31.Evers 32.Kilian/ Matuschek 33.Cleave
31. Horst Evers - Für Eile habe ich keine Zeit"Wir haben eine neue Kaffemschine. Also Kaffemaschine ist natürlich stark untertrieben. Es ist ein Kaffeevollautomat. Der kann alles und hat alles. Sogar eine eigene Homepage. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Kaffeemaschine mit eigener Homepage haben würde. Man könnte auch sagen, wenn jetzt sogar Kaffeemaschinen ihre eigene Homepage haben, dann beginnt wohl auch für dieses Zeitalter der technologischen Revolution der graue Alltag.
Eigentlich war es ein Geburtstagsgeschenk. Von Freunden. Letztes Jahr haben die Eltern der Freundin mir eine elektrische Saftpresse geschenkt, dieses Jahr bekomme ich eine hypermodernen Kaffeevollautomaten. Wie es aussieht, arbeiten Freunde und Schwiegereltern an ihrem perfekten Frühstück. Leider soll es bei mir stattfinden. Vermutlich kriege ich nächstes Jahr einen Brötchenbackautomaten geschenkt.
Wobei, über diesen Kaffeevollautomaten haben sich schon alle gefreut. Außer der alten Filterkaffeemaschine vielleicht. Die war natürlich überhaupt nicht begeistert, als sie mitbekommen hat, was der neue Küchenbewohner ist. Seitdem wirkt sie noch missmutiger als früher. Und schon da war sie eigentlich ständig am röcheln und schimpfen."
Inhalt:
Horst Evers erzählt wieder Geschichten aus seinem Leben, die für die meisten anderen wohl nur schnöder Alltag wären. Aber er kämpft mit Berliner Hunden und ihren Hinterlassenschaften, arbeiten bei Stadtlärm, das unvermeidliche Bahn fahren und dessen Tücken und neuen Nachbarn die direkt in den Haushof twittern weil sie einen Sorgerechtsstreit haben.
Fazit:
Ich mag den Evers sehr gern. Leider hat dieser Band, im Vergleich zu den anderen, leichte Startschwierigkeiten. Aber nach ein paar Seiten ist er genauso literarisch und humorvoll wie die Vorgänger. Am besten Häppchenweise lesen, sonst hat man nicht viel Spaß daran.
8/10
32. Alexandra Kilian/ Milosz Matuschek
"Um viertel vor Zehn erreiche ich die Bar. Es regnet, und ich bin zu spät, Markus scheint also schon drinnen zu sitzen. Kurz denke ich noch an unser Erkennungszeichen, ein Glas Weißwein, und freue mich, wie unfassbar schlau wir das gewählt haben, für so eine Bar. Und als ich die Tür zum "Abgedreht" öffne und mir Rammstein-Drums und Imponiergegröle von Langhaarträgern entgegenschallen, bin ich erleichtert. Hier trinkt niemand Weißwein. Nur Markus. Und den erblicke ich sofort. [...] Wir geben uns die Hand. "Entschuldige, ich bin etwas zu spät", sage ich. "Kein Problem", sagt Markus. Und setzt sich erstmal wieder. Und sagt nichts. Vielleicht ist es doch eins. Als ich ihn frage, wie er denn dazu komme, eine Anzeige bei Marlies (Anmrk: Sie leitet eine Singleagentur) zu schalten, senkt Markus seinen Blick ins Glas. Naja, er habe vor einem halben Jahr mit seiner Freundin Schluss gemacht. Und das sei alles sehr schwer für ihn gewesen. Betrogen habe sie ihn. Und dabei habe er sie doch über alles geliebt. Ganz schön viel Information für die ersten zehn Minuten, denke ich. Markus schaut wieder hoch. Was für unglaublich liebe Augen er doch hat. Oder sind sie nur so unglaublich traurig? Erschrocken von seiner so offensichtlich verletzten Seele versuche ich, erst mal andere Themen anzusprechen. Was er denn so mache und woher er komme? Wieder starrt Markus in sein Glas. "Ich komme aus Sachsen, aber inzwischen bin ich absoluter Friedrichshainer", sagt er. Na, das ist doch spannend, Friedrichshain habe sich ja so verändert in letzter Zeit, sage ich. "Weiß ich nicht", sagt Markus, "ich bin weggezogen." "Ja, aber warum denn und wohin?", frage ich. "Nach Lichtenberg", sagt Markus. "Weg von ihr." Oh Gott. Das ist ja schlimm mit dem Markus."
