04.02.2013 - 18:30 Uhr

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Wagyu-Huhn und Kassler-Punk

Text: max-scharnigg



Welchen Stellenwert hat Essen in Deinem Leben?
Ich esse sehr gern, rede gerne darüber, lese gerne davon, schreibe sogar darüber. Ich war lange Mitglied bei Slow Food, auch wenn das in Deutschland eher ein tröger Haufen ist. Genauso viel Spaß macht mir das Kochen und dafür Einkaufen, ein Urlaub ist für mich erst dann gelungen, wenn ich mit Tüten voller Lebensmittel zurückkomme. Wir verreisen auch fast ausschließlich in Ferienhäuser, um überall auf der Welt selbst einkaufen und kochen zu können. Ich koche auch für mich alleine relativ aufwändig und interessiere mich für Messer, Töpfe und Gasherde, auch wenn ich dieses Theater ums Kochen gleichzeitig wieder schlimm finde. Aber bevor ich mich dafür interessiere, welches Öl in mein Auto reinkommt, interessiere ich mich lieber für das Öl, das in mich reinkommt.

Was ist Dir beim Essen oder Essen-Einkaufen besonders wichtig?

So nahe wie möglich an die unverfälschte Zutat oder das echte Gericht zu kommen, so direkt wie möglich einzukaufen, regional, saisonal und am liebsten eben selber zu ernten, deswegen haben wir ja auch seit ein paar Jahren unseren kleinen Gemüseacker vor der Stadt. Ich fange mir auch meine Fische selber (ist zumindest die Idee), suche Pilze, koche Marmelade etc., um möglichst viel vom Produkt zu haben. Gar nicht aus einer kruden Öko-Angst heraus, sondern weil es mir einfach Spaß macht und aus diesem Spaß und Stolz heraus auch besser schmeckt.

Erinnerst Du Dich, wann Du zum ersten Mal für Dich selbst gekocht hast und wer Dir das Kochen beigebracht hat? 

In meiner Familie wurde stets sehr liebevoll gekocht und gegessen, ich habe sofort damit weitergemacht, als ich ausgezogen war. Kochen ist auch die einzige Beschäftigung, die mir seither immer gleich viel Spaß macht und auf die ich immer Lust habe, alles andere, Lesen, Musik hören, Rumtollen hat ja auch mal Auszeiten, aber wenn mich jemand um zwei Uhr aus dem Bett klingelt und sagt: Max, wir machen jetzt irgendwas Gutes mit Auberginen, dann bin ich sofort dabei.

Was war Dein Lieblingsessen als Kind?
Der Salami-Toast, den mein Vater mir sonntags gemacht hat, wir hatten damals so einen Raclette-artigen Überback-Toaster, der die Salami richtig zum Brutzeln brachte. Ging aber nur mit original Pick-Salami und einem Klacks Ketchup.

Was ist Dein aktuelles Lieblingsessen?

Ich esse vieles unheimlich gerne. J. hat eine Meisterschaft in Sachen Risotto entwickelt, die regelmäßig in himmlischen Orgien endet. Großes, ganzheitliches Lebensglück ziehe ich aus Schmorgerichten, gerade im Winter. Eine flache Rinderschulter drei Stunden lang in Rot- und Portwein im Ofen versenken, dann ein paar Gäste eintrudeln lassen und sich hemmungslos zum Rot- und Portwein dazulegen – wunderbar.

Was magst Du gar nicht?
Aromatisierte Schokolade, Stollen, Wurstsalat, Nudelsalat, Gelbwurst.

Mittags warm und abends kalt oder andersrum?

Im Schreiballtag esse ich abends richtig und warm, und mittags eben vielleicht noch, was übrig ist – ich bin ein sehr großer Anhänger von aufgewärmten Resten.

Wo isst Du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa?
Am Tisch. Ausnahme: Pizza, da sitze ich gerne auf dem Boden, den Rücken an die Wand gelehnt.

Was trinkst Du zum Essen?

Überwiegend unser Münchner Leitungswasser, es muss aber maximal kalt sein. Manchmal holen wir auch Bier in kleinen Flaschen, also meistens Pils. Wenn im Gericht ein Wein ist, finde ich das Glas Kochwein auch sehr gut.

Wie oft gehst Du auswärts essen und hast Du ein Lieblingsrestaurant?
Ich gehe auch gerne essen, vielleicht im Schnitt so sechs Mal im Monat, das gehört für mich einfach zur Stadtkultur. Wobei ich dann doch sehr oft enttäuscht bin, vom Essen. Das ist ein Nachteil, wenn man selbst viel kocht, man hat eben den Vergleich. Deswegen esse ich im Restaurant, wenn es geht, keine Sachen, die ich selbst gut kann, also niemals Bolognese, Schweinebraten, Lasagne oder so was. Außerdem hasse ich es, wenn es sehr laut ist, wenn ich esse. Komisch, als ob Ohr und Zunge irgendeine Verbindung hätten.

Was isst Du, wenn es schnell gehen muss?
Ein Brot mit Frischkäse.

Was war das aufwändigste Gericht Deines Lebens?
Wenn Gäste da sind, übernehme ich mich gerne ein bisschen, einfach weil ich mehrere Gänge und große Portionen nicht so gewohnt bin, deswegen kalkuliere ich die Zeiten falsch etc. An Weihnachten habe ich eine gefüllte Gans gemacht, aber das war eigentlich nicht aufwändig. Ich bewundere J., weil sie gelegentlich auch mal eine Torte macht, wofür mir die Ausdauer und Disziplin fehlen würden. Ich habe kein Problem, vier Töpfe zu jonglieren, aber wenn es darum geht, unterschiedlich dicke Tortenböden zu backen oder diverse Wasserbäder zu temperieren, werde ich quengelig. Aufwändig finde ich, gute vegetarische Gerichte zu finden, also etwas jenseits von Nudelsoßen und Käse.

Hast Du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen?

Viele Freunde wünschen sich einen Braten, weil sie das selber nicht machen, wobei ein Braten wirklich easy ist, sofern man einen Backofen hat. Mein Missionarsgericht waren lange Zeit geschmorte Rinderbäckchen, da machen die Gäste erst „Ah, uh, sind das echt die Backen vom...?“ und dann kosten sie und sind hin. Leider ist mein Bäckchenlieferant aber nicht mehr da, deswegen hatte ich schon lange keine mehr.

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Dirk von Gehlen. Der Mann ist so viel unterwegs, das kann nicht gesund sein.
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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

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