„Stuttgart 21 – Abgründe eines Bahnhofsbaus“
Text: juliane-frisse   und Teresa Fries | 9 9 Kommentare | Redaktionsblog | Macht | 30.10.2014 14:41  


Das Bundesverkehrsministerium distanziert sich von Stuttgart 21, woraufhin sich der Verkehrsminister von der Distanzierung distanziert - die Entwicklungen rund um den Bahnhofsumbau geben inzwischen genug Stoff für eine TV-Serie her. Es ist sogar schon ein erstes Exposé aufgetaucht.

Nur zur Erinnerung – im Endlosdrama Stuttgart 21 traten bereits auf: Zwei Konfliktparteien, einander so verhasst, dass Vermittlungsversuche zum Scheitern verurteilt sind. Demonstranten gegen die Staatsgewalt. Ein Stresstest, ein Volksentscheid und, last but not least, ein vom Aussterben bedrohter Käfer. Samt der jüngsten Entwicklungen klingt das doch nach dem ultimativen Stoff für ein großes TV-Ereignis. Und weil wir in Deutschland ja immer noch auf jene epische Fernsehserie warten, die den US-Produktionen ernsthafte Konkurrenz macht, hat eine ambitionierte TV-Produktionsfirma bereits ein Exposé entworfen. Welches uns exklusiv vorab zugespielt wurde.  





Titel: Stuttgart 21 – Abgründe eines Bahnhofsbaus (Abgründe! Tiefbahnhof!! Mehrdeutigkeit!!!)  

Darum geht’s: Vor dem Hintergrund der Irrungen und Wirrungen rund um das Großprojekt Stuttgart 21 wird ein Gesellschaftspanorama der Schwabenmetropole gezeichnet und damit auch eines der Bundesrepublik. „Stuttgart 21 – Abgründe eines Bahnhofsbaus“ spielt hauptsächlich zwischen 2010 und 2012, den Jahren, als der Konflikt um das Milliardenprojekt eskalierte. Die Serie spannt aber den ganz großen zeitlichen Bogen, vom Jahr 1988, als Verkehrswissenschaftler Gerhard Heimerl in einem Kämmerlein die ersten Ideen für Stuttgart 21 erdachte, bis zur geplanten Eröffnung des Bahnhofs 2020.  

Darum geht’s auch noch: In Nebensträngen werden die Zusammenhänge mit anderen Großereignissen der Zeitgeschichte aufgedeckt. Der Fall der Mauer, 9/11 und die Wahl des ersten schwarzen US-Präsidenten können nämlich nicht in ihrer Gänze verstanden werden, versteht man nicht, was zu jener Zeit in Stuttgart geschah.     

Darum wird die Nation gebannt vorm Bildschirm mitfiebern: „Stuttgart 21 – Abgründe eines Bahnhofsbaus“ wird die Zuschauer nicht mit Details aus Bauplänen und Genehmigungsverfahren langweilen oder überfordern. Stattdessen wird das Publikum von einer packenden Lovestory gefesselt, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint: Im Zentrum der Serie steht die Liebe zwischen dem ambitionierten Nachwuchspolitiker Florian und der leidenschaftlichen Baumschützerin Anna aus der alternativen Szene Stuttgarts. Florian gilt als politisches Talent, doch seine Karriere ist untrennbar mit dem Erfolg von Stuttgart 21 verknüpft. Als der Widerstand gegen die Pläne für den Bahnhofsbau immer stärker wird, schleicht sich Florian undercover auf ein Treffen der Stuttgart-21-Gegner, auf dem er sich unsterblich in Anna verliebt. Und auch Anna ist von Florian sofort angetan – sogar sein späteres tränenreiches Geständnis, dass am Anfang ihrer Liebe eine Lüge stand, schwächt ihre Gefühle für Florian nicht. Beide müssen die Beziehung allerdings vor ihrem jeweiligen Umfeld geheim halten. Als Annas Baumschützer-Freunde das Paar bei einem romantischen Picknick im Stuttgarter Schlosspark erwischen, wird sie von ihnen verstoßen. Anna wird daraufhin Teil des Stuttgarter Establishments und kämpft gemeinsam mit Florian für Stuttgart 21.
        
Die Struktur der Serie: Um den Anspruch der Serie zu verdeutlichen, das deutsche Pendant zu „The Wire“ zu sein, sind insgesamt fünf Staffeln geplant, die jeweils ein bestimmtes Milieu oder Umfeld der Stadt porträtieren: vom Rathaus über die Stuttgarter Niederlassung der Deutschen Bahn bis zu den mit dem Umbau beauftragten Bauunternehmen, von den Wutbürgern unter den einfachen Leuten bis zu Annas radikaler Öko-Kommune – „Stuttgart 21 – Abgründe eines Bahnhofsbaus“ wird zeigen, dass der Konflikts die ganze Stadt prägt und schließlich spaltet.

