Vorglühen
Es dämmerte schon, aber die Luft war noch voll von Sommer und Stimmengewirr. In meinem Bauch rumorte es, aber es blieb keine Zeit mehr zum Essen. Ich musste meine Wimpern noch tuschen, mir die Zähne putzen, mein Pfefferspray suchen und Geld abheben. Ich würde mich verspäten, die anderen würden schon auf mich warten, vor Beeilung würde mein Gesicht heiß und rot glänzen und die ganze Make-Up-Mühe würde sinnlos gewesen sein. Ich zog die Augenbrauen hoch und zeigte dem Spiegel die Fülle meines Lidschattens. Mein Gesicht verzog sich zu einer hässlichen starren Fratze als das Haarspray darauf stürmte. So musste Make Up fixiert werden, damit es die Nacht übersteht.
„Tut mir leid, brauchte noch Geld“, es tat mir nicht Leid und alle wussten das. „Warste noch anschaffen, oder was?“, der Typ fand sich komisch, sonst niemand. „Überaus lustig“, sagte ich und lachte nicht. Ich wollte los, Alkohol kaufen. Mir war langweilig, die ganze Woche schon. Alkohol war spannend und machte interessant.
Die Schlangen im Supermarkt bestanden hauptsächlich aus pubertierenden Pickelgesichtern, die laut krakeelten, wie dermaßen sie sich heute die Kante geben würden. Wäre da nicht „Deinen Ausweis, bitte.“ Sentimental dachte ich an das Herzklopfen vor Türstehern zurück, wenn der geliehene Personalausweis kritisch mit meinem Gesicht verlichen wurde. Ich sah schon immer älter aus als ich war.
Wir fuhren mit der Bahn zum Club. Die Flaschen kreisten. Das Lachen wurde alkoholisierter. Das heißt, hysterischer. Im spiegelnden Fenster prüfte ich mein Aussehen. War okay, ein bisschen müde. Aber hat ja auch manchmal was. Ich zog nochmal den Lippenstift nach, kühler Wind schlug uns beim Aussteigen entgegen. Der Abend war vorbei, die Nacht begann.
Als wir den Club betraten, schlug uns schon stickige Luft entgegen. Automatisch blickte ich mich um, als suchte ich jemanden. Mein Blick streifte die Typen, berührte aber niemanden. Nichts Interessantes dabei, noch nicht. Die Nacht war noch jung, der Cocktail erst halbleer. Ich lachte über alles, was nicht lustig war. Den Unterschied zwischen Lustigem und Unlustigem konnte ich nicht mehr erkennen. Lachen macht attraktiv, hatte ich mal gelesen.
- IDEAL mit Elisabeth Rank & This Mess Is Mine 01.09.2010
- IDEAL mit KINKY WHITE HORSE. 07.04.2010
- Alkohol, du falscher Freund! 27.03.2010
- IDEAL mit ZoeLeela! 15.03.2010
- IDEAL: Musik & Malerei. 30.01.2010
Aber da war ich noch nie. Also wahrscheinlich woanders.
Aber klar, Selbstironie ist anders, sympathisch. Was dieses Ich nicht ist.









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26.01.2013 - 23:47 Uhr
Der_Klabautermann
Doch nicht der auf der Zeil?
Samstag Abend um 22 Uhr ist dort die Hölle los. Wehe dem, der einfach seinen Sonntagseinkauf vergessen hat.