Nachts im Fernseher
3. Gegen akute Einsamkeit: Talkshow-Wiederholungen
Was: Zu Schulzeiten überkam einen manchmal ein diffuses Gefühl von Leere und Einsamkeit, wenn man bei der besten Freundin übernachtet, ergo die ganze Nacht gekichert und Bibi Blocksberg gehört hatte und am Sonntagvormittag plötzlich wieder alleine war. Ein ähnliches Phänomen ist die Post-Ausgeh-Einsamkeit, für manche ein ständiger Begleiter des Erwachsenlebens. Um nach einem geselligen Abend die Geister der Leere in den eigenen vier Wänden zu vertreiben, sind nächtliche Talkshow-Wiederholungen genau das Richtige.
Warum: Es geht nicht um Inhalte. Meistens ist man sowieso zu müde, zu betrunken oder zu abgelenkt, um sich auf das Programm zu konzentrieren. Kommt man nach einer durchtanzten Nacht oder einem gemütlichen Abend im Freundeskreis in eine leere Wohnung, hallen die Geschichten, das Gelächter und die Beats der letzten Stunden umso lauter in der Stille nach. Man könnte sich ja schnell hinlegen, aber irgendwie wäre das eine zu starke Zäsur – oft ist man zu entschlossenen Aktionen sowieso nicht mehr in der Lage und bleibt lieber eine halbe Stunde lang mit glasigem Blick auf der Toilette sitzen. Beim Zähneputzen in Zeitlupe ist es jedenfalls schön, eine Klangkulisse zu haben, und zwar eine möglichst facettenreiche, die an die Geselligkeit des Abends erinnert. Hier sind Talkshows gefragt, bei denen fünf bis zehn Leute überengagiert durcheinander plappern, bis das Gefühl einer angeregten Diskussion im Raum schwebt - und man sich plötzlich nicht mehr ganz so verlassen fühlt.
Wo läuft’s? Wiederholungen diverser Polit-Talkshows findet man im Nachtprogramm der Öffentlich-Rechtlichen. Allein durch die fünf wöchentlichen Formate der ARD ist der Bedarf mehr als gedeckt. Alternativen: „Jörg Pilawa“ auf Sat1 oder „Zwei bei Kalwass“ auf RTL. Von Letzterem ist allerdings als Aufmunterung in einsamen Stunden eher abzuraten.
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