Diaabend in Cool
Eine Designagentur hat einen winzigen Diaprojektor entwickelt, der Instagram-Fotos an die Wand schmeißt. Das ist nicht nur eine herrlich altmodische Erweiterung für die Retro-Filter-App, sondern könnte sogar für ein Comeback des Diaabends sorgen.
Wenn jemand sagt „Wir haben so schöne Fotos im Urlaub gemacht, kommt ihr am Samstag zum Diaabend?“, dann ist er entweder 80 oder Darsteller in einem Film aus den 70ern. Dank Flickr, Facebook und Instagram, überhaupt, seit fast nur noch digital fotografiert wird, hört man diesen Satz nicht mehr. Zum Glück. So ein Diaabend ist meistens nur für den Diavorführer unterhaltsam. Für die Zuschauer ist das Ganze ab Bild Nummer 20 vor allem eins: schlaffördernd.Benjamin Redford ist da anderer Meinung. Der Produktdesigner arbeitet bei der Londoner Agentur Mint Digital und hat, so die Legende, auf einem Flohmarkt einen alten Rollei-Diaprojektor erstanden, dazu eine Schachtel voller alter Dias. Von dieser Art, Bilder anzuschauen und zu konservieren, war er so angetan, dass er sich vorgenommen hat, dem Diaprojektor zu einem Comeback zu verhelfen. Herausgekommen ist dabei der „Projecteo“, ein streichholzschachtelgroßer, batteriebetriebener Diaprojektor für Instagram-Fotos.

In den „Projecteo“ passen kleine Plastikscheiben mit jeweils neun Fotos. Die Bilder sucht man sich im Instragram-Account aus und lässt sie auf einem 35mm-Standard-Kodak-Film belichten, danach kommen sie auf die Scheibe und der der „Projecteo“ ins Spiel. Bis zu 80 Zentimeter groß soll das Bild sein, das er an die Wand wirft. Am besten funktioniert er im Dunkeln. In dem Video, das die Agentur zum Launch gedreht hat, sieht das ganz ordentlich aus.
Mint Digital hat bereits den Webdienst Stickygram gegründet, der Instagram-Fotos auf Kühlschrank-Magneten druckt. Ende 2012 hat die Agentur auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ Geld für den Mini-Projektor gesammelt. Noch am selben Tag haben sie die Mindestfinanzierungssumme von 18.000 US-Dollar erreicht. Inzwischen sind mehr als 87.000 Dollar zusammengekommen (Stand: 31.1.2013). Im Februar soll der „Projecteo“ an die ersten Crowdfunder ausgeliefert werden.
Unterstützer kann man immer noch werden und das Teil für 25 US-Dollar (ohne Versand) vorbestellen. Der Preis für die Scheiben ist noch nicht bekannt, ebenso, wie das mit dem Foto-Nachschub in Europa funktionieren soll. Trotzdem hat der Mini-Projektor Unterstützer auf der ganzen Welt gefunden. Vielleicht, weil er den Instagram-Gedanken mit den Retro-Filtern noch weiter dreht. Statt auf dem Smartphone werden die Fotos altmodisch als Dias gespeichert. Auch optisch erinnert der „Projecteo“ an den Rollei P35.
Außerdem geht es den Instagram-Fotos inzwischen wie alten Fotoalben oder -schachteln: Wir sehen sie vielleicht noch ein, zwei Mal an, danach verschwinden sie in den Untiefen des Kellerabteils, oder des Instagram-Accounts. Der „Projecteo“ wäre ein Anlass, das zu überdenken. Es muss ja nicht gleich ein Diaabend für alle Bekannten und Verwandten sein, das ist wie mit dem Original Diaabend: Am meisten Spaß hat derjenige, der die Fotos gemacht hat.
- Ein Daumen voll Hass 14.03.2013
- Tweets aus dem Grab 21.02.2013
- Google für GIFs 07.02.2013
- Vine: Instagram für sechs Sekunden 25.01.2013
- Mach nicht so einen Buckel! 07.01.2013
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem donnerstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
31.01.2013 - 20:15 Uhr
madguitar
und ich meinte schon, liebe hipster, ihr hättet es mit instagram schon auf die spitze getrieben.
dann könnte man ja auch gleich auf analogem diafilm fotografieren und diese projezieren. ach, die qualität ist besser als digital und per beamer projeziert? nee, das geht natürlich nicht, is ja gar nicht retro genug. und so ne alte kamera? wie bedient man die überhaupt? hm.
aaah. mir schaudert.
madguitar sagte:
also: fotos digital erstellen, sie digital veranalogen
Wird ja nur verbilligplastekamerat, nicht veranalogt. Jede anständige Kamera die 30-40 Jahre oder älter ist und heute auf den Flohmarkt für 20 € mit Spitzenobjektiven veramscht wird (ok, die Objektivpreise ziehen bei besonderen Teilen grad durch die spiegellosen Systemkameras etwas an, aber fast alles andere bekommt man trotzdem hinterhergeworfen) bekommt scharfe, richtig belichtete, nicht farbstichige Bilder hin. Ich mag meine XD7, und würde sie um nichts in der Welt mit Holga, Lomo oder Instantquatsch tauschen wollen...
Ich mach es anders herum (neben dem digitalen): Analog fotographieren, Film entwickeln lassen, Negative selber scannen. Die bestellten Abzüge oder Scans kommen selbst an meinen 120€-Scanner nicht ran, die bearbeiten das zu viel...
Dia hab ich selber noch nicht gemacht, erinnere mich aber noch an die Kindheit. Naja, vielleicht bald mal, nen Diaprojektor kostet ja auch nicht viel gebraucht, und soll alle Beamer um längen übertreffen. Aber vorher erstmal an S/W selber entwickeln wagen, nach dem Umzug dann...
madguitar sagte:
also: fotos digital erstellen, sie digital veranalogen, sie dann auf diafilm analog entwickeln um sie dann zu projezieren.
und ich meinte schon, liebe hipster, ihr hättet es mit instagram schon auf die spitze getrieben.
Entweder sind die nicht ganz dicht oder wir.
31.01.2013 - 23:15 Uhr
JoergAuch
Nee, dann lieber einen Bluetooth Beamer und ne coole App, die Diashows aus Handyfotos generiert. Das ist wenigstens halbwegs zeitgemäß. Kann ja meinetwegen dann auch aussehen wie ein alter Rollei Projektor.
Das ist sowas von Hip. Und nostalgisch. Und vor allem dämlich :)
Alle Kommentare anzeigen









6
31.01.2013 - 20:15 Uhr
madguitar
und ich meinte schon, liebe hipster, ihr hättet es mit instagram schon auf die spitze getrieben.
dann könnte man ja auch gleich auf analogem diafilm fotografieren und diese projezieren. ach, die qualität ist besser als digital und per beamer projeziert? nee, das geht natürlich nicht, is ja gar nicht retro genug. und so ne alte kamera? wie bedient man die überhaupt? hm.
aaah. mir schaudert.