15.02.2013 - 18:30 Uhr

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Mädchen, wie bewaffnet seid ihr?

Text: eric-mauerle

Die Mädchenantwort von martina-holzapfl


Puh, ein Thema, aus dem wir nicht ohne mächtig schlechtes Gewissen wieder herauskommen werden. Aber gut, fangen wir an, am besten mit dem Katzenschlüsselanhänger: Ist absolut außer Konkurrenz unser neuer Lieblings-Nonfoodartikel, schon allein weil er einen so tollen Mickey-Maus-Heft-Geheimwaffen-Charakter hat. Leider jedoch auch, weil da ansonsten nämlich nicht so viel los ist in unserem Handtaschenwaffenschrank und mit der Fünf-Sterne-Selbstverteidigungskompetenz.

Das soll natürlich nicht heißen, dass wir nicht total viel "Awareness" auf diesem Gebiet anerzogen bekommen haben. Schon in der Grundschule fuhren unsere Eltern uns regelmäßig zu irgendwelchen Notwehrkursen. Aber ehrlich gesagt war das damals schon eine ziemlich fade und realitätsferne Angelegenheit: Mit unseren Kumpelinen mussten wir bestimmte Notübungen auftanzen, die letztlich nur vage Theorie blieben. Denn testweise einfach mal volle Pulle durchziehen ging natürlich nicht. Wie sollte es uns da denn bitteschön machbar erscheinen, eines Tages den großen, düsteren Vergewaltiger zu erledigen? Auch wenn uns diese Kurse natürlich mit einer Menge Vorsicht (und einer Heidenangst) versahen: Ganz sicher waren wir nie, ob wir im Ernstfall nicht viel eher vor Schreck tot umfallen würden, anstatt geistesgegenwärtig unsere Moves aus der Turnhalle rauszuholen.

Einige von uns hatten später, du hast es ja schon angesprochen, dann noch diese Phase mit dem Pfefferspray oder dem Messer in der Handtasche. Viele tragen sowas vielleicht bis heute mit sich herum, mehr als „gut fürs Gefühl" sind diese Dinge aber nicht. Sollte wirklich mal etwas passieren, bleiben wohl kaum Zeit und Muße, das Zeug aus der Tasche zu kramen und auch noch eine erfolgreiche Attacke damit zu starten. Genau das wurde uns im Zuge unserer steten Selbstverteidigungsaufklärung nämlich auch eingetrichtert: Waffen und Pfeffersprays machten einen eventuellen Angriff höchstens noch gefährlicher, weil der Täter sie uns aus der Hand reißen und gegen uns verwenden könnte. Letztlich steht also hinter der Mitnahme irgendwelcher Waffen oder Pfeffersprays nur eine einzige Hoffnung: Dass es mit ihnen wie mit Tampons oder Regenschirmen ist. Hat man sie dabei, braucht man sie nicht.

Du siehst: Es ist kompliziert. Es gibt keine hundertprozentige Möglichkeit, vor einem Übergriff gewappnet zu sein, wenn wir gar nicht wissen, wer uns überfallen könnte, wo genau, wie wir dann gerade drauf sind und was wir weiterhin zu unserer Rettung bräuchten. Die meisten von uns lassen es deshalb gleich bleiben, ihre Handtasche mit solcherlei Notwehrkrimskrams unnötig zu beschweren. Natürlich fürchten wir uns weiterhin vor eventuellen Angriffen, wenn wir dunkle Ecken beschleichen. Aber letztlich tun wir dagegen nichts außer vielleicht halbbescheuerter Spontanprävention: Wir versuchen uns Mut einzureden und darauf zu vertrauen, dass schon nichts passieren wird, dass es noch viel gefährlichere Städte gibt und dass schon nicht genau hier und jetzt und heute einer schon die ganze Nacht hinterm Baum lauert und genau auf UNS wartet.

Manchmal telefonieren wir beim Durchqueren blöder Ecken oder aktivieren beim iPhone den FriendFinder und schicken eine Nachricht mit: „Wenn ich in einer Viertelstunde nicht wieder angerufen habe, such mich!!!!!!" Manchmal versuchen wir uns auch an die Moves aus der Turnhalle zu erinnern. Klappt leider tatsächlich so gut wie das mit dem Erste-Hilfe-Kurs: Gar nicht. Sollten wir wohl mal auffrischen, ja ja, sollten wir. Sollten wir wirklich. Also, wenn wir mal wieder Zeit haben. Bis dahin muss es unser Hoffen und unser Mut richten, unser iPhone, unsere schnellen Beine, unsere giftigen Flüche und Drohungen und vielleicht auch unsere harte Faust und unser zackiges Knie, die können nämlich einiges und unter Adrenalin hoffentlich noch mehr.
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