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wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.05.2013 - 19:46 Uhr
wollmops

das gefühl der abneigung und ablehnung des eigenen körpers nennt man auch dysphorie. kann ein cismensch nachvollziehen, wie es sich anfühlt?


Hab ich mir gerade überlegt. Vielleicht bis zu einem gewissen Grad. Jeder kennt diese 'fat days', wo man sich genuin unwohl fühlt und sich einfach nur verkriechen will, da fühlt sich der Körper auch 'falsch' an. Ganz extrem müssen das Magersüchtige haben, die sich ja auch mit wahnwitzigem Untergewicht noch als fett wahrnehmen.

Aber ich glaube, da ist doch ein kategorialer Unterschied. Irgendwie scheint mir Transsexualität 'objektiver' zu sein als andere Störungen in der Selbstwahrnehmung. Denn Magersucht kann man therapieren. Es gibt ja doch genügend Geheilte, die gelernt haben, ihren Körper wieder anzunehmen. Von Transsexualität habe ich sowas noch nie gehört - gab es da je 'Therapieversuche', gar erfolgreiche? wahrscheinlich nicht. Umgekehrt gibt es ja Beispiele, wie Transsexuelle nach OP und/oder Hormonbehandlung tatsächlich ein erfülltes Leben im 'eigentlichen' Geschlecht führen, sprich: das Problem ist _physisch_ vorhanden, wird es beseitigt, ist es nicht mehr da. Bei Magersüchtigen ist das m. E. anders: da gibt es keine Lösung ausser der psychotherapeutischen.

Deswegen: nein, ich denke, ein "Cismensch" (hübscher Latinismus übrigens) kann die Situation eines Transsexuellen nicht nachfühlen. Scheint doch eine extrem manifest physische Sache zu sein, die sich mit einer rein psychischen Erkrankung eben nicht vergleichen lässt. Oder?

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.05.2013 - 21:10 Uhr
JoergAuch

Tipp: Im heutigen Tatort kommt Trans-bzw.Intersexualität vor.

addictedToSleep
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.05.2013 - 22:15 Uhr
addictedToSleep

JoergAuch sagte:
Tipp: Im heutigen Tatort kommt Trans-bzw.Intersexualität vor.


und der war gar nicht schlecht. ging zumindest sensibel mit dem thema um und stellte eine palette der möglichkeiten im umgang mit tran- und intersexualität da.
man muss allerdings die herren boerne & thiel mögen, comedy-tatort trifft sicherlich nicht jeden geschmack. ;)

jazzbertie
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Mag ich Mag ich nicht

1

20.05.2013 - 13:40 Uhr
jazzbertie

addictedToSleep sagte:
JoergAuch sagte:
Tipp: Im heutigen Tatort kommt Trans-bzw.Intersexualität vor.


und der war gar nicht schlecht. ging zumindest sensibel mit dem thema um und stellte eine palette der möglichkeiten im umgang mit tran- und intersexualität da.
man muss allerdings die herren boerne & thiel mögen, comedy-tatort trifft sicherlich nicht jeden geschmack. ;)

also, ich fand den tatort gestern total bescheuert. es waren so viele sachliche fehler darin, dass ich wahrscheinlich gleich einen text darüber schreibe.
mindestens hätte in dem tatort ein mal das wort transsexualität/ transidendität vorkommen müssen. und wenn man testosteron als tablette nimmt, macht man sich die leber kaputt. und 2011 gab es keinen op-zwang für die personenstandsänderung mehr, und für die vornahmensänderung nie. *undsoweiter*

@wollmops
es gibt psychiche störungen, die zu den gleichen "symptomen" wie transsidendität führen. das kann man behandeln. aber transidendität an sich nicht. wenn man versucht, die menschen umzupolen, macht das - wie bei heilungen für homosexuelle - nur alles noch schlimmer.

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

1

20.05.2013 - 13:51 Uhr
wollmops

jazzbertie sagte:
@wollmops
es gibt psychiche störungen, die zu den gleichen "symptomen" wie transsidendität führen. das kann man behandeln. aber transidendität an sich nicht. wenn man versucht, die menschen umzupolen, macht das - wie bei heilungen für homosexuelle - nur alles noch schlimmer.

Ich find das eben wahnsinnig interessant. Mich hat schon immer die Grenze zwischen Physischem und Psychischem interessiert. Es gibt ja Neurologen, die die überhaupt komplett leugnen - wer schizophren oder depressiv ist, hat eine Stoffwechselstörung, fertig aus, Emotion, Psyche etc. ist die reine Biochemie, und mit der entsprechenden Medikation ist das ganz schnell wieder in Ordnung. Und dasselbe gilt im Prinzip für sämtliche Beeinträchtigungen menschlicher Befindlichkeiten, bloss sind wir halt medizinisch noch nicht ganz so weit, gell.

Naja, und konsequent zuende gedacht, würde das bedeuten, dass man in 20 Jahren alles Psychische 'heilen' kann, inklusive Homosexualität und Transidentität. Der Haken an der Sache: wo beginnt die Identität? es gibt ja auch Schizophrene und Depressive, die keine Medikamente nehmen wollen, weil sie sich dadurch in ihrer Persönlichkeit zu sehr beeinträchtigt sehen. Umgekehrt wollen genügend psychisch Kranke auch unter Opferung eines Teils ihrer Identität unbedingt 'gesund' werden - und es klappt eben trotz optimaler Medikation nicht.

