22.-24.01.2013 - Durcheinander, aneinandergereiht
Im Moment bin ich nicht gut organisiert, was mir auf der Seele liegt. Ich habe aber auch noch keine Idee parat, wie ich es besser machen könnte. Ein gutes Beispiel:Am Dienstag haste ich nachmittags los, einkaufen und Kinder abholen, dann bringe ich das Große zum Tanzen. Ich bin stolz, dass ich es zeitlich ganz hervorragend schaffe und sogar in einer Dönerbude für 50 ct noch warmes Fladenbrot für die Kinder kaufe, was sie sehr heimelig finden (ich mit beschlagenen Brillengläsern auf der nassen, grünen Auslegware). In der Tanzschule wundere ich mich, denn die Leute, die in dem langen Flur warten, kenne ich nicht, die Stimmung ist merkwürdig anders, ohne, dass ich es so richtig greifen könnte. Irgendwann rufe ich * an und lasse feststellen, dass ich mich im Wochentag vertan habe: es ist ja Dienstag und nicht Mittwoch. Ich versinke vor Scham, ziehe die Kinder wieder an, zu Fuß durch den Schnee nach Hause. Am Mittwoch muss ich vor dem Kinderabholen nochmal zum Schillerplatz, auch zur Post, und stelle fest, dass ich den Beutel mit den Tanzsachen vergessen habe, den ich am Dienstag noch mithatte. Mit den Gedanken bin ich eigentlich woanders, in einer tiefen Schicht kreise ich um irgendwelche Themen, denen Wochentage und Tanzbeutel egal sind, aber so geht es einfach nicht.
Am Donnerstag gehe ich AA ganz fürchterlich auf den Keks, denn ich will sie an ihrem Geburtstag unbedingt erreichen. Ich glaube, am Ende ist sie gerührt und genervt. Am Konsum fällt mir eine Werbung für "Romantika Salami" ins Auge. Die Person, die sich sowas ausdenkt, muss entweder sehr naiv oder sehr durchtrieben sein.
Gekauft: die Klemperer-Tagebücher, 2nd hand mit Schuber, mittelgut erhalten für nen Zehner. Ich habe mich bisher sehr erfolgreich gegen Klemperer gesträubt, aus dem einfachen Grund, dass ich ihn von meinem Vater so lange als tollen Autor gepredigt bekommen habe. Aber ich komme nicht umhin, das zu lesen, und muss zugeben, dass es wirklich sehr interessant ist. Parallel habe ich nochmal in die Briefe meines Großvaters über das Kriegsende reingeschaut - die intellektuellen und sittlichen Unterschiede sind schlichtweg niederschmetternd.
Noch etwas seltsames ist passiert, bei mir hat sich eine entfernte Verwandte gemeldet, BM, nachdem ich vor Jahren einem noch weiter entfernten Verwandten auf gut Glück einen Brief mit angedeuteten neugierigen Fragen geschrieben hatte, aber nie eine Antwort bekam - bis eben neulich. Die Frau, die mir da schrieb, hat mich schlichtweg überrascht: sehr freundlich, sehr schreibgewandt, arbeitet in einer Forschungsstelle in den *er Kunstsammlungen. Eigentlich kenne ich diese Familie gar nicht so, aber das war wohl nur unser Zweig, mit dem sie schon nichts mehr zu tun hat. Sie schickt mir u.a. ein Foto meiner Oma mit Zuckertüte: ein schönes Porträt, wunderbare dunkle Augen und Haare, dunkler runder Strohhut, auf der Zuckertüte ... Hindenburg und Eisernes Kreuz. Das ganze ist so absurd, dass wir schon wieder darüber lachen müssen, und ich schaue nach, was auf der Zuckertüte meiner Urgroßmutter abgebildet war: irgendwelche Heiligen. Das Thema wird ja für uns bald auch interessant werden, ich bin gespannt, was mein Kind sich wünscht. Vielleicht kleben wir ja eine Helmut-Kohl-Gedenk-Zuckertüte mit dem Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld.
Mir geht abends plötzlich durch den Kopf, dass ich schon zwei wirklich große Ereignisse hautnah mitbekommen habe: die Wende und das Entstehen des Internets. Ich denke, ich verstehe, wie grundlegend die Sache mit dem Internet ist, finde die Wende aber immer noch viel spannender, da extrem widersprüchlich und bei weitem nicht so harmlos, zumindest nicht aus meiner Kinderperspektive, die ich gottseidank nicht vergessen habe.
Das größere Kind ist schwierig, muss seinen Willen partout durchsetzen, hört keine einzige Sekunde auf uns (ist ja nicht so, dass ich das nicht kennen würde), kreischt und quiekt vor Wut. Entziffert im Samsbuch "6. MAI", schreibt alleine "OMA OPA". Das kleinere Kind fragt jeden Abend, was die Tiere essen bzw. nach den einzelnen Gliedern verschiedener Nahrungsketten. Nach spätestens einer Stunde bin ich wirklich genervt. Ebenso: Fragen nach dem Existenzbegriff, stundenlang, mehrere Abende hintereinander. "Mama, hast Du schon mal eine echte Tasse gesehen?" - Es fällt mir wirklich schwer, das zu verstehen.
- 10.-16. Juni: Goldmarie 17.06.2013
- 10.06 - 16.06.2013 17.06.2013
- 3.-9. Juni: Dröhnung 09.06.2013
- 03.06 - 09.06.2013 09.06.2013
- 27. Mai bis 2. Juni: Politik 05.06.2013









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25.01.2013 - 11:13 Uhr
Purcell
(gute Kombination)