25.01.2013 - 16:02 Uhr

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12. Grimes, 13. Bartel, 14. Werner

Text: Trilobitin

12. Martha Grimes- Inspector Jury küsst die Muse

"Die Stimme ihres Bekannten und sein kurzes Lachen unterbrachen ihre Gedanken. "Sorry, das muss an diesen Drinks liegen. Da drüben sind die Toiletten..." Sie gingen zu den weiß getünchten kleinen Häuschen, das tagsüber von zahlreichen Touristen frequentiert wurde, das aber nachts in genauso dunkler Stille lag wie der Weg, auf dem sie gekommen waren. Gwendolyns Erregung wuchs. "Sie haben doch nichts dagegen?" Gwendolyn kicherte "Nein, natürlich nicht. Aber sehen Sie nur: die Toiletten sind außer Betrieb." Die Hand eines männlichen Begleiters von ihrem Knie schieben- näher war Gwendolyn Bracegirdle der Sache, die Shakespeare als den Akt der Dunkelheit bezeichnete, noch nie gekommen. Seit langem war ihr schmerzlich bewusst, dass ihr jeder Sex-Appeal fehlte.
Es war ihr deshalb hoch anzurechnen, dass sie, als sie mit sanfter Gewalt in die öffentliche Toilette geschoben wurde, als sie Hände auf ihren Schultern und Atem in ihrem Nacken spürte und schließlich eine Befreiung empfand, als wären Brokatkleid, BH und Slip plötzlich von ihr abgefallen- dass sie diesen Angriff auf ihre Person also nicht abwehrte, sondern sich sagte: Zum Teufel, Mama! Gleich werde ich vergewaltigt.
Und als sie dieses komische Kitzeln um die Brust herum spürte, kicherte sie beinahe und dachte: Der komische Kerl hat eine Feder...
Der komische Kerl hatte eine Rasierklinge."

Inhalt:
Ein weitere Fall für den britischen Ermittler Inspector Jury und seinen Helfershelfer Melrose Plant, ehemaliger Adliger der von Jury immer wieder auf seltsame Missionen geschickt wird.
Diesmal wird langsam aber sicher eine amerikanische Reisegruppe ermordet und das zur Hochsaison in Shakespeares Stratford-upon-Avon. Als bizarres Detail hinterlässt der Mörder bei jedem Opfer zwei Verse eines Sonettes.

Fazit:
An sich bin ich kein Krimileser aber Martha Grimes gefällt mir sehr gut. Besonders ihre Reihe um Inspector Jury, seinen überkandidelten Chef Racer, dem hypochondrischen Kollegen Wiggins und Melrose Plant.
Angenehmer Schreibstil gespickt mit überraschenden Wendungen und britischem Humor.
8/10

13. Christian Bartel- Betreutes Wohnen

"Dort fand ich ihn auf dem Gepäckträger eines Mofas, dessen Besitzer ihn immer wieder um eine nahegelegene Verkehrsinsel karriolte, während seine Kumpels die beiden dabei anfeuerten. "Er wollte das so", erklärte mir einer von ihnen, und Günther sah tatsächlich hochzufrieden und irgendwie verändert aus. Aber das lag daran, dass er Lipgloss aufgelegt hatte, außerdem zog er eine Spur von süßlichem Kleinmädchenparfüm hinter sich her. "Das hat er sich gewünscht", behauptete ein giggelndes Ding mit Zahnspange, das zweifelsfrei als Spenderin auszumachen war. "Er ist voll süß", sagte das Ding und guckte das rasende Osterei verzückt an. Günthern eignet tatsächlich eine gewisse Puppenhaftigkeit. Er ist ein sehr kleiner, rundlicher Mann mit zartgliedrigen Händen und feinen Gesichtszügen, der zudem über die Gelassenheit eines Yogi kurz vor Eintritt ins Nirvana verfügt. Kurz gesagt: Günthern ist es vollkommen schnuppe, was mit seiner leiblichen Hülle veranstaltet wird; schon deswegen wird er gerne mal im Zug vergessen oder mit einem sehr gutmütigen Haustier verwechselt.
Aber wenn man ihn sich genauer anschaut, wie er sich ebenso gleichmütig wie rätselhaft lächelnd von lärmenden Heranwachsenden im Kreis herumfahren lässt, wirkt es, als habe er diesen ganzen Zinnober absichtlich veranstaltet und verfolge damit  irgendeinen kosmischen Plan, für den wir Normalsterbliche zu blöd sind."