Inhalt:
Alexandra und Milosz wollen im Selbstversuch testen ob es die wahre Liebe bei Internetportalen, Zeitungsannoncen und Speed-Dating geben kann. Und geraten dabei an ehemalige Häftlinge, MILFs, angebotene Dreier, brave Germanistinnen und in Darkrooms.
Fazit:
War nett zu lesen, so für zwischendurch. Durchaus mit Humor. Auch wenn ich Milosz' Masche ein wenig seltsam fand (als Harry Hirsch mit langem Schwanz). Sie sucht eher die Liebe und er das schnelle Abenteuer.
6/10
33. Chris Cleave - Little Bee
"Wir saßen da, und ich hielt ihre Hand während sie weinte. Dann gab sie mir ihr Telefon. Sie deutete auf das Display. "Siehst du, ich habe ihn noch im Adressbuch." Auf dem Display des Telefons stand Andrew und dann eine Nummer. Einfach nur Andrew - ohne Nachnamen. Würdest du ihn für mich löschen, Bee? Ich kann es nicht." Ich hielt ihr Telefon in meinen Händen. Ich hatte schon Leute mit Mobiltelefonen telefonieren sehen, sie aber immer für sehr kompliziert gehalten. Ihr werdet mich auslachen - na bitte, das dumme kleine Mädchen, dessen Haut nach Tee riecht und das noch Cassavaflecken an den Fingern hat -, aber ich dachte immer, man müsse eine Frequenz suchen. Ich dachte, man müsse eine Wählscheibe drehen, bis man das Signal seiner Freundin gefunden hätte, ganz leise und schwach, als stellte man bei einem Aufziehradio den BBC World Service ein. Für so kompliziert hielt ich Mobiltelefone. Ich dachte, man müsste die Wählscheibe durch die ganzen zischenden und quietschenden Laute drehen, und zuerst würde man die Stimme der Freundin ganz sonderbar und dünn und vn fernem Geheul erstickt hören - als hätte man die Freundin platt gedrückt wie einen Keks und in eine Metalldose voller Affen geworfen -, doch dann würde man die Wählscheibe noch ein winziges bisschen weiter drehen, und die Freundin würde auf einmal etwas sagen wie God save the Queen! und von dem Wetter in den Schifffahrtsgebieten rund um die britischen Inseln berichten. Und dann könnte man miteinander reden."
Inhalt:
Little Bee ist 16 als sie nach England kommt. Und ein Flüchtlingsmädchen welches in ihrer Heimat Nigeria verfolgt wird. Sie wird aus dem Abschiebelager entlassen und wendet sich an die einzigen Menschen die sie in England kennt, eine Journalistin und ihren Mann. Den die drei trafen schon einmal aufeinander, an einem Strand in Nigeria an dem schreckliches geschah und sie auf immer verbindet. Doch nach einem Anruf von Little Bee wird sich erneut alles verändern.
Fazit:
Eine toll erzählte Geschichte zu einer Katastrophe die im Kopf bleibt. Sehr bewegend, von der Handlung her als auch die Zeichnung der Figuren.
Dieses Buch hat mich berührt, und mir das Leid vieler Menschen bewusst gemacht. Erneut muss ich sagen, man vergisst solche Schicksale viel zu leicht und schnell.
