„Ich habe eine Vagina und ich werde sie einsetzen“
Ein weiterer Blog auf dem Feministinnen über die Frauenquote schreiben? Klingt erst einmal nicht sehr innovativ. Doch kleinerdrei.org hat durchaus noch mehr zu bieten.
Angestrichen:„Solange in Bewerbungsgesprächen Fragen nach der ,Lebensplanung der nächsten zehn Jahre’ und dem Beziehungsstatus an Frauen gestellt werden, als trügen sie ein Schild auf der Stirn, auf dem steht: ,Ich habe eine Vagina und ich werde sie einsetzen’, solange beschämt dieses System Frauen und hindert sie am Aufstieg, weil es sie unter Generalverdacht stellt, eine biologische Disposition zum Nachteil eines Unternehmens zu machen.“
Wo steht das?
Der Satz stammt aus dem Artikel Wenn keiner was sieht, wird keiner böse – Warum die Quote kommen muss, der den irrtümlichen Glauben behandelt, dass die Frauenquote automatisch unterqualifizierte Frauen bevorteilen würde. Die Autorin heißt Juliane Leopold und ist eine von acht Bloggern des neuen Gemeinschaftsprojekts kleinerdrei.org: Ein Blog über Feminismus, Popkultur – und irgendwie auch sonst alles.

Was steckt denn nun hinter „kleinerdrei“?
Liest man die ersten fünf Artikel des neuen Blogs, der seit Montag online ist, weiß man nicht wirklich, wie man ihn einordnen soll. Ein Blick auf die 15 aufgelisteten Kategorien zeigt, dass es hier um vieles gehen soll, was uns interessiert und betrifft – um genau zu sein um alles, was uns interessiert und betrifft: Von „Sex, Sex, Sex“ und „Politik & Gesellschaft“ über „Literatur“ bis hin zu „Konsum“ und „Film und Fernsehen“. Ganz oben auf der Liste aber steht „Feminismus(s)“ und das scheint der gemeinsame Nenner zu sein.
„Der Name stammt, wie ihr vielleicht schon geahnt habt, vom Netzjargon für das Herzsymbol <3 und repräsentiert für uns damit das, worüber wir hier schreiben: Dinge, die uns am Herzen liegen“, erklärt die Bloggründerin Anne in ihrem Eröffnungsbeitrag. Die Idee für den Blog habe sie schon länger mit sich herumgetragen, bis sie sich aufraffte und sich ihre sieben Mitschreiber suchte. Die acht Autoren des Gemeinschaftsblogs, kannten sich hauptsächlich von Twitter, wo viele von ihnen auch anderen Nutzern schon ein Begriff sind: Anne (@marthadear), Caro (@misscaro), Daniel (@phraselnd), Hakan (@hakantee), Juliane (@julianeleopold), Lucie (@autofocus), Maike (@ruhepuls) und Map (@map). Sie alle beschäftigen sich auf ihre Weise mit dem Thema Feminismus und das soll sich in ihren Artikeln widerspiegeln. „Es muss nicht alles im feministischen Kontext stehen“ erklärt Anne, aber ihre Ansichten und Haltungen werde man jedem Artikel sowieso anmerken.
Jeder der Autoren hat seine Spezialgebiete, mit denen er sich beschäftigt und die er auf dem Blog angibt: zum Beispiel Feminismus, Homosexualität oder Nerdkram. Was allerdings nicht hieße, dass sie sich nur dort ausleben dürften. Daniel, der seinen Auftaktartikel über seine Frage „Ich bin schwul – und was soll das jetzt eigentlich heißen“ geschrieben hat, sagt: „Ich könnte morgen einen Artikel über mittelmongolische Kurzprosa schreiben, in dem ich alle davon überzeugen kann, dass das um Welten cooler ist als die letzte Folge ‚Breaking Bad’.“ Die Interessengebiete dürfe man nicht so einseitig sehen, sagt auch Map, es gäbe ja auch feministische, schwule Internetmenschen. Der zweite der drei männlichen Blogger bringt die Idee der Seite schließlich auf den Punkt: „Ein bunter Strauß Popkultur und Herzensthemen von Menschen mit feministischen Haltungen“. Das wäre also geklärt. Bleibt die Frage, ob es so etwas nicht schon gibt.
Aus Amerika kennt man einige Angebote, hinter denen ein ähnliches Konzept steht. „Quasi Feministing trifft Jezebel trifft Rookie Mag trifft Ms. Magazine“, schrieb Anne in ihre erste Mail, damit die anderen sich etwas vorstellen konnten. „Ich lese das gerne, weil solche Magazine und Seiten es schaffen Feminismus und Popkultur zu vereinen“. Genau das fehle aber dem deutschsprachigen Raum, fand die Gründerin von „kleinerdrei“. Denn Themen wie Abtreibung oder die Pille danach würden bei uns ganz anders diskutiert werden als in den USA. Und das nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern.
„Feminismus ist ein Thema, an dem sich auch Männer beteiligen sollten“, findet auch Daniel. Und auch über Homosexualität zu sprechen sei noch immer absolut notwenig. Dabei fasst er „schwul“ als sehr politischen Begriff auf und will auf die tägliche Diskriminierung von Schwulen hinweisen. Gleichzeitig spielt er auch gerne mit den Klischees: „Ich versuche sie mir anzueignen und ad absurdum zu führen, außerdem kann ich sehr gut über mich selbst lachen“.
„Kleinerdrei“ verspricht also eine feministische Sicht auf viele wichtige Themengebiete. Das Ganze aber mit etwas mehr popkultureller Leichtigkeit, als man sie zum Beispiel von der heutigen Mädchenmannschaft gewohnt ist.
Und was erwartet uns nach Frauenquote, Nerdverhalten und Schwulenselbstbild in der nächsten Woche? Anne verrät, dass es um Fernsehkultur, Radiounterhaltung und sexuelle Belästigung auf der Straße gehen wird. Und Daniel verspricht in seinem ersten Artikel heute „mehr Glitter, Drag und Penisse“. Und wenn euch danach immer noch etwas fehlt – die "kleinerdrei"-Blogger suchen bald nach neuen Gastautoren.
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18.01.2013 - 18:44 Uhr
herrjemine
Die Auswirkungen auf die Arbeitsmoral der so übergangenen männlichen Angestellten kann man sich natürlich vorstellen. Ein effektiver Weg also, um die Effizienz des Betriebs zu senken, denn wozu noch mit hervorragender Arbeit glänzen, wenn die nächste Beförderung sowieso an die einzige Frau in einer 20 Mann Abteilung geht.
18.01.2013 - 18:49 Uhr
aufklaerungsfantasie
aufklaerungsfantasie sagte:
ich mag das magazin "focus" ja nicht allzusehr. den neulichen titel war fand ich aber gut, auf dem dutzende erfolgreiche (!) frauen abgebildet waren, die im heftinneren darlegten, warum sie die frauenquote NICHT wollen.
...und von diesen 12 erfolgreichen (!) frauen im focus sind 5 erbinnen des unternehmens dem sie vorstehen...
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...
Am besten wir erklaeren den Frauen mit 18 dass sie alle Jobs bei IWMM, Sprachen, oder Kinderbetreuung machen sollen weil sie da ganz gynozentriert dafuer super geeignet sind - viel besser als Maenner die das ja gar nicht koennen - und spaeter wundern wir uns dass es zu wenige gibt die fuer Fuehrungsjobs in der Industrie bereit sind.
drolli sagte:
Das System behinder Frauen IMHO noch ganz anders:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...
Am besten wir erklaeren den Frauen mit 18