28.01.2013 - 14:54 Uhr

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25.01.2013

Text: pitz

Den ganzen Tag über verfolgt mich einer der Mumin-Soundtracks, ein Stück, das vor einem schön trashigen Synthie-Hintergrund mit sehnsüchtigen Panflötenriffs aufwartet und Mumins Warten auf Snufkin illustrieren soll. Es passt in meine etwas gedrückte Stimmung. Die große Debatte des Tages um die wohlgepflegte männliche Belästigungskultur geht größtenteils an mir vorbei, ich denke auch, dass das Regalbrett, auf dem ich meine Erinnerungen diesbezüglich sammle, sehr wohl geordnet ist und dass ich gelernt habe, es vom richtigen Standpunkt aus zu betrachten (nämlich nicht nach dem "Pass auf deinen Ruf auf!" meiner Mutter in ihrer Rolle als Pandora, das mich heute noch sprachlos macht).

Mittags kommt das Paket mit fair hergestellten Jeans, die tatsächlich alle ganz hervorragend aussehen. Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich wieder Jeans anziehe, diesmal aber recht gerne - zumindest die zwei, in die ich hineinpasse. Es ist also vielleicht doch nicht so schwer, die asiatischen Textilfabriken zu vermeiden, zumindest für Oberbekleidung. Wo bekomme ich aber Kinderunterwäsche her - bezahlbare? Die Kinder wachsen schon wieder so sehr und wir müssen besonders die Unterhemden auswechseln. * versucht außerdem, in der Stadt neue Schlüpfer für das größere Kind zu kaufen, bekommt aber tatsächlich nur einen Dreierpack mit maßvoll gegenderten, irgendwo in Bangladesh genähten Teilen, einfach nur einfarbige Teile gebe es schlichtweg nicht. Frustrierend.

Von seiner Fahrt in die Stadt bringt * auch den neuen gebrauchten Laptop mit, den er für mich aufgetrieben hat, nachdem mein alter Mac den Geist aufgegeben hat. Wir mussten noch nichtmal etwas dafür zahlen, *s Mutter sei Dank. Ein Thinkpad ist es, die Tastatur schön griffig. Also mal wieder alles neu einrichten. Dass ich wieder eine bessere Schreibmaschine habe, beruhigt mich über die Maßen, und dazu noch eine so schöne!

Abends kommt der Vater der HH-Kinder, EH. Er studiert Psychologie, wir treffen uns, damit ich mich mal mit jemandem über mein Projekt unterhalten kann. Ich breite das ganze Tableau aus, stelle wieder fest, wie vielschichtig das Ganze ist. EH behält sehr tapfer den Überblick. Wir sitzen bei Rooibuschtee in der Küche, eigentlich ist mir nach einem Glas Wein, da er aber aus Prinzip nicht trinkt, mag ich auch nicht. Er weist mich auf das Stichwort Kontrollverlust hin, er meint, wir müssten alle mehr Dulden lernen, u.a. eben den Kontrollverlust (sein Abstinenzlertum spreche ich nicht an) und das Loslassen von dem, was er "Selbstwirksamkeitserwartung" nennt. Ich sehe das freilich skeptisch, ich, die gerade seit einigen Jahren erst Kontrolle bekommen hat und nicht ins Cro-Magnon-Zeitalter weiblichen Lebens, aus dem sie kommt, zurückfallen will. Ich erzähle ihm kurz, welche Selbstwirksamkeitserwartung ich als Kind entwickeln durfte, und dann können wir beide wirklich nur lachen. Trotzdem hält er an seiner These, die aus seinen eigenen Erfahrungen gespeist wird, pauschal fest, was mich irritiert und auch ärgert. (Er erwähnt das Hochgefühl und die Zufriedenheit beim bloßen Schaffen des Abiturs, ich schüttele innerlich den Kopf: wie anders ich das erlebt habe. Ich erinnere mich an eine große Erleichterung, an die lähmende Zukunftsangst, weil ich nur mit 1,7 abschließe (mein Versagen großzügig vorbereitet), an den zerrüttenden Druck der Wochen und Monate davor. Meine Eltern, die mir einen Stuhl und besonders schöne Ohrringe schenken, aber nichts zu meiner Leistung sagen.)



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7 Kommentare
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lea2
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28.01.2013 - 21:45 Uhr
lea2

hehe, abstinetzertum und kontrollverlust.
(habe mein thinkpad sehr gemocht :/)

pitz
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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2013 - 21:48 Uhr
pitz

lea2 sagte:
(habe mein thinkpad sehr gemocht :/)

was ist denn damit passiert? *entsetzt*

lea2
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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2013 - 21:54 Uhr
lea2

pitz sagte:
lea2 sagte:
(habe mein thinkpad sehr gemocht :/)

was ist denn damit passiert? *entsetzt*

öhm, es wurde immer lahmer und tat nix mehr, irgendwas fachchinesisches (sagte der computerspezi meines vertrauens), was aber wohl eine gängige krankheit der baureihe war (r40e). habs immer noch da und schleiche bisweilen traurig drumrum. war super zum drauf schreiben und sehr robust. und sah toll aus.

pitz
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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2013 - 22:01 Uhr
pitz

lea2 sagte:
pitz sagte:
lea2 sagte:
(habe mein thinkpad sehr gemocht :/)

was ist denn damit passiert? *entsetzt*

öhm, es wurde immer lahmer und tat nix mehr, irgendwas fachchinesisches (sagte der computerspezi meines vertrauens), was aber wohl eine gängige krankheit der baureihe war (r40e). habs immer noch da und schleiche bisweilen traurig drumrum. war super zum drauf schreiben und sehr robust. und sah toll aus.


ja, meines sieht auch recht nerdig aus, ist auch vergleichsweise laut. jetzt bin ich ja gespannt ...

lea2
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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2013 - 22:17 Uhr
lea2

pitz sagte:
ja, meines sieht auch recht nerdig aus, ist auch vergleichsweise laut. jetzt bin ich ja gespannt ...

ich drücke alle daumen, dass er dir lange treue dienste erweist!

MsAufziehvogel
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29.01.2013 - 13:44 Uhr
MsAufziehvogel

hm. aber kontrollverlust akzeptieren können, heißt doch nicht, diesen vorher absichtlich herbeiführen zu müssen (mittels alkohol)?

pitz
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29.01.2013 - 17:39 Uhr
pitz

MsAufziehvogel sagte:
hm. aber kontrollverlust akzeptieren können, heißt doch nicht, diesen vorher absichtlich herbeiführen zu müssen (mittels alkohol)?

nein, nein, heißt es auch nicht zwangsläufig. ich denke, alkohol trinken ist eine belustigung, bei der man damit rechnen muss, kontrolle abzugeben, und das einzuschätzen muss man halt lernen. mir ist es nur in diesem zusammenhang ins auge gesprungen. aber gemeint war z.b.: im stau stehen, warten müssen, unmögliches kinderbenehmen akzeptieren.

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