16.-21.01.2013
MittwochKrank geworden. Hänge rum, langweile mich, hasse mich fürs rumtrödeln.
Das kleinere Kind vermisst mich so. Als es heimkommt, fällt es mir um die Beine, sagt, wie sehr es mich liebe, überredet mich zum Memory-spielen, und wenn ich ein Bildpaar finde, ruft es mit seiner Igelstimme: "Glückwunsch, Mama! Sensationell!" Es nimmt mein Gesicht in seine Hände, schaut mich lange lächelnd an und sagt dann: "Mami, deine Nase ist niedlich!" Meine Wangen und Ohren sind übrigens auch niedlich.
Abends kommt unsere Nachbarin vorbei und bringt den beiden zahngeputzten Kindern je eine große Packung Smarties als "Betthupferl", wie sie sich ausdrückt. Ich schüttle nur den Kopf, Enttäuschung bei allen anderen Anwesenden. Sie erzählt, dass die Krankenschwestern im L.er Klinikum die Kinder operationsreif mästen, und als sie intervenierte, weil ihr Kind die Hochleistungsmast nicht vertrug, wurde ihr mit dem Jugendamt gedroht. Und das bei einem schwerkranken ersten Kind kurz nach der Entbindung. Sie ist noch Wochen später fix und fertig, schüttelt den Kopf, deutet an, erzählt dann aber doch, hustet, redet sich zaghaft frei.
Donnerstag
Immer noch krank. Schlafe. Mein riechender Rechner geht kaputt, nur wenige Tage, nachdem ich alle Daten runtergezogen habe, was mich mit einer gewissen Ehrfurcht-nach-mehreren-Seiten erfüllt.
Freitag
Die große Feier auf Arbeit: viele Leute, ich merke, dass ich doch einige sehr gern habe, woran ich nicht gedacht hatte, als ich auf Arbeit kam. (Ich war vom homo faber befremdet, der mich unbedingt sprechen wollte, aber schon um vier heimging.)
Ich nehme mir vor, nicht zuviel Bier zu trinken, und siehe da: es geht. Allerdings habe ich nicht halb soviel Spaß wie sonst, was mich verstimmt. Tävvi spielt mit seiner Band, ich wusste, dass er extrovertiert ist und im besten Wortsinne ungeniert, aber ich hatte nicht erwartet, dass er eine solche Rampensau ist. Er legt sich eine schwarze Bühnenmontur im Ameisenlook an, die Augen hat er mit dunklem Lidschatten umwölkt, seine Hose rutscht permanent, er singt und kreischt und streckt die Zunge raus und schüttet Cola in seinen Schlund, singt weiter, stolziert mit aufgerissenen Augen durchs wippende Publikum und zieht sich immer mal wieder die Hosen hoch. Als erster vor der Bühne steht Honza, der zeitweise sehr konzentriert zuhört, und dann wieder beglückt den Kopf in den Nacken legt und sichtlich genießt. Er ist komplett eingefangen, auch in sich, und er geht nicht, bevor die Musik nicht aus ist.
Viele der Attraktionen und künstlerischen Beiträge, die aufgefahren werden, sind interessant und ansprechend, aber es ist zu laut, um den Abend wirklich mit anderen Menschen gemeinsam zu verbringen, der Lärm macht mich ein bisschen einsam. Auf dem Heimweg schmerzen mir die Ohren. Für 50 ct aufgegabelt: Wolf, Stadt der Engel, brandneue Ausgabe, leider angeknickt.