Wer wird die Serie drehen? Als Regisseur kommt kein geringerer in Frage als Dominik Graf persönlich. Nur er verfügt über ausreichend Erfahrung und Talent um sich des epischen Meisterwerks anzunehmen. Man munkelt zudem, dass schon sein Film „München – Geheimnisse einer Stadt“ aus dem Jahr 2000 für ihn nur ein Test war, um zu beweisen, dass er mit großem historischen Material umgehen kann. Der Grimme-Preis für „Stuttgart 21 – Abgründe eines Bahnhofsbaus“ wäre diesem Regisseur jedenfalls so gut wie sicher.

Die Besetzung: Setzt auf bekannte Stars aus Film und Fernsehen. Die Rolle des aufstrebenden Jungpolitikers Florian sollte an Matthias Schweighöfer gehen, bekannt aus dramatischen Filmklassikern wie „Kokowääh 2“ und „Mein Vater, die Tunte“. An seiner Seite wird voraussichtlich Karoline Herfurth als die attraktive Baumschützerin Anna zu sehen sein. Herfurth konnte ihr Talent und ihre Affinität zu deutscher Geschichte und Kultur bereits als Gänsemagd in der Märchenverfilmung „Acht auf einen Streich“ unter Beweis stellen. Als Krönung ist für die zweite Staffel bereits ein Gastauftritt von Iris Berben als Bundeskanzlerin geplant. Für die Nebenrollen sind ansonsten vorgesehen: Jürgen Vogel als Vater von Anna und Anführer der Wutbürger, der bei einem Kampf mit einem Wasserwerfer fast erblindet, Christoph Waltz als besonders böser Bahnchef, Florian David Fitz als Baumschützer und vor allem attraktiver Nebenbuhler von Schweighöfer. Sky du Mont als alle an der Geschichte beteiligten älteren männlichen Politiker, weil die sowieso niemand auseinander halten kann, Juchtenkäfer Anton als der Juchtenkäfer und Heiner Geißler als Heiner Geißler.

Die Til-Schweiger-Rolle: Als obligatorische Til-Schweiger-Rolle, die in keinem deutschen Film- und Ferseh-Hit fehlen darf, war die des Wutbürger-Anführers gedacht. Schweiger allerdings ließ bereits durchblicken, die Rolle sei ihm zu tiefgründig, zu „unsexy“ und der Text enthalte zu viele schwierige Worte. Deshalb wurde Jürgen Vogel angefragt, die Rolle zu übernehmen. Für Schweiger plant man stattdessen die Rolle eines Baggerfahrers auf der Bahnhofsgroßbaustelle, der in jeder zweiten Folge sein T-Shirt ausziehen darf.

Der Soundtrack: Zu jeder guten Serie gehört ein noch besserer Soundtrack. Er verleiht der Serie das richtige Image, bindet die gewünschte Zielgruppe an die Sendung und muss Kultpotenzial besitzen. Den Soundtrack zu „Stuttgart 21 – Abgründe eines Bahnhofsbaus“ wird daher die Crème de la Crème der Stuttgarter Musikszene liefern: Cro soll für die romantische Vertonung der Liebesgeschichte zwischen Anna und Florian sorgen, die Fantastischen Vier werden wohl den Protestsong der Wutbürger beisteuern und von Max Herre darf man eine kraftvolle Untermalung der zahlreichen Actionszenen erwarten.

Die Produktionskosten: Zu Beginn der Planung rechnete man mit Produktionskosten in Höhe von 4,330 Milliarden Euro. Allerdings dauern die Drehbucharbeiten nun schon länger als geplant und man kalkuliert bereits einen Schlichter für eventuelle Streitigkeiten zwischen Till Schweiger und Jürgen Vogel ein, sodass  die Kosten bei rund 6,8 Millarden Euro liegen dürften.

Und wie geht es aus? Die Serie wird in einem großen, dramatischen Finale enden: 2020 ist der Bahnhof gebaut und soll eingeweiht werden. Florian und Anna haben einen Weg gefunden, die Bäume zu schützen, den Bau trotzdem zu ermöglichen und die Kosten dabei sogar noch zu senken. Nun stehen Baumschützer, Politiker, Bahnunternehmer und der Baggerfahrer gemeinsam an den neuen Gleisen und warten auf die Einfahrt des ersten Zugs. Doch in diesem Moment stürzt ein riesiger Meteorit vom Himmel und schlägt in die Bahnhofshalle ein. Florian und Annas Vater werden verletzt, sie kann nur einen retten. Doch weil sie sich nicht zwischen ihrem Vater und ihrer großen Liebe entscheiden kann, verliert sie beide. Durch einen Zufall erfährt Anna, dass Terroristen die Flugbahn des Meteoriten absichtlich auf den Bahnhof gelenkt haben. Die Baumschützerin schwört Rache.


Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/565750