20.02.2013 - 08:00 Uhr

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Der komplizierte Geschlechtsticker

Text: teresa-fries - Foto: Nerd1 / photocase.com

Vor Jahren gab es offiziell nur heterosexuelle Frauen und heterosexuelle Männer. Heute kann man zum Beispiel homo- oder transsexuell sein, aber auch das ist einigen noch zu wenig. Wie schwierig ist die Geschlechterzuschreibung für dich?

Ein aktueller Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ greift die Frage auf, wie sich Geschlechterbilder verändert haben und ob sich Geschlecht und Sexualität in der heutigen Zeit noch angemessen beschreiben lassen. Wo es früher nur „männlich“ oder „weiblich“ gab und die Sexualität damit zumindest offiziell geklärt war, hat sich in den 70er Jahren die LGBT-Kultur (Lesbian, Gay, Bisexual und Transsexual) gebildet. Das reine „Mann oder Frau“ wird durch die sexuelle Orientierung ergänzt. Transgender-Personen fühlen sich aber auch davon nicht repräsentiert. Immer noch zu eindimensional, immer noch zu pauschal, immer noch nicht ausreichend.

Mann, Frau, homo, hetero - wer kann das schon immer so genau sagen?

Ein Autor der „New York Times“ schrieb deswegen bereits über die „Generation LGBTQIA“. Hier kommen drei weiter Beschreibungen hinzu: „Queer“ oder „Questioning“ für „fraglich oder in Frage gestellt“, „Intersex“ für „nicht eindeutig männlich oder weiblich“ und „Ally“ oder „Asexual“ für „von keinem Geschlecht sexuell angezogen“. Doch wie viele Begriffe man auch hinzunimmt, wird Geschlecht und Sexualität nicht immer zu individuell und zu differenziert sein, um es mit einem Wort zu beschreiben und dem Ganzen einen Stempel aufzudrücken? Was ist wenn jemand einen Penis hat, sonst aber sehr frauliche Körperzüge, sich selbst als Frau sieht, aber keine Geschlechtsumwandlung vornimmt und sowohl auf Männer als auch auf Frauen steht? Hinzukommen all die – vielleicht  widersprüchlichen – persönlichen  Einstellungen und Ansichten, die die Person definieren. Gibt es dafür wirklich ein Wort, dass alles beinhaltet? Was, wenn jemand sagt, seine Vagina ist männlich? Welcher Begriff umschreibt das?

In der FAZ wird ein visuelles Schema vorgestellt, das eine differenzierte Beschreibung von Geschlecht und Sexualität ermöglichen soll. Drei Kästen stehen für „Organe“, „Psychologisches Geschlecht“ und „Hingezogen zu“. Die linke obere Ecke bedeutet „männlich“, die rechte untere „weiblich“. Ein roter Punkt in jedem Kasten zeigt, wo man sich in jeder Kategorie steht und kann jede beliebige Abstufung anzeigen. Ein Mann im ganz klassischen Sinne hätte den Punkt bei „Organ“ und „Psychologisches Geschlecht“ also ganz oben links und bei „Hingezogen zu“ ganz unten rechts. Wäre der gleiche Mann bisexuell ohne Präferenzen für das eine oder andere Geschlecht wäre der letzte Punkt genau in der Mitte.

Diese Idee der stufen- und ausnahmslosen Einordnung der Geschlechter ist zwar wünschenswert und würde jedem gerecht werden, sie ist jedoch viel zu kompliziert, als dass sie im Alltag möglich wären. Doch wie ist dieses Problem zu lösen? Gibst du dich damit zufrieden, Mann oder Frau, homo oder hetero zu sein? Findest du dich in einer so einfachen Beschreibung wieder, auch wenn du weißt, dass alle anderen sie auch benutzen, obwohl sie völlig anders aussehen und ganz andere Vorlieben haben als du? Oder hältst du deine Sexualität für individueller? Sollte man vielleicht komplett aufhören in Geschlechterbildern zu denken?



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377 Kommentare
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JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.02.2013 - 19:01 Uhr
JoergAuch

Shorebilly sagte:
okkasionalsozialist sagte:
...auf der brust gehen haare nur bei sehr gut trainierten, schlanken männern...

da wuerde ich genau das gegenteil behaupten: nur wirklich gut trainierte maenner koennen sich die brust rasieren ohne albern auszusehen.

Auch nicht ganz richtig. Letztere sehen immer irgendwie albern aus.
Wer sich als Mann was ANderes als das Gesicht rasiert, wirkt dämlich.

vammy
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Mag ich Mag ich nicht

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20.02.2013 - 19:02 Uhr
vammy

Im Land der political correctness ist dieses Geschlechts"problem" schon Thema. Mir persönlich ist es auch wumpe, ob sich jemand eindeutig als Mann oder Frau fühlt, oder ob es irgendwas zwischendrin ist oder noch mal was ganz Anderes.

Den Betroffenen geht es aber anders.

Z.B. wenn man auf eine öffentliche Toilette geht - als Frau auf der Männertoilette fühle ich mich unwohl, und die Männer da drin wahrscheinlich auch. Als nicht eindeutiger Mann ist das denen genauso unangenehm, als gefühlte Frau auf ein Männerklo zu gehen, bloß weil "da was hängt".

Man muss auch recht oft irgendwo ein Kreuzchen machen, weil halt irgendwelche Statistiken erfasst werden, egal, ob man sich bei der Uni einschreibt oder einen Pass beantragt oder zum Arzt geht. Die Entscheidung ist dann wohl willkürlich, aber eben nicht richtig.

Eine Freundin von mir ist eine genetische Beraterin und hat viel zu tun mit Neugeborenen, an denen verschiedene Tests durchgeführt werden. Da muss auch gleich nach der Geburt bestimmt werden, ob das Baby männlich oder weiblich ist. Manchmal geht das aber (noch) nicht, es ist halt irgendwo in der Mitte.

Und ganz schlimm: Babys, die sofort operiert werden, um eindeutig ein bestimmtes Geschlecht zu sein. Die wachsen dann als Mädchen auf, fühlen sich aber eigentlich als Junge, oder umgekehrt. Und finden dann oft erst im Erwachsenenalter raus, dass an ihnen eine Operation vorgenommen wurde. Man kann sich als "eindeutiges Geschlecht" so eine Identitätskrise gar nicht vorstellen.

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.02.2013 - 19:15 Uhr
ein_oxymoron

vammy sagte:
Man muss auch recht oft irgendwo ein Kreuzchen machen, weil halt irgendwelche Statistiken erfasst werden, egal, ob man sich bei der Uni einschreibt oder einen Pass beantragt oder zum Arzt geht. Die Entscheidung ist dann wohl willkürlich, aber eben nicht richtig.

Eine Freundin von mir ist eine genetische Beraterin und hat viel zu tun mit Neugeborenen, an denen verschiedene Tests durchgeführt werden. Da muss auch gleich nach der Geburt bestimmt werden, ob das Baby männlich oder weiblich ist. Manchmal geht das aber (noch) nicht, es ist halt irgendwo in der Mitte.

stimmt, v.a. letzteres ist tatsaechlich ein problem. man sollte halt kein kreuzchen machen muessen, bzw. wenigstens eine "sonstiges"-wahl haben. es kommt ja gar nicht so selten vor, dass die maennlich/weiblich-einteilung eigentlich an der realitaet scheitert.

Wilberforce
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Mag ich Mag ich nicht

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20.02.2013 - 19:42 Uhr
Wilberforce

okkasionalsozialistin sagte:

ach nö. es gibt nen trend zur "neuen prüderie", nicht erst seit #aufschrei


Solange man dazu keinen Prüderle braucht ist alles gut.

the_it_girl
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Mag ich Mag ich nicht

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20.02.2013 - 20:18 Uhr
the_it_girl

Ich hätte gerne die Schuhe auf dem Bild.

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

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20.02.2013 - 22:39 Uhr
JoergAuch

the_it_girl sagte:
Ich hätte gerne die Schuhe auf dem Bild.

the_it_girl sagte:
Ich hätte gerne die Schuhe auf dem Bild.

Da wären sie sicher besser aufgehoben. :-)

bearwithbrains
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Mag ich Mag ich nicht

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24.02.2013 - 14:50 Uhr
bearwithbrains

Wer wie ein Mann aussieht, wird von mir als männlich benannt ("er", "sein", "ihm", "ihn"), wer weiblich aussieht, eben mit dem weiblichen pendant versehen. Ich hab keine Lust, permanent auf irgendwelche Befindlichkeiten und künstlich geschaffene Pseudo-Fettnäpfchen zu achten. Irgendwann reicht es mal mit dem Gender-Quatsch.

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teresa-fries

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