14.03.2013 - 18:30 Uhr

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Lass uns drüber schweigen

Text: feline-gerstenberg - Foto: Mr. Nico/photocase.com

Kommunikation löst angeblich fast jedes Problem. Dabei kann eine Funkstille einer Freundschaft gut tun - oder einen wenigstens erkennen lassen, dass man getrennte Wege gehen sollte. Ein Lob auf die Sendepause.

N. und ich kennen uns seit der fünften Klasse. Wir waren jahrelang beste Freundinnen und trafen uns fast jeden Tag. Aber irgendwann klappte es nicht mehr mit uns, ich fühlte mich von hier hintergangen,aber auch eingeengt. Schließlich kappte ich den Kontakt. Wenn ich N. heute zufällig in der Stadt treffe, sagen wir uns „Hallo“. Mehr aber auch nicht. 

Die Funkstille zwischen uns war das Beste, was passieren konnte. Wenn man merkt, dass mit Reden nichts mehr geht und sich der andere nicht ändern wird, ist es besser, dem Ganzen eine Pause zu geben. Aber warum ist das so? Ist Kommunikation nicht immer die ultimative Lösung aller Probleme? Schließlich dachte man doch mal, einfach nur reden zu müssen und dann wäre alles wieder in Ordnung.



Nur leider lässt sich nicht alles in Worten ausdrücken. Vielleicht ist das Problem auch emotional zu sehr beladen. Schweigen ist deshalb oft die bessere Variante. Es zeigt dem anderen, dass man auch ohne ihn kann. Dass man nicht abhängig von ihm ist und genügend andere soziale Kontakte hat. Es tut gut, Abstand zu nehmen.

Natürlich kommt man sich anfangs wie ein Versager vor, der es nicht schafft, eine Freundschaft aufrecht zu erhalten. Dabei schafft Stille Zeit und Verständnis. Besonders dann, wenn Hoffnung besteht, dass die Freundschaft doch noch zu retten ist. Sie ist wie eine Pause in einer festen Beziehung: Sie nagt an einem und sorgt für schlaflose Nächte. Morgens wacht man jedes Mal mit den gleichen Gedanken auf. "Was tut er gerade und wie geht es ihm?", fragt man sich. Aber irgendwann stellt man fest, dass es die richtige Entscheidung war, sich nicht zu melden. Man zeigt sich gegenseitig, dass man nicht aneinander gebunden ist, aber merkt auch, wie wichtig man sich gegenseitig ist.

Reden hingegen hätte vieles wahrscheinlich noch schlimmer gemacht. Oft sagt man aus der Wut heraus Dinge, die man später bereut. Während der Funkstille hat man stattdessen Zeit, sich auch über die eigenen Fehler Gedanken zu machen und dem anderen zu verzeihen. Danach, wenn Wut verraucht und Verletzungen verheilt sind, ist immer noch genügend Zeit zu reden - und auch für einen Neuanfang.

Bei N. und mir kam es nicht dazu. Ich erwische ich mich heute oft dabei, wie ich mir die neuesten Bilder von ihr bei Facebook ansehe. Sie scheint glücklich zu sein. Die Funkstille hat uns gezeigt, dass wir einander nicht brauchen und die Freundschaft doch gar nicht so stark war, wie wir anfangs dachten. Dank N. habe ich gelernt, loszulassen. Klar habe ich mir früher gewünscht, dass wir ewig befreundet sein würden und auch noch mit 80 DVD-Abende organisieren und uns Quarkmasken ins Gesicht schmieren würden. Heute weiß ich, dass wir einfach zu verschieden sind und dass auch weitere stundenlange Gespräche nichts bewirkt hätten. Ohne die Funkstille hätte ich das vielleicht nicht erkannt.



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10 Kommentare
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Bangshou
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Mag ich Mag ich nicht

1

14.03.2013 - 20:07 Uhr
Bangshou

Pro Sendepause: ich.