An der Transidentität fasziniert mich, dass man hier nicht die psychischen Symptome durch physische Behandlung 'wegmachen' will, sondern dass man den umgekehrten Weg geht: nicht die Psyche ist 'falsch', sondern der Körper, und der wird dann entsprechend dem psychischen Zustand verändert. Die Psyche also als objektives Organ zu nehmen, der auch Folge geleistet werden soll, anstatt sie medikamentös und therapeutisch hinzubiegen, bis es eben passt - das ist m. E. absolut einzigartig in der aktuellen (psycho)therapeutischen Praxis.

KasusKnacktus
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Mag ich Mag ich nicht

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20.05.2013 - 16:00 Uhr
KasusKnacktus

Sehr gut beobachtet. Die widersprüchlichen Gefühle kennt jeder, der eine Tonbandaufnahme von sich hört! Hilft aber alles nichts, wenn man extra zwitschert oder altbrummt, wird es nur schlimmer. Am besten gar nicht sich selber anschauen, wenn einen das irritiert, und nur nach vorn reden. und zu sich selber? Im Selbstgespräch nicht immer duzen und nie, nie beschimpfen!

frauP
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Mag ich Mag ich nicht

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20.05.2013 - 20:22 Uhr
frauP

aha, wieder was gelernt, ich bin also ein cismensch?
das gefühl, dass der körper, nicht zu einem gehört, dass man mit den plötzlich langen armen und beinen und brüsten nichts anfangen kann, das hatte ich in der pubertät auch. aber das ist wohl nicht vergleichbar, mit dem was du und andere transmenschen erleben. irgendwann hab ich ja angefangen ihn eben so zu nehmen, wie er ist.
ich frage mich, wie das menschen mit behinderung geht, ob die länger brauchen, um frieden mit sich zu machen?

pitz
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Mag ich Mag ich nicht

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21.05.2013 - 11:44 Uhr
pitz

Ich finde Deinen Text sehr interessant. Ich nehme Dich komplett als Jungen/Mann wahr, und wenn Du was von Brüsten und Scheide schreibst, denke ich zuerst: hä, wo kommen die jetzt her, was haben die bei Dir zu suchen? Schöner Effekt, nicht? Das ist das kleine Geschwisterkind Deines Fremdheitsgefühls.

Und ob ein Cismensch sich das Fremdheitsgefühl vorstellen kann? So wie es sich für Transleute anfühlt, sicher nicht. Aber viele haben ja auch ähnliche Situationen erlebt: sich komplett fremd in ihrer Familie gefühlt, oder sogar im Leben allgemein. Insofern kann man das mit etwas Fantasie vielleicht übertragen. (Bin aber skeptisch).

Mich würde interessieren (wenn ich fragen darf), ob Transleute nicht auch irgendwie genervt von dieser Körperfrage sind, denn der Körper nimmt ja sicher viel mehr Raum im täglichen Denken ein als für viele andere Leute. Ärgerst Du Dich, dass Du nicht mehr Zeit und Nerven hast, Dich mit den Mollusken der Südsee, Obertongesang oder der Industrialisierung (whatever) zu beschäftigen? Oder ist das Transsein eben einfach Dein Thema?

jazzbertie
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Mag ich Mag ich nicht

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22.05.2013 - 15:44 Uhr
jazzbertie

pitz sagte:
Mich würde interessieren (wenn ich fragen darf), ob Transleute nicht auch irgendwie genervt von dieser Körperfrage sind, denn der Körper nimmt ja sicher viel mehr Raum im täglichen Denken ein als für viele andere Leute. Ärgerst Du Dich, dass Du nicht mehr Zeit und Nerven hast, Dich mit den Mollusken der Südsee, Obertongesang oder der Industrialisierung (whatever) zu beschäftigen? Oder ist das Transsein eben einfach Dein Thema?

jein.
es ist "normal" geworden, dass ich mich so viel damit beschäftige. erschreckt mich aber auch immer wieder, wenn ich merke, was für abgespacte dinge das eigentlich sind, über die meine freunde überhaupt nicht nachdenken.
aber jetzt ist es grad wichig und deshalb auch okay. in ein paar jahren habe ich dann andere hauptsachen in meinem kopf. aber es ist auch nicht so, dass ich mich nicht parallel mit anderem beschäftigen würde. (lucilius, der empfänger senecas epistulae morales)

pitz
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Mag ich Mag ich nicht

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22.05.2013 - 17:23 Uhr
pitz

jazzbertie sagte:
jein.
es ist "normal" geworden, dass ich mich so viel damit beschäftige. erschreckt mich aber auch immer wieder, wenn ich merke, was für abgespacte dinge das eigentlich sind, über die meine freunde überhaupt nicht nachdenken.
aber jetzt ist es grad wichig und deshalb auch okay. in ein paar jahren habe ich dann andere hauptsachen in meinem kopf. aber es ist auch nicht so, dass ich mich nicht parallel mit anderem beschäftigen würde. (lucilius, der empfänger senecas epistulae morales)

danke! die notwendigkeit, sich mit dem körper so intensiv zu beschäftigen, ist für die meisten cisleute sicher nicht so stark wie für transleute. ich habe neulich einen test für verschiedene brustbinder gesehen, die alle ihre vor- und nachteile hatten. ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig ist, sich die brüste abzubinden.

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