Neue Emotionen braucht das Netz
Das “Auf Linksuche”-Emoticon
Man unterhält sich im Chat, und zack, plötzlich erinnert man sich an dieses eine Video, diesen einen Artikel oder Blogpost, der gerade herrlich zur Unterhaltung passen würde. Nur erinnert man sich dummerweise nicht mehr, wo man den Link gesehen hat. Per Mail geschickt bekommen? Auf Twitter gesehen? Bei Facebook? Irgendwo im Google-Reader? War der Inhalt auf einer Nachrichtenseite verlinkt? Man beginnt zu suchen, klickt sich durch Timelines und Feedreader. Damit der Chat-Partner während dieser Suche nicht ungeduldig wird, braucht man für diesen Zustand unbedingt eine Optik.
Das Stielaugen-Emoticon

Wann immer in Entenhausen etwas Ungehöriges geschieht, ploppen Donalds Augen vor lauter Überraschung aus ihren Höhlen und sind nur noch durch den Sehnerv mit dem Rest des Körpers verbunden. Es gibt nicht wenige Augenblicke am Tag, an denen man genau dieses Stielaugen-Emoticon gut gebrauchen könnte: Wenn mal wieder Unglaubliches über Silvio Berlusconis Privatleben zum Vorschein kommt, wenn man feststellt, dass Buttermilch weniger Kalorien hat als echte Milch, wenn man plötzlich dank Facebook feststellt, dass sich zwei Freunde, die man nie miteinander in Verbindung gebracht hätte, im echten Leben kennen – immer dann wäre ein Stielaugen-Emoticon die einzig passende Reaktion.
Das Ironie-Emoticon
Das grundsätzliche Problem beim Chatten ist ja, dass es ständig zu Missverständnissen kommt – meistens, weil Witze nicht als solche erkannt werden. Das ist ärgerlich, denn ein „Das war ein Witz“ macht auch die beste Pointe kaputt. Noch unmöglicher ist es, Ironie zu verwenden. Da hört die Verwirrung dann gar nicht mehr auf. Dabei benutzen wir Ironie doch so gerne, dass uns schon wieder vorgeworfen wird, wir könnten gar nichts anderes mehr. Wir brauchen also dringend ein „Das war ein Witz“- und ein Ironie-Emoticon. Sie sollten Missverständnisse aufheben, den anderen aber auch ein wenig dafür rügen, dass er es nicht verstanden hat.
Das Augenroll-Emoticon

Für das Augenrollen gibt es keine vernünftige Entsprechung in der Emoticon-Welt. Manchmal gibt es ein fragendes Augenbrauenhochziehen und ein Kichern mit vorgehaltener Hand. Aber so richtig trifft das weder das ernste Augenrollen (man ist richtig, richtig genervt, kann es in seinem Umfeld gerade nicht äußern, wenn man aber nicht wenigstens mit den Augen rollt, platzt man) noch das amüsierte (wenn etwas lustiges passiert oder gesagt wurde und man lachen muss, aber gleichzeitig signalisieren will, dass man es auch etwas albern findet). Man bräuchte also unbedingt zwei augenrollende Emoticons, eins mit einem lachenden und eins mit einem Schmollmund.
Das „Volle Blase“-Emoticon

Es gibt Chat-Partner, zu denen kann man ruhig sagen: „Du, ich muss mal kurz auf Toilette“. Bei anderen ist einem das unangenehm. Wirklich elegant ist es nie. Sagt man aber nicht Bescheid, könnte der andere denken, man ist eingeschlafen, weggegangen, eingeschnappt oder man will nicht mehr mit ihm reden. Man bräuchte also ein nicht zu geschmackloses, aber eindeutiges Emoticon für eine volle Blase.
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