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Was genau macht die Schufa?

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Der Tag, an dem ich das erste Mal mit der Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) in Berührung kam, begann mit einem hysterischen Anfall: Ein Kreditinstitut verweigerte mir die Kreditkarte. Die Begründung: Nach Prüfung meiner bei der Schufa hinterlegten Daten und weiterer Informationen sei ich nicht kreditwürdig. Ich bekam einen mittleren Nervenzusammenbruch: Lag es daran, dass ich den Pullover von Zalando noch nicht bezahlt hatte? Aber da gab es doch noch nicht mal eine Mahnung? Oder daran, dass ich meine Umsatzsteuer-Vorauszahlung zu spät eingereicht hatte? Zumindest war ich mir sicher: Ich habe einen negativen Schufa-Eintrag von dem ich bis eben noch nichts wusste. Die Argumentation des Kollegen J., die Schufa würde sich seines Wissens nicht für meine Steuern oder 40-Euro-Pullover interessieren, ignorierte ich und tippte nervös die Nummer der Service-Zentrale ein. Dort durfte mir am Telefon jedoch auch niemand Auskunft geben, ich musste für 24,95 Euro meine Bonitätsauskunft bestellen (gibt es übrigens auch kostenlos wie ich später rausfand, siehe die fünf Tipps). Erst als das erledigt war, fragte ich mich: Was macht die Schufa eigentlich?

Andreas Lehmann, stellvertretender Pressesprecher der Schufa, erklärt mir das so: "Wenn Sie in der Fußgängerzone eine fremde Person fragen würde, ob sie ihr 1000 Euro leihen können, würden Sie vermutlich zunächst auch gerne ein paar Hintergrundinformationen zu dieser Person haben." Ähnlich sei das auch in der Wirtschaft: "Jemand, der Produkte und Dienstleistungen verkauft, kennt den Verbraucher zunächst nicht. Hat das Unternehmen einen Vertrag mit der Schufa, kann es so Informationen zum unmittelbaren Kreditverhalten des Verbrauchers einholen."

Der Schufa liegen nur Informationen über Personen vor, die irgendwann einmal einen Vertrag unterschrieben haben, in der sie der Schufa-Klausel zugestimmt haben. Das passiert meistens das erste Mal im Leben bei der Eröffnung eines Girokontos, manchmal auch beim Abschließen eines Handyvertrages. Damit erlaubt man den Kreditinstituten, personenbezogene Daten an die Schufa weiterzuleiten. Sie selbst sammelt keine Daten. "Die Schufa speichert die Anschrift, das Geburtsdatum und Informationen zum Kreditverhalten. Nationalität, Beziehungsstatus, Einkommen oder ob man seine Steuern pünktlich zahlt, werden hingegen nicht erfasst", sagt Andreas Lehmann. Wenn man eine Kreditkarte beantragt, muss man dem Kreditinstitut allerdings meistens von sich aus Informationen über das monatliche Einkommen und eventuelles Vermögen geben.

Unter "Informationen zum Kreditverhalten" versteht die Schufa vor allem die Frage, ob man bisherige Kredite oder Vertragsleistungen auch immer zurückgezahlt hat - was in Deutschland in 97,5 % aller Kredite der Fall ist. Hat man immer brav bezahlt, steht in der Schufa-Bonitätauskunft somit nur drin, dass man ausschließlich positive Einträge hätte. Außerdem berechnet die Schufa zur Messung der Kreditfähigkeit noch einen Score, der besagt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man Kredite auch zurückzahlt. Dieser Score kann schwanken - wenn man ein Haus kaufen möchte, werden hierfür bestimmte Daten stärker gewichtet, als beispielsweise bei der Aufnahme eines Ratenkredits für einen Fernseher. Der theoretische Höchstwert von 100 % tritt allerdings nie ein - "Das wäre ja eine Garantie, das eine Person auf jeden Fall zurückzahlt und die können wir nicht geben", sagt Andreas Lehmann. Zwar ist es schwierig bei diesen Scores zwischen "gut" und "schlecht" zu unterscheiden, da jede Bank bei der Prüfung der Bonität einen anderen Wert als "akzeptabel" voraussetzt, wer über 95 % liegt, muss sich allerdings meistens keine Sorgen machen.

