Bulgurburger und giftgrünes Curry
Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt, und schreiben auf, warum. Heute: jetzt-Mitarbeiterin Charlotte Haunhorst
Diese Woche hat sich jetzt-Mitarbeiterin Charlotte Haunhorst die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.Montag:

Bis ich 14 war, habe ich nie etwas anderes als Spaghetti Bolognese beim Italiener bestellt. Auch heute noch herrscht an meinen Geburtstagen die Bolognese-Diktatur. Wenn es dazu keine halbe Meter Spaghetti gibt (die verdammt nochmal niemand kleinschneiden darf, das ist ein Sakrileg!) werde ich unleidlich. Heißt im Umkehrschluss: Mit Nudeln Bolognese macht man mich ziemlich glücklich. Dementsprechend ziemlich klug von meinem Freund, bei dem ich gerade zu Besuch bin, mir dieses Essen zu kochen. Als Neuerung ist heute Sellerie in der Soße, dafür hat er auf Rotwein zum Ablöschen des Fleisches verzichtet. Dazu gibt's einen Salat mit Speck und Honig-Senf-Soße.
Dienstag:

Gestern gabs mein Lieblings-Kinderessen, heute kommt die Erwachsenen-Variante: Bandnudeln mit Schweinefllet in Gorgonzolasauce. Ist so dekadent wie es klingt, aber weil mein Freund und ich uns so selten sehen, hauen wir auf den Putz. Bei mir wird das Fleisch immer trocken und schrumpelig, er hat's hingegen raus mit der perfekten rosa Färbung. Dafür habe ich zum Nachtisch gebacken - Schokoladentarte. Man haut dafür quasi Mousse au chocolat auf einen Mürbeteigboden und backt das ganze 45 Minuten. Die Schoki-Creme läuft dann noch warm raus wenn man den Kuchen anschneidet. Ich war so glücklich und vollgefuttert, dass ich beim anschließenden Theaterbesuch fast einschlief. Aber nur fast.

Mittwoch:

Mein Freund wohnt in einer WG, in der alle gerne kochen und Ahnung von Lebensmitteln haben. Dementsprechend gibt es hier jede Menge Gewürze, volle Einmachgläser und Haushaltsgeräte. Die Königin der Haushaltsgeräte ist eine Häckselmaschine, die ein Mitbewohner auf einer Tombola gewonnen hat. Seitdem wird alles gehäckselt und gematscht, was da irgendwie reingeht. Passend also, dass es heute Hummus und Bratlinge gab, dazu die restlichen Nudeln von gestern. Hauptbestandteil der Bratlinge war Bulgur, vor dem ich seit einem Semester in Frankreich eigentlich eine Phobie habe. Französischen Mensen sind superbillig, das einzig Genießbare war dann aber immer nur der Bulgur-Salat. Nach einem halben Jahr Auslandsaufenthalt konnte ich das Zeug nicht mehr sehen. Heute war ich allerdings positiv überrascht, wie gut es doch schmeckt. Nach dem Essen ging es dann schnell zurück mit dem Auto nach München, morgen geht immerhin die Journalistenschule wieder los.
Donnerstag:

Zurück in München, zurück im kulinarischen Alltag: Ich war von neun bis halb acht in der Schule, das Mittagessen fiel wegen Schnittstress beim Übungsfilm aus. Stattdessen wurde die Konzentration mit Kinder Pingui und Apfelstrudel hochgehalten. Schnell noch einkaufen, bevor um acht die Läden schließen - daran werde ich mich in Bayern einfach nie gewöhnen. Manchmal erwische ich mich sogar dabei, wie ich anderen Bundesländern erst um 22 Uhr einkaufe - einfach, weil ich es kann. Heute Abend bin ich dann sehr dankbar, dass mein Freund in der WG auf mich wartet und mir den Rest Bulgurpampe von gestern zu einem Burger brät. Es ist noch massenhaft da, aber nach dem Essen meldet sich die Bulgurphobie und ich mag nicht mehr.
Freitag:

Pesto ist für mich seit dem Studium ein Grundnahrungsmittel - als ich noch zuhause wohnte, gab es das aus unerfindlichen Gründen nie bei uns. In den ersten Semestern haben ich und meine damalige Mitbewohnerin somit von Penny-Pesto aus dem Glas und dazu ein Pfund 49 Cent Nudeln gelebt. Seit ich weiß, wie man Pesto selber macht, ist allerdings alles noch viel besser. Diese Variante ist mit Rucola, Parmesan, Sonnenblumenkernen, Knoblauch und Öl. Da in meiner WG allerdings keine königliche Häckselmaschine sondern nur ein simpler Standmixer steht, war das Kleinkriegen ein ziemlicher Kampf. Vermischt mit dem Pesto gibt's dann noch Tomaten, Feta und angebratete Chorizo. Den Fisch-Salzstreuer auf dem Bild habe ich allerdings von meiner ehemaligen Mitbewohnerin zum Umzug nach München bekommen - eine Hommage an die Penny-Zeiten.
Samstag:

Ich habe ein Curry-Kochbuch geschenkt bekommen und das soll heute endlich eingeweiht werden. Erste Hürde: Man brauch für alles Gewürze, von denen ich noch nie gehört habe. Zweite Hürde: Viele der Currys müssen über Nacht ziehen. Ich habe aber jetzt Hunger. Also entscheiden wir uns für ein Koriander-Curry mit Hühnchen, das angeblich schnell geht. Im Supermarkt lerne ich, dass die Blüte von Muskatnuss ein eigenes Gewürz ist, das man für acht Euro pro zehn Gramm verkaufen kann."Macisblüte" heißt das dann und schmeckt -natürlich- total enttäuschend wie stinknormale Muskatnuss. Das Curry wurde trotzdem köstlich und vor allem giftgrün - buntes Essen gefällt mir immer besonders gut.
Sonntag:

Tag Zwei aus dem Curry-Buch: Es gibt eine Suppe mit Kokosmilch, Hühnchen und Kartoffeln. Ich habe sogar eine frische Kokosnuss gekauft, dann aber doch nicht die Muße sie zu zerdeppern. Wenn man dieses ganze sahnige Zeug nicht mit reinschüttet, schmeckt die aus der Dose auch okay. Parallel zum Essen muss ich allerdings noch einen Text fertig bekommen, dementsprechend bin ich dankbar, dass mein Freund kocht und abwäscht. Den Tatort verpassen wir deshalb beide, soll ja aber wie so oft nicht doll gewesen sein.
Auf der nächsten Seite liest du den Kosmoskoch-Fragebogen von jetzt-Mitarbeiterin Charlotte Haunhorst.
- Burger-Fest und innige Spätzle-Liebe 21.05.2013
- Zugessen und schlotziger Couscous-Salat 13.05.2013
- "Ohne Spargel ist nicht richtig Frühling" 06.05.2013
- Bohnensuppe und Brot aus dem Waffeleisen 29.04.2013
- Nudeltage sind gute Tage 22.04.2013
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