Susi
Susi ist einer der vielen Unnamen. Nicht weil der Name Susanne nicht schön wäre, aber was verbindet man heute denn mit Susi? Schlimmer als Jaqueline oder Mandy? Stimmt nicht, ist etwas anderes. Susi, ich kannte echt noch keine Susi.Aber ich hatte Hemmungen, den Namen Susi auszusprechen. Vielleicht kannte sie das Problem, und stellte sich nicht als Susanne oder Susi vor, sondern [ ˈsuːzn̩ ]. Anglizismus, oder nicht? Ich musste sofort an Susan Evance denken. Aber wer kennt außer mir Susan Evance. Also schon mal beruhigend, keine Susi, sondern eine Susan, oder, wie ich vermutete, eine Susanne, die nicht Susi genannt werden will.
Ach, das fällt mir jetzt ein, natürlich will niemand Susi genannt werden, Gummisusi, ja, eine schleche Assoziation. Gerade in der Kategorie Sex.
Diese Susi, sorry [ ˈsuːzn̩ ], schon wie sie ihren Namen ausgesprochen hat, verursachte bei mir Gänsehaut. Wie sie geschaut hat, ihre Augen. Was war an ihren Augen besonders? War da was? Bilde ich es mir ein? Es hat mich einfach umgehauen!
Umgeworfen. Umwerfend, so umwerfend, dass ich unvorsichtig geworden bin. Sie erzählte von ihrem Hobby, eine Männerdomäne, vielleicht würde sie sich sogar qualifizieren, die Ausscheidung stand mal bevor.
Es war das beste Bier, das ich in meinem Leben getrunken habe. Obwohl es meine persönliche Hass-Marke war. Aber schon nur ihre Gegenwart, ihre Stimme, ihre Augen, versüßten mir jeden Schluck. Es war das beste Wetter, das ich erlebt habe, es war die schönste Stadt, in der je ich war! Und es folgte die schönste Nacht in meinem Leben!
War es Liebe? Fühlt sich Liebe auf den ersten Blick so an? War es Begierde, eine Begierde nach einem Menschen, der wirklcih begehrenswert ist? Wie soll ich es schildern? Es war schön, ein schöner Augenblick, warum nicht verweilen?
Wir gingen wieder unsere Wege. Es war nicht die erste Frau, die ich hatte, auch nicht die letzte. Es war nur, es war nur etwas anders.
Es geht nicht anders. Wir sehen uns wieder, muss ja so sein, nach diesem Erlebnis. Oder bilde ich es mir ein? War ich nur einer unter vielen, eine schöne Nacht? Eine durchschnittliche Nacht? Oder nur eine unterdurchschnittliche Nacht?
Ich hob ab, ich verlor die Bodenhaftung. Diesen Gedanken, dass sie sich dabei auch nicht so gut gefühlt hätte, diesen habe ich nicht zugelassen. Für mich war es himmlisch, für sie sicher auch. Begierde raubt nun einmal den Verstand!
Warum meldet sich [ ˈsuːzn̩ ] nicht? Ich habe ihr meine Nummer gegeben. Warum meldet sie sich nicht? Der Abschied ist so lange her. Eine halbe Stunde schon. Und immer noch keine SMS, immer noch kein Anruf.
Sie hat Recht, die [ ˈsuːzn̩ ], das wäre aufdringlich. Sie wird sich melden. Morgen, übermorgen. Nächste Woche.
Es kam nichts. Und ich hatte keine Kontaktdaten. Abgehoben von der Realität, geglaubt, das Schicksal würde uns nie mehr trennen. Hätte sie selbst nicht gefragt, ich hätte ihr nicht mal meine Nummer diktiert.
Zwei Wochen. Ein Monat. Immer noch nichts. Es kann nicht sein. Habe ich beim Diktieren einen Zahlendreher reingeschoben? Hat sie sich beim Abspeichern vertippt? Sie kennt meinen Namen, meinen Vornamen. War sie so klug, sich auch meinen Nachnahmen zu merken, wenn sie schnell meine Kreditkarte, meine Bahncard oder meinen Studentenausweis gesehen hat? Habe ich mich überhaupt mit vollem Namen vorgestellt? Wohl nicht. Dennoch, ich hoffte sie würde sich melden. Wenn die Nummer falsch abgespeichert war, dann könnte sie mir ja eine Mail schicken, Vorname.Nachname@.... ach, mein Gott, kann nicht, habe ich ihr gesagt wo ich gerade arbeite? Wohl zu ungenau. Und den Nachnamen, kennt sie nicht, ich ihren auch nicht.
Die Zeit ging ins Land. Ich lernte einen Mann kennen, der aus der gleichen Region wie sie stammt. Ich fragte. Ob er eine [ ˈsuːzn̩ ] kenne, die, ich beschrieb ihr Hobby... er lachte mich nur aus, in was für eine Susi ich mich verguckt habe. Die gehen dort in die Zehntausende!
Ja, Susis gehen in die Zehntausende.
Recht hatte der Mann. Es war sinnlos. Es ist sinnlos. Es war, wenn ich rechne. zwei oder drei Jahre? Nein, so nicht, es sind schon bald vier Jahre.
Die Hoffnung, sie mal zu sehen, habe ich aufgegeben. Ich hatte nicht mal ein Foto von ihr. Nur ihre Stimme im Ohr, als sie sich mir vorgestellt hat: [ ˈsuːzn̩ ]!
Meiner Phantasie freien Lauf lassen, wir finden uns. Irgendwann sitze ich im ICE und sie steigt irgendwo zu, oder ich bleibe wegen Schneefall stecken und treffe sie in der Hotelbar. Ich gehe an ein Bewerbungsgespräch und sie sitzt mir gegenüber. Ich bekomme eine neue Kollegin und sie kann mir weiterhelfen. Oder treffe ich sie am Skilift? Gerne würde ich die Geschichte hier weiterschreiben, ein Happy End einfügen. Doch das wäre nicht richtig, so gerne ich das tun würde. Phantasie, ein Roman, Hirngespinste! Ja, so etwas gibt es in der Realität nicht.
Sie ist weg, fast vier Jahre schon. Und wahrscheinlich kann sie sich gar nicht mehr an mich erinnern.
Ich mich an sie umso mehr.
Meine Nachbarin hat sich vorgestellt, duzen wir uns doch einfach, bin die Susanne!
Darf ich Susi zu dir sagen?
Nein, ich darf sie Susanne nennen, Suzanne oder [ ˈsuːzn̩ ], lacht sie mir entgegen.
Wir bleiben bei Susanne. [ ˈsuːzn̩ ] hat es in meinem Leben nur eine gegeben!
13.04.2013 - 11:01 Uhr
jeanmarie
jeanmarie sagte:
Und spielt Fußball. Ich bin übrigens 3,5 Jahre alt.
Pech, es war nicht Fußball!
Aber auch so Gruß an deine Mudda!









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02.04.2013 - 00:13 Uhr
nettesMaedchen