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ts66
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16.04.2013 - 13:18 Uhr
ts66

Bangshou sagte:
Das Wichtigste ist, dass wir verinnerlichen, dass das erste Ziel von Bildung niemals sein darf, "brauchbare" Arbeitnehmer heranzuzüchten.


Solange die Leute nur wissen wo die Brötchen herkommen die morgens auf dem Küchentisch stehen.

Bangshou
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16.04.2013 - 13:49 Uhr
Bangshou

soylentyellow sagte:

noplacespecial sagte:


MsAufziehvogel sagte:


Das erste Ziel von Wissenschaft darf niemals sein, nützliche Arbeitnehner hervorzubringen.

Damit ist nicht gesagt, dass Bildungsinstitutionen die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes vollkommen außer Acht lassen sollen.

Aber an erster Stelle dürfen sie nicht stehen.
(außer vielleicht an den Fachhochschulen, an dualen Bildungseinrichtungen oder Ausbildungsgängen, die direkt auf ein bestimmtes Berufsbild zugeschnitten sind).

Die vornehmnsten Aufgaben von Bildungseinrichtungen sollten meiner Meinung nach sein, uns dabei zu unterstützen, uns zu mündigen Bürgern zu entwickeln, uns also dabei behilflich zu sein, uns das nötige Rüstzeug anzueignen, um herauszufinden, was wir selber eigentlich wollen, was uns interessiert, wie wir leben wollen, was unsere Werte sind und uns in der Welt zurechtzufinden; hierbei ist natürlich die Fähigkeit der Wissensaneignung und des kritischen Denkens relativ zentral. Sie sollten uns auch Möglichkeiten vor Augen führen, mit welchen Themen man sich befassen kann.

Die wichtigste Aufgabe von Universitäten bestehen meiner Meinung nach darin, nach Erkenntnis zu streben, das heißt in der wissenschaftlichen Forschung, der Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern und der Zugänglichmachung dieser Erkentnisse für ein größeres, interessiertes Publikum.

Wenn die Institutionen im Sinne der oben beschriebenen Ziele sehr gut arbeiten, werden sich die Lernenden dabei Techniken und Arbeitsweisen aneignen, die sie dazu befähigen werden, in den meisten Berufen gute Arbeit zu leisten.

Herauszufinden, welche Qualifikationen darüber hinaus der Arbeitsmarkt erwartet für die Tätigkeiten, die die Lernenden jeweils anstreben, ist in erster Linie die Aufgabe der Lernenden selber.

Das sage ich als jemand, der diesen Punkt selbst bis zu einem gewissen Grad verpennt hatte und später nachholen musste.

Trotzdem fände ich es schlimm, wenn ich an der Uni bestimmte Kurse nicht hätte belegen dürfen, weil McKinsey oder Siemens der Meinung sind, dass ein nützlicher Arbeitnehmer diese Qualifikationen nicht benötigt.

Zumal sich die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragten Qualifikationen in einer Geschwindigkeit ändern, die ein Ausrichten von Lerninhalten an Arbeitsmarkterfordernissen sehr oft ad absurdum führen.

Wer beispielsweise vor 20 Jahren Arabisch oder vor 30 Jahren Chinesisch studiert hat, galt damals als verswchrobener Spinner, der hoffentlich auf ein gutes Erbe zurückgreifen kann, falls es mit der Professur nicht klappen sollte...

soylentyellow
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16.04.2013 - 18:54 Uhr
soylentyellow

"Herauszufinden, welche Qualifikationen darüber hinaus der Arbeitsmarkt erwartet für die Tätigkeiten, die die Lernenden jeweils anstreben, ist in erster Linie die Aufgabe der Lernenden selber."

Genau, selber Schuld wenn man 'das Falsche' studiert hat. Na super.

bangshou
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16.04.2013 - 23:37 Uhr
bangshou

@soylentyellow:

Was ist denn 'das Falsche'?

Warum ist es das?

Und wer sollte außer Dir für Deine Entscheidungen verantwortlich sein?

jungfrauMaria
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17.04.2013 - 12:03 Uhr
jungfrauMaria

littlejohn sagte:
jungfrauMaria sagte:
Die Kritik gibt es schon so, so lange, dabei ist der BA-Studiengang lange nicht so verwurzelt, wie Sexismus



Und was genau hat das eine jetzt mit dem anderen am Hut? Eben. Gar nichts.

Genauso hättest du schreiben können "....dabei ist der BA-Studiengang lange nicht so verwurzelt, wie Schwermetallbelastungen" oder "....ADHS"

Wertet irgendwie den kompletten Beitrag ab....der ein oder andere Punkt wäre da ja vll wirklich brauchbar....naja


der Vergleich wurde im text gezogen: Wegen der Twitter-Aufschrei-Geschichte. Was ich verwunderlich finde, ist dass es zwar natürlich schwierig für viele Menschen war, mit der Aufschrei-Geschichte umzugehen und dass sich daraufhin so gar nichts geändert hat, weil Sexismus in unserer Gesellschaft eben verwurzelt ist, dass die Kritik an den neuen Studiengängen genauso lang existiert, wie selbige, dass dies ein neues Phänomen ist, eines, bei dem es ein leichtes wäre, es um zu stoßen, dass aber nichts dergleichen passiert: so als würde an etwas Traditionellem, tief verwurzelten fest gehalten werden. Diese Brücke hätte ich aber jetzt nicht geschlagen, wenn der Text selber es nicht getan hätte. Er suggeriert aber, das beides etwas miteinander zu tun hat und dann finde ich, sollte man das auch weiterspinnen und interpretieren.

soylentyellow
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17.04.2013 - 13:59 Uhr
soylentyellow

bangshou sagte:
@soylentyellow:


"Was ist denn 'das Falsche'?"

