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Das Pop-Poesialbum mit dem Herrenmagazin-Sänger Deniz

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Name:  Deniz             

Spitzname: Don, der Fette, Türke, Pervez

Alter: 30

Job: Musiker

Früher wollte ich aussehen wie: niemand bestimmtes. Jedoch habe ich mir immer glatte Haare gewünscht. Darum habe ich sie eine ziemlich lange Zeit immer glatt geföhnt.

Stattdessen sah ich aus wie: ein pummeliges Häufchen mit Karottenhosen, XL-Pullover und schulterlangen blauen Haaren. Ich sah sehr lange ganz schrecklich aus.

Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich: Euphorie und Sorge.

Ich gehöre auf die Bühne, weil: es jetzt zu spät für was anderes wäre. Außerdem macht es mir mehr Spaß auf der Bühne zu stehen als zu arbeiten.

Außer Musik kann ich auch noch: den König der Löwen im Original mitsprechen. Im Zypernurlaub habe ich den mal zwei Wochen lang jeden Abend gesehen. Seitdem ist nichts mehr wie es war.

Das kann ich noch nicht, würde ich aber gerne können: Ich würde gern Türkisch sprechen können. Über einen Sprachkurs in Istanbul bin ich jedoch nie heraus gekommen. Somit sind meine Kenntnisse eher rudimentär bzw. schlecht.

Meine Eltern haben mir beigebracht, dass: auch sie Fehler machen. Viele Leute können nicht damit umgehen, wenn ihre Eltern kritisiert werden. Für mich war das immer selbstverständlich. Vielleicht könnte man auch sagen, dass ich von ihnen gelernt habe, meine Handlungen zu reflektieren und überkritisch mit mir selbst zu sein.

Sie waren stolz auf mich, als: ich im Fernsehen war. Gut finden sie auch wenn ich in der Zeitung bin, die sie selbst lesen. Fernsehen und Lokalpresse sind für meine Eltern ein Riesending.

Sie waren enttäuscht von mir, als: ich ihnen gesagt habe, dass ich eigentlich nur Musik machen will. Ich muss mir heute noch anhören, wann ich endlich damit aufhöre. Mittlerweile habe ich aber gelernt, das zu ignorieren. Irgendwie ist es auch ganz niedlich, wenn sie mir erklären, warum das keinen Sinn hat.

Das erste Mal verliebt war ich: nur einmal. Sie hat mich letztendlich dann verlassen. Ausgerechnet als ich total bekifft war. Ich war hilflos.

Das letzte Mal gelogen habe ich: aus Feigheit. Das passiert aber auch häufig. Ich bin nur in gewissen Dingen und in manchen Momenten selbstbewusst. Ansonsten bin ich ein harmoniesüchtiges Wrack.

Noch nie habe ich: eine Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen bekommen. Es war immer nur die Siegerurkunde. Obwohl ich im Sport nicht ehrgeizig bin, hat mich das damals gewurmt.

Mein größter Triumph: ist die Tatsache dass ich immer noch Musik mache. Ich darf seit Jahren tun was ich will. Das ist  nicht selbstverständlich und dafür bin ich sehr dankbar.

Mein größter Fehler: kann aus rechtlichen Gründen hier nicht breitgetreten werden. Es war aber auch nicht meine Schuld, weil ich die Polizei damals nicht gerufen habe. Vielleicht hätte ich aber auch nicht versuchen sollen zu flüchten. Es war einfach eine Verkettung von ungünstigen Ereignissen.

Mein größter Traum: ist momentan eine Reise in den nahen Osten. Vor allem nach Israel und in den Iran. Sieht aber grade nicht so aus, als hätte ich die Zeit dafür.

Meine größte Angst: Bitterkeit.

Wenn ich eine 4-er-WG gründen dürfte, dann zusammen mit: Freunden. Paul Konopacka, Daniel Koch und Albrecht Schrader. Sie sind alle drei blond, dadurch käme ich mir immer besonders vor.

Wenn mein Leben verfilmt würde, trüge das Werk den Titel: „Aggressive Bescheidenheit“  oder „beim fressen schwitzen, beim arbeiten frieren“.

Wenn ich mir einen Satz tätowieren dürfte, dann: würde ich es trotzdem nicht tun. Die Band Herrenmagazin ist komplett Tattoolos. Das finde ich gut. Tattoos sind spießiger als ihr Ruf.

Text: erik-brandt-hoege - Foto: Nina Stiller

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