Komplizierter wird es, wenn man einen Negativeintrag bei der Schufa kassiert. Das kann passieren, wenn man trotz zweimaliger Mahnung einen Kredit nicht bezahlt hat, auch unbeglichene Handyrechnungen können dazu führen. Ab welcher Summe Unternehmen diesen Schritt gehen, ist abhängig von der hauseigenen Risikopolitik: "Manche Unternehmen sind dabei sehr streng und melden auch für offene Forderungen in Höhe von 80 Euro einen Negativeintrag. Bei anderen fällt diese Summe unter Bagatellschäden", sagt Andreas Lehmann. Allerdings wird man vor einem Negativeintrag immer zuvor in einem gelben Brief schriftlich gewarnt. Unwissentliche Einträge bei der Schufa sind somit fast unmöglich. Ausnahme: Man steht bereits in einem Schuldnerverzeichnis, weil man beispielsweise eine Hypothek für ein Haus aufgenommen hat oder hat Privatinsolvenz angemeldet. Diese öffentlich einsehbaren Negativeinträge übernimmt die Schufa ohne vorher noch einmal nachzufragen.

Insofern der Gläubiger die offenen Forderungen noch nicht beim Amtsgericht titulieren lassen hat, der Gerichtsvollzieher also nicht nicht vor der Tür stand, gibt es auch noch die Chance auf eine Kulanzlöschung des Eintrags. Hierfür muss die geschuldete Summe allerdings unter 2000 Euro liegen und man muss das Geld noch vor Ablauf der letzten Frist bezahlt haben. Alle späteren Schufa-Einträge bleiben für drei Jahre bestehen. Das ist insofern problematisch, als dass heutzutage nicht nur Kreditinstitute sondern auch Vermieter vorm Zustandekommen eines Mietverhältnisses eine Schufa-Auskunft wünschen. Als Privatpersonen dürfen sie diese allerdings nicht einfach so abfragen, das geschieht nur im Einverständnis mit dem potenziellen Mieter. Einfache Kreditleistungen, wie beispielsweise einen Handyvertrag, kann man allerdings manchmal auch mit negativem Schufa-Eintrag noch bekommen.

Charlotte Haunhorst, 25, erfuhr durch ihre Schufa-Bonitätsauskunft, dass sie sehr kreditwürdig ist und keinen Negativeintrag hat. Die blöde Bank hatte wohl eher ein Problem mit dem Wörtchen "selbstständig".

5 Tipps für den Umgang mit der Schufa

1. Wer wissen möchte, wie es um die eigene Kreditwürdigkeit steht, kann für 24,95 Euro eine Bonitätsauskunft bestellen. Dieses offizielle Dokument kann man z.B. auch dem Vermieter geben. Eine einfache Übersicht über die eigenen bei der Schufa gespeicherten Daten ist hingegen einmal im Jahr kostenlos.

2. Wenn einem ein Schufa-Eintrag komisch vorkommt: Möglichst schnell an die Schufa selbst oder an eine örtliche Verbraucherzentrale wenden. Es ist in der Vergangenheit öfter vorgekommen, dass Einträge fehlerhaft waren und gelöscht werden mussten.

3. Schufa-Einträge entstehen meistens wegen trotz mehrfacher Mahnung nicht zurückgezahlter Kredite. Steuerversäumnisse oder eine unbezahlte Rechnung sind dafür irrelevant.

4. Die meisten Schufa-Einträge bleiben drei Jahre bestehen. Ausnahme: Bonitätsanfragen von Kreditinstituten. Diese Anfragen werden bereits nach einem Jahr gelöscht.

5. Die Schufa ist lediglich die größte und bekannteste Schutzgemeinschaft zur Kreditsicherung, bei ihr sind die Daten von 66,3 Millionen Menschen gespeichert. Firmen wie "Bürgel Wirtschaftsinformationen" oder "Arvato-Infoscore" machen ähnliche Jobs.



Text: charlotte-haunhorst - Foto: dpa

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