26.01.2013
Früh um sechs stehe ich widerstrebend auf, wecke auch gleich das größere Kind, wir wollen zusammen zum Schwimmkurs. Wir brauchen beide eine Weile, um uns früh überhaupt aufzuraffen, insofern passt es ganz gut, wenn ich mit zum Schwimmen gehe und nicht *. Der Himmel draußen ist wunderbar: es dämmert, die Luft ist frostig und rauchig-blau. Im Schwimmbad: das Kind ist gelangweilt, schwimmt so vor sich hin, sehr langsam, Handaußenflächen nicht nach innen gedreht. Danach duscht es noch lange, um uns herum viele üppige, nackte, wassertriefende, helfende, sich einseifende Frauen, mit Fettröllchen, Senkfüßen, Tattoos, ab dem Knie abwärts amputierten Beinen, Shampooflaschen in der Hand, Kinder dirigierend, das heiße Wasser genießend. Ich versuche, mein Kind zu waschen, dabei aber nicht nass zu werden. Wenn es auf mich hören würde, ginge es einfacher. Auf dem Heimweg kaufen wir Brötchen, Hochgefühl der Gemütlichkeit! Die Verkäuferin, ein fremdgesteuertes Etwas, legt mir automatisiert eine kleine Tüte mit Gummibären hin, "für die Kleinen" (sic!), schaut dabei aus dem Fenster. Ich lasse die Tüte sofort verschwinden, ärgere mich sehr über diese unverschämte Übergriffigkeit, mir den Zuckerkonsum des Kindes aus der Hand zu nehmen, denn wenn das Kind die Gummibären bemerkt hätte, hätte ich sie ihm ja kaum wieder wegnehmen können. Das Kind bekommt aber nichts mit, gottseidank, und alle haben ihre Ruhe. Zu Möbius gehe ich dann also nicht mehr. Draußen zeige ich dem Kind den Liniennetzplan - helle Aufregung! Elektrisierendes Begreifen!Lese den Klemperer weiter, bedaure enthusiastisch, dass er kein Slavist war! Die ständige Wiederholung mir unbekannter und senz' altro unverständlicher Romanismen ermüdet mich, trotz aller sonstigen Lesebegeisterung.
Die Klamotten, die ich in Israel bestellt habe, kommen an: das T-Shirt sehr hübsch, aber vor allem die Strickjacke traumhaft schön und warm. Der Stoff erinnert mich an meine Freundin CAH, an ein ererbtes Kleidungsstück ihrer Mutter, eine innig gehütete ... ja, was eigentlich? Auch eine Strickjacke? Ich stelle fest, dass ich nur noch die Farben vor mir sehe, sehr deutlich auch das Bild ihrer Mutter, die ich nie kennengelernt habe, nur ihren starken, dunklen Schatten.
Abends rufe ich CAH an. Seit einem halben Jahr versuche ich es schon, zu meiner größten Überraschung geht sie diesmal ran. Deutliche Reserviertheit in ihrer Stimme, wobei ich etwas sehr ruhiges fühle, weiß gar nicht genau, was eigentlich. Zuerst klappern wir alle gemeinsamen Freunde und Bekannten ab (neue Fragerubrik: leben deine Großeltern noch, und dein Vater, ist er alt geworden?), dann unterhalten wir uns richtig miteinander. Sie hat auf Arbeit endlich ihren Platz gefunden, was ich mir gut vorstellen kann, zeichnet wieder, liest Meir Shalev und Hakon Nesser, ich packe Zeruya Shalev und Fred Vargas aus. Eine Weile geht es um den Schwarzen Obelisken von Remarque, eine (wenn auch durch B's Tod getrübte) wirklich schöne Erinnerung. Bei dem Telefonat laufe ich in der Küche auf und ab, bei jedem Schritt muss ich auf eine Fliesenfuge treten, sonst verliere ich.
- 13.-20. Mai: Löwen vor 13 Std.
- 13.05 - 20.05.2013 20.05.2013
- 13.5.2013 - Gefroren 13.05.2013
- 6.-12. Mai 2013: Countdown 13.05.2013
- 06.05 - 12.05.2013 12.05.2013







