zeit, alle Lebensmittel zu überprüfen, die er kauft. Und alles will man auch gar nicht wissen, sonst kommt man schnell an den Punkt, an dem einem der Appetit ganz vergeht. Aber wenn es einmal wichtig wird, ist die „barcoo“-App eine der schnellsten und einfachsten Varianten, um alle aktuellen Informationen beim Einkauf berücksichtigen zu können. Und weil die Quellen ständig erneuert und erweitert werden, gilt das nicht nur für Giftmais, Ehec-Gurken oder Pferdefleisch, sondern auch für alle kommenden Lebensmittelkatastrophen.


Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/566748