Inhalt:
Ein junger Mensch ist verliebt, doch seine Angebetete will nach dem Abi in ein israelisches Kibbuz abhauen. Da er nicht in selbigen arbeiten darf, bleibt ihm nicht mehr übrig als den Zivildienst anzutreten. In einer Behinderten-Wg bestehend aus Milva, die Tiere tauft, Günther der nicht spricht und allen voran Käpt'n Hosti der gerne Schlagerlieder singt. Dazu noch seine echte Wg mit verrückter Scrabble-Oma und Matthes.
Der ganz normale Wahnsinn eben, geschildert mit einer großen Portion Humor und viel Liebe.

Fazit:
Notkauf bei Zugstrandung (danke lieber Mensch für den Ludwig-Gutschein), von daher hatte ich auch keine großen Erwartungen. Hätte ich aber haben können! Ein sehr unterhaltsames Buch, frei von political correctness, erhobenen Zeigefingern und ähnlichem.
Macht Spaß beim Lesen und regt dazu noch zum Nachdenken an.
8/10

Lieblingssätze:
"So ein Leben kann man also auch führen, denke ich. Man kann in die Welt hinausgehen und sinnvoll oder wenigstens aufregende Dinge tun. Heute wäre ein guter Tag, um damit anzufangen. Schade, dass ich überhaupt nicht vorbereitet bin."


14. Michael-André Werner- Ansichten eines Klaus

"Heute
"Alexander und Ilka haben sich getrennt", sagt Petra ein wenig atemlos, kaum dass sie sich gesetzt hat. Sie versucht, ihre Umhängetasche so über die Rückenlehne des Stuhls zu hängen, dass sie gut herankommt, diese aber nicht runterfällt, zieht ihre Jacke umständlich im Sitzen aus und hängt sie über die Tasche. "Ach", sage ich. "Schon wieder." die Hallo-komm-rein-was-gibt's-denn-so-wichtiges-Phase haben wir übersprungen.
Kaum hatte ich die Wohnungstür geöffnet, kam Petra hereingestürzt, gab mir einen Kuss auf die Wange, rauschte dann in die Küche und setzt sich auf den Stuhl am Fenster. Jetzt rutscht die Tasche von der Lehne, knallt auf den Boden und nimmt die Jacke mit. "Hast du da Steine drin?", fragte ich und setzte mich auf den Stuhl mit Blick zum Fenster. "Bücher.- Und was meinst du mit >schon wiederAlexander und Ilka haben sich schon öfter getrennt. Dreimal, um genau zu sein, viermal eigentlich. Noch genauer geht es eigentlich nicht. Alexander und Ilka haben mittlerweile eine Beziehung der Heisenberg'schen Art, irgendwie unscharf. Oder wie Schrödingers Katze. Vielleicht habe ich auch nur den Überblick verloren. Sie waren manchmal sogar gleichzeitig zusammen und auch wieder nicht oder nichts von beiden und beides."

Inhalt:
Klaus, der eigentlich gar nicht Klaus heißt sondern nur so genannt wird, weil von der Theaterklause immer das e runterfällt, ist Berliner Wirt. Und damit ist seine Kneipe sein Wohnzimmer und auch das seiner Gäste. Doch er will ihnen eigentlich gar nicht mehr zuhören, muss es aber. Da er zwangsweise von seinen Stammgästen und seiner Exfreundin Petra auf dem Laufenden gehalten wird. Vornehmlich über Alexanders und Ilkas Liebesleben.

Fazit:
Gleiche Szenario wie schon genannt, diesmal war der Kaufanreiz aber meine Gedankenbrücke zu Böll: Ansichten eines Clowns.
Auch unterhaltsam und genau richtig seicht und witzig für eine Zugfahrt die nicht fährt, gewissermaßen. Ist aber, finde ich, kein Lesemuss.
7/10


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9 Kommentare
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addictedToSleep
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24.01.2013 - 21:48 Uhr
addictedToSleep

aha aha, "btreutes wohnen" sollte ich dann vll. mal lesen, wobei ich schon mehrfach fest gestellt habe, das ich als "frau vom fach" bücher, über psychiatrie und betreuungsthemen, die einen unterhaltungscharakter haben und keine sachbücher sind, immer seeeeeeeehr schwierig finde.
mir fällt eigentlich keines an, was ich so wirklich gut fand.