Sonnabend
Ich hole das größere Kind ab, das auswärts geschlafen hat, zusammen gehen wir noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Im Konsum hole ich einen Stock Pfefferminze, Naturjoghurt, Butter und eine Flasche Sekt für meinen Vater. Das Kind sieht müde und blass aus, ist auch recht still, hilft aber sehr engagiert mit. An der Kasse zieht die Verkäuferin alles über den Scanner, und ich packe zuerst den Sekt in die Fahrradtasche ein, dann nehme ich die Butter, die mir aber aus der Hand fällt. Als ich sie aufheben will, stoße ich gegen meine Tasche, die Tasche kippt, es gibt ein dumpfes Knacken und ein zarter Schaumtsunami ergießt sich auf den Kaufhallenboden. In der Aufregung lese ich die Scherben aus meiner Tasche, die nicht nur wasserfest, sondern auch sektfest ist. Ein winziger Schmerz im Finger, und Blut tropft in die Sektlache. Ich sehe in Zeitlupe, wie ein Tropfen Blut kurz in der schaumigen Lache innehält und dann, sich auf einem aufsteigenden Kohlensäurebläschen wiederfindend, ein Atoll um das platzende Bläschen bildet. Ein Trupp aus Verkäuferinnen macht dem Sektseeparadies den Garaus. Ich blicke mein Kind an: aschfahl steht es da, bewegungslos, und beobachtet das Geschehen. Mir tut es leid, für das Kind, die Verkäuferinnen, mich und um den Sekt auch.
Sonntag
Geburtstagsausflug mit meinem Vater, große Runde, ich die einzige Frau, werde im Restaurant permanent von der Kellnerin angesprochen, wenn es um die gesammelte Kinderschar geht. Ich frage mich, welchen Reim sie sich wohl auf die Gesellschaft macht.
Es ist bitterkalt, hinzu fahren wir mit der Schmalspurbahn, deren dichter, heller Rauch ganz wunderbar ins kahle Geäst der Bäume eindringt. Rückzu laufen wir, bei jedem einzelnen Eiszapfen gibt es ein großes Hallo. Große Erleichterung bei den Erwachsenen, als wir an der Haltestelle ankommen, und im Bus pennen die Kinder beinahe weg.
Montag
Nach einigem Hin und Her mit dem großen Rechner, der vor Überhitzung abschmiert, und dem homo faber, der auf meinen Anruf wartet (und ich auf seinen, denn ich will die Telefonkosten nicht übernehmen, worüber er lacht), fahre ich in die Neustadt. Ich gehe zu einer neuen Friseuse, die lacht, als sie mein Haar sieht, es sei ja so dermaßen trocken. [Edit: Enn Kondischena brauch ich, sagt sie, enn Kondischena!]. Beim Schneiden lacht sie auch wieder kurz auf. Einen Wirbel hätte ich über der Stirn, und eine Tönung mit Goldreflexen, worüber ich lachen muss. [Edit: 'Ich solle bloß nicht vergessen, enn Kondischena zu kaufen!] Bloß gut, dass sie nicht zur Kriminalpolizei gegangen ist.
Danach gebe ich noch mehr Geld aus: vier Kinderbücher, eine Strickjacke und ein neues Tuch, vier Teetassen (das größere Kind seufzt: "Wie schön!", als es sie sieht) und, Krönung des Luxus, ein Vollkornbrot. Der steife Hals, mit dem ich aufgewacht bin, wächst sich zu einem Schraubstock für den gesamten Kopf aus. Abendessen gemacht: Falafel mit Joghurt. Diesmal weigern sich beide Kinder empört, dieses schreckliche Zeug zu essen. Danach danach lese ich ihnen vor: Maar, Eine Woche voller Samstage, ihnen stockt der Atem vor Aufregung.
- 13.-20. Mai: Löwen 22.05.2013
- 13.05 - 20.05.2013 20.05.2013
- 13.5.2013 - Gefroren 13.05.2013
- 6.-12. Mai 2013: Countdown 13.05.2013
- 06.05 - 12.05.2013 12.05.2013
Weil dann möchte ich es mir bitte mal ausleihen.
bin gespannt, wie Dir das Buch gefällt.









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22.01.2013 - 05:11 Uhr
polaroid_android
:-)
Ein tolles Kind hast du! Mindestens!