Sowas mit Ggeisteswissenschaften...

"Warum ist es das?"

Weil es der Arbeitsmarkt nicht honoriert - ganz im Gegensatz zu meinem Bruder der Ingenieur geworden ist, unbefristete 35 h Woche hat, bezahlte Überstunden (nix Flatrratearbeiten), Einstiegsgehalt da wo der Spitzensteuersatz anfängt, neuen Job gefunden nach drei (!) Bewerbungen usw).

"Und wer sollte außer Dir für Deine Entscheidungen verantwortlich sein?"

Auf Zigarettenpackungen steht dass das Einatmen von Rauch schädlich für die Gesundheit sei. Do'h! Wenn man davor warnt, warum dann auch nicht vor vielen Studiengängen? "Vorsicht, das Studium an einer philosophischen Fakultät könnte Ihre finanzielle Zukunft gefährden! Werden Sie lieber Ingenieur". Klar bin ich dafür selber verantwortlich, ist aber trotzdem Scheiße.

Und nee, das Schweinezyklusargument zählt auch nicht, ich kann mit 99%iger Sicherheit vorhersagen dass ein Mathe- und Physikleherer viel leichter eine Stelle findet als der Deutsch- und Kunstlehrer. Wollen wir wetten?

"Die vornehmnsten Aufgaben von Bildungseinrichtungen sollten meiner Meinung nach sein, uns dabei zu unterstützen, uns zu mündigen Bürgern zu entwickeln"

Ich wurde ziemlich oft gefragt was man denn damit arbeiten wollen würde. Aber nie ob mich das Studium zu einem mündigen Bürger machen würde. Mündige Bürger sind ja ganz nett für die Gesellschaft, aber das Individuum steht glaube ich lieber darauf für seine Fähigkeiten nachgefragt und angemessen bezahlt zu werden.

"Die wichtigste Aufgabe von Universitäten bestehen meiner Meinung nach darin, nach Erkenntnis zu streben, das heißt in der wissenschaftlichen Forschung, der Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern und der Zugänglichmachung dieser Erkentnisse für ein größeres, interessiertes Publikum. "

Genau. Aber eben nicht dass die Studenten danach irgendwas können wofür sie bezahlt werden. Falls das doch passiert dann ist das ein erwünschter Nebeneffekt, aber eben nur das, ein NEBENeffekt des Studiums.

"Das sage ich als jemand, der diesen Punkt [welche Qualifikationen der Arbeitsmarkt nachfragt] selbst bis zu einem gewissen Grad verpennt hatte und später nachholen musste. "

Das interessiert mich ja brennend: Welche Qualifikationen hast Du Dir wie angeeignet?

"Wer beispielsweise vor 20 Jahren Arabisch..."

Habe ich, bringt aber leider nur bedingt etwas weil man damit ja auch irgendwas tun muss. Nur unterhalten ist den meisten UN dann doch zu wenig, die wollen dann dass man auch noch Controlling oder sowas kann.

"Trotzdem fände ich es schlimm, wenn ich an der Uni bestimmte Kurse nicht hätte belegen dürfen, weil McKinsey oder Siemens der Meinung sind, dass ein nützlicher Arbeitnehmer diese Qualifikationen nicht benötigt. "

Trotzdem fände ich es super wenn ich an der Uni bestimmte Kurse belegen hätte müssen weil McKinsey und Siemens diese als essentiell erachten weil sie der Meinung sind dass ein nützlicher Arbeitnehmer diese Qualifikationen auf jeden Fall benötigt.

Bangshou
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17.04.2013 - 15:53 Uhr
Bangshou

soylentyellow sagte:


.


Ich halte fest: Dir ist es wichtig, was andere in Bezug auf Dich und Deine Qualifikationen denken und Dir ist wichtig, einen sicheren, gut bezahlten und unbefristeten Arbeitsplatz als abhängig Beschäftigter zu haben.

Warum sollte aber jemand anderes, dem das nicht so wichtig ist wie Dir, und der sich beispielsweise intensiv mit osmanischer Literatur befassen will, deswegen gezwungen werden, irgendwelche Controllingkurse zu belegen, nur weil nach heutigem Stand irgendein Unternehmen der Meinung ist, dass dies für ihre Mitarbeiter eine nützliche Qualifikation sei?

Ich kann Deine Situation durchaus nachvollziehen (hierzu gerne mehr per PN), dennoch möchte ich folgendes entgegnen:

1.Bildung sollte meiner Meinung nach der Persönlichkeitsbildung dienen. Ich finde es essenziell, sich klarzumachen, dass Deine Position als Arbeitnehmer nur einen kleinen Ausschnitt Deiner ganzen Persönlichkeit darstellt und halte es für gefährlich, Deine Identität als Erwerbstätiger zu verwechseln mit Deiner Gesamtpersönlichkeit.
Ich glaube sogar, dass genau dies der Grund ist, warum mir während meiner Praktika so viele Arbeitnehmer begegnet sind, die in ihren Positionen über die Jahre und Jahrzehnte langsam verblödet sind. Weil sie nämlich glauben, nur diejenigen Kompetenzen seien wichtig, die irgendwie in einem Erwerbszusammenhang stehen.

2.Findest Du nicht auch, dass die Möglichkeit, nach dem Schulabschluss studieren zu dürfen statt zu arbeiten ein ziemliches Privileg ist? Ich finde das jedenfalls und bin der Meinung, dies sollte durchaus mit einem gewissen Anspruch an die derart Privilegierten einhergehen: nämlich, dass sie eigenverantwortlich zu handeln bereit sind. Das bedeutet, dass ich mir entweder vor der Wahl meines Studiengangs klar werde, welche Konsequenzen daraus erwachsen bzw falls ich das versäume, später eigenverantwortlich mit den Konsequenzen umzugehen kann. Wer beides nicht kann, ist meiner Meinung nach nicht hochschulreif.

3.Der einzige Punkt, in dem ich Dir vielleicht Recht geben würde: für die Auswahl der Studierenden sollten die Universitäten und Fakultäten vielleicht strenger die Motivation der Bewerber überprüfen, vor allem um Ressourcen nicht zu verschwenden.

soylentyellow
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17.04.2013 - 19:18 Uhr
soylentyellow

@bangshou

Auch als Selbstständiger muss man eine (Dienst)leistung anbieten für den der Auftraggeber eine Zahlungsbereitschaft hat, entweder weil er das selber nicht kann (Fliesen legen, Zähne bohren) oder nicht willens ist es zu tun bzw. mit seiner eigentlichen Arbeit mehr Wert in der gleichen Zeit schöpfen kann (Putzhilfe, Post). Schon allein deshalb ist es wichtig was andere in Bezug auf mich und meine Qualifikationen denken.

Anständig bezahlt und unbefristet werden meist nachgefragtere Jobs vergeben, könnte das jeder Hinz und Kunz tun (Callcenter) dann sehen die Konditionen entsprechend schlechter aus. Alles andere ceteris paribus müsste man sich doch logischerweise für das attraktivere entscheiden. Selbst wenn man vielleicht am liebsten Kindergärtner geworden wäre kann es sein dass man sich trotzdem dafür entscheidet Buchhalter zu werden weil all die anderen Nebenbedingungen deutlich attraktiver sind. Genauso wie wich manchmal im Supermarkt zum No Name Produkt greife obwohl ich das Markenprodukt bevorzugen würde, wenn mir der Mehrwert aber den Aufpreis nicht Wert ist dann eben nicht. (Abwägung)

Persönlichkeitsbildung? Meine Persönlichkeit gefiel mir vor der Uni wesentlich besser, da gab es auch mehr Chancen. "dass Deine Position als Arbeitnehmer nur einen kleinen Ausschnitt Deiner ganzen Persönlichkeit darstellt": Im günstigsten Fall nine to five, es bleibt also nur noch Wochenende für den Rest? Ach so, und was man da machen kann hängt entscheidend davon ab was man vorher nine to five gemacht hat?

"Das bedeutet, dass ich mir entweder vor der Wahl meines Studiengangs klar werde, welche Konsequenzen daraus erwachsen"

Na ja, vor dem Studium heißt es ja immer "studiere was Dir Spaß macht, der Rest wird sich schon ergeben". Klar sollte man nichts studieren nur weil es die Eltern wollen oder weil "eine Banklehre schon immer eine sichere Bank war" aber an die Konsequenzen Gedanken zu verschwenden, das wird doch schon als spießig angesehen und ist verpönt. "Folge Deinen Interessen". Genau, und dann hat Anglistik mit Englisch (Beispiel) nur periphär zu tun.

Sagt der nicht hochschulreife Soylent Yellow an dem die Ressourcen der Uni einfach verschwendet wurden. Perlen vor die Säue, das ist es was mit mir passiert ist.

Bangshou
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17.04.2013 - 19:48 Uhr
Bangshou

soylentyellow sagte:
@bangshou
Na ja, vor dem Studium heißt es ja immer "studiere was Dir Spaß macht, der Rest wird sich schon ergeben".


Das stimmt, das wird oft gesagt.

Am ersten Teil der Aussage ist was dran, der zweite ist totaler Bullshit, das sehe ich genauso.

Nichts "ergibt sich", schon gar nicht von alleine.

Und a propos Säue: An mir wurde auch so manche Ressource verschwendet und auch ich würde mich nur so als semi-hochschulreif bezeichnen.

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