9/10

- 8 & 9 16.05.2013
- 59.Pratchett 60.Wiles 61.Klüpfel/Kobr 13.05.2013
- 56.Wallace 57.Leon 58.Murray 03.05.2013
- 7 24.04.2013
- 53.Glattauer 54.Kinsella 55.Nuhr 23.04.2013
eisengrau sagte:
Wahnsinn, 3 Bücher in 3 Tagen? Ich schaff nicht mal meine E-Mails...
... ich werde jetzt nicht deine sekretärin! ;)
aber zur zeit versuche ich nur die angefangenen bücher endlich mal fertig zu lesen. little bee zb lag schon seit drei monaten rum. aber aufgrund der thematik konnte ich das nicht in einem rutsch lesen.
Trilobitin sagte:
... ich werde jetzt nicht deine sekretärin! ;)
aber zur zeit versuche ich nur die angefangenen bücher endlich mal fertig zu lesen. little bee zb lag schon seit drei monaten rum. aber aufgrund der thematik konnte ich das nicht in einem rutsch lesen.
Zumindest bin ich mal beruhigt, dass Horst Evers gut abgeschnitten hat. Hab das Buch als Geschenk für einen Kumpel gekauft, ohne es zu anzulesen, weil ich Evers noch von seinen frühen Texten kenne und mag. Aber ein bisschen Bauchweh hatte ich doch. Bekanntlich werden diese ganzen Slam-Schreiber mit steigender Popularität nicht besser.
eisengrau sagte:
Zumindest bin ich mal beruhigt, dass Horst Evers gut abgeschnitten hat. Hab das Buch als Geschenk für einen Kumpel gekauft, ohne es zu anzulesen, weil ich Evers noch von seinen frühen Texten kenne und mag. Aber ein bisschen Bauchweh hatte ich doch. Bekanntlich werden diese ganzen Slam-Schreiber mit steigender Popularität nicht besser.
durchaus gewagt! ob es ihm jetzt gefällt, kann ich jetzt natürlich nicht einschätzen, aber an sich hast du damit nichts falsch gemacht.
ich finde auch, dass er sein niveau hält in den büchern.
eisengrau sagte:
Naja, so riesig war das Wagnis nicht. Mein Kumpel ist Westfale, der Evers Niedersachse, der Humor dürfte ähnlich sein. Außerdem drängte die Zeit, und 9 Euro fand ich einen nicht allzu hohen Preis für einen Kauf nach Bauch.
diese logik des buchschenkens muss ich bei mir auch mal verbreiten! ich bekomme nur seltsame historische frauenromane die in meiner heimatstadt spielen.
Trilobitin sagte:
eisengrau sagte:
Naja, so riesig war das Wagnis nicht. Mein Kumpel ist Westfale, der Evers Niedersachse, der Humor dürfte ähnlich sein. Außerdem drängte die Zeit, und 9 Euro fand ich einen nicht allzu hohen Preis für einen Kauf nach Bauch.
diese logik des buchschenkens muss ich bei mir auch mal verbreiten! ich bekomme nur seltsame historische frauenromane die in meiner heimatstadt spielen.
hihihi, oh wie schrecklich, "was mit Lokalkolorit".
Nein, ich denke schon immer ein bisschen nach, was demjenigen gefallen könnte, aber manchmal bin ich auch ein bisschen ratlos, vor allem bei Leuten, die ich nicht so oft treffe.
eisengrau sagte:
hihihi, oh wie schrecklich, "was mit Lokalkolorit".
Nein, ich denke schon immer ein bisschen nach, was demjenigen gefallen könnte, aber manchmal bin ich auch ein bisschen ratlos, vor allem bei Leuten, die ich nicht so oft treffe.
und historisch! und frauenschund! es ist ganz grausig. und dieses buch rückt immer näher und näher im lesestapel.
aber ich freue mich ja schon, wenn mir jemand ein buch schenkt.
ich bin ja im zweifelsfall dann für eine gescheite flasche schnaps.









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19.02.2013 - 18:20 Uhr
eisengrau