Wilberforce
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Mag ich Mag ich nicht

1

15.03.2013 - 00:31 Uhr
Wilberforce

Oja. Manchmal muß man manche Probleme einfach besser aussitzen.

Gerade solche Zwischenmenschlichkeiten, die tatsächlich von Anfang an nur ein unlösbares Kommunikationsproblem waren.

Awesomeness
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Mag ich Mag ich nicht

-2

15.03.2013 - 07:43 Uhr
Awesomeness

Aus "100 Gründe, warum es toll ist ein Mann zu sein":

Mann kann mit einem Freund stundenlang ohne ein Wort zu sagen fernsehen, ohne zu denken: "Er ist sauer auf mich".

Frauke0815
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2013 - 08:38 Uhr
Frauke0815

gab´s so einen ähnlichen artikel nicht vor ein paar monaten schon mal...

MojoMenges2
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2013 - 09:40 Uhr
MojoMenges2

Die Frage ist ja nicht, ob Funkstille ein probates Heilmittel für zwischenmenschliche Konflikte ist oder nicht.

Die Frage ist, ob beide Seiten sich auf dieses Mittel einigen können.

bearwithbrains
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2013 - 10:00 Uhr
bearwithbrains

"Es zeigt dem anderen, dass man auch ohne ihn kann. Dass man nicht abhängig von ihm ist und genügend andere soziale Kontakte hat. " [...] "Die Funkstille hat uns gezeigt, dass wir einander nicht brauchen und die Freundschaft doch gar nicht so stark war, wie wir anfangs dachten."


Behalten Sie doch Ihren blöden Hammer!

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2013 - 10:50 Uhr
octopussy

Die Kunst beginnt doch da, wo man eben auch in einer funktionierenden Freundschaft schweigen kann und mal Abstand haben kann und trotzdem füreinander da ist, wenn es drauf ankommt. Aber das ist halt auch Typsache. Mich persönlich nervt dieses ewige Rumdiskutiere, deswegen vermeide ich es oder sorge auch mal für Funkstille. Dann können sich auch Wogen glätten und nach ein paar Wochen merkt man, dass man sich eh verredet hat oder missverstanden hat oder eben einfach nicht einer Meinung ist - und auch nicht sein muss.

ts66
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Mag ich Mag ich nicht

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15.03.2013 - 10:54 Uhr
ts66

.

librarian78
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Mag ich Mag ich nicht

1

15.03.2013 - 12:34 Uhr
librarian78

Ich sehe das so:

Funkstille kann in verschiedensten Arten von Beziehungen heilsam sein um sich wieder zu fassen, sammeln etc. Das ist durchaus gut.

Schlecht ist Funkstille immer dann, wenn Sie eine reine Flucht vor der Beschäftigung mit einem für die Beteiligten wichtigen Thema ist und die heilsame Kraft nur als Ausrede für "sich der Thematik nicht stellen wollen" genutzt wird.

Blöd ist auch, wenn Funkstille als Heilsam bezeichnet wird, dann aber nach 3 Monaten Stille nach 5 Minuten wiedersehen doch wieder die ollen Kamellen kommen. Das passt dann auch nicht wirklich...

Strahler13
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2013 - 15:43 Uhr
Strahler13

Funkstille kann schon mal erholsam sein. Wie heißt es so schön, „Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.“ Wahrscheinlich macht auch genau das eine gute Freundschaft, eine gute Bekanntschaft oder eine gute Beziehung aus.
Aber wie bei allem anderen auch, kommt es auf die Situation an.
Wenn beide das so sehen, oder zumindest die eine Seite die andere darüber in Kenntnis setzt, ist es in Ordnung. Nur wenn sich einer einfach nicht mehr meldet, passt es nicht.
Es werden Fragen auftauchen, wie wieso, weshalb und warum.
Es ist ja toll, wenn einer „loslässt“. Nur wie soll der andere dann loslassen können ?

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feline-gerstenberg

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.