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Mag ich Mag ich nicht

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24.01.2013 - 21:49 Uhr
addictedToSleep

(außer es sind thriller mit gemetzel, da mag ich auch diese altertümlichen psychiatrie rahmenbedingungen die von klichees nur so strotzen)

Trilobitin
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Mag ich Mag ich nicht

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24.01.2013 - 21:54 Uhr
Trilobitin

addictedToSleep sagte:
aha aha, "btreutes wohnen" sollte ich dann vll. mal lesen, wobei ich schon mehrfach fest gestellt habe, das ich als "frau vom fach" bücher, über psychiatrie und betreuungsthemen, die einen unterhaltungscharakter haben und keine sachbücher sind, immer seeeeeeeehr schwierig finde.
mir fällt eigentlich keines an, was ich so wirklich gut fand.


das kann ich nun nicht einschätzen ;) ich mochte einfach dass es ohne diesen ton "die armen armen" geschrieben ist. und der protagonist nimmt sie ernst und wahr.
was auch dem geschuldet ist, dass er einfach durch sein leben stolpert und guckt was passiert.
ich glaube nicht dass dieses buch einen hohen anspruch verfolgt. ich mochte es, aber bin natürlich nicht vom fach.

addictedToSleep sagte:
(außer es sind thriller mit gemetzel, da mag ich auch diese altertümlichen psychiatrie rahmenbedingungen die von klichees nur so strotzen)


brrr, thriller, gar nicht meines. ich habe auch schon seit einem jahr einen olsen hier liegen. ich trau mich da nicht ran.
da könnte ich nicht mehr ruhig schlafen...

addictedToSleep
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Mag ich Mag ich nicht

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24.01.2013 - 21:55 Uhr
addictedToSleep

die olsen-thriller sind gar nicht so gruselig, da hatte ich nie angst nachts! die sind eher spannend und auch immer ein bisschen witzig! ich hab die reihe bisher gerne gelesen und warte schon freudig auf teil 5 :)

Trilobitin
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24.01.2013 - 22:00 Uhr
Trilobitin

addictedToSleep sagte:
die olsen-thriller sind gar nicht so gruselig, da hatte ich nie angst nachts! die sind eher spannend und auch immer ein bisschen witzig! ich hab die reihe bisher gerne gelesen und warte schon freudig auf teil 5 :)


da siehst du mal wie zartbeseitet ich da bin. ich habe den ersten bisher gelesen (ist doch der mit der frau in der überdruckkammer, oder?) und die ganze zeit fand ich es grausam und schrecklich.
ich muss mir sowas immer direkt vorstellen.

addictedToSleep
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24.01.2013 - 22:01 Uhr
addictedToSleep

schrecklich und schlimm fand ich das schon auch und ganz unmenschlich und überhaupt.. aber nicht so, dass ich angst hatte und nicht schlafen konnte.
das hab ich bei anderen thrillern nämlich durchaus, dann kann ich die nur morgens lesen.

Trilobitin
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24.01.2013 - 22:05 Uhr
Trilobitin

addictedToSleep sagte:
schrecklich und schlimm fand ich das schon auch und ganz unmenschlich und überhaupt.. aber nicht so, dass ich angst hatte und nicht schlafen konnte.
das hab ich bei anderen thrillern nämlich durchaus, dann kann ich die nur morgens lesen.


ich gestehe, ich bin da ein schisser. aber ich erschrecke mich ja auch, wenn sich jemand spontan neben mir bewegt...

das schlimmste ist einfach daran, wenn ich denn einmal einen thriller lese, kann ich ihn auch nciht weglegen bis ich fertig bin. sonst verfolgt der mich. egal welche tageszeit es ist.

MsAufziehvogel
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25.01.2013 - 09:19 Uhr
MsAufziehvogel

also ehrlich, das ist ja echt der wahnsinn, was du wegliest.

(habt ihr gesehen, dass die redaktion die idee einer lesekolumne geklaut hat? tststs!)

Trilobitin
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25.01.2013 - 09:25 Uhr
Trilobitin

MsAufziehvogel sagte:
also ehrlich, das ist ja echt der wahnsinn, was du wegliest.

(habt ihr gesehen, dass die redaktion die idee einer lesekolumne geklaut hat? tststs!)


was soll ich sagen... ich habe streckenweise einfach viiiiiel zeit. total anspruchsvolle literatur war es ja bisher auch nicht.

ja! schon erspäht. eine unverschämtheit sondergleichen :D
vielleicht sollten wir meckern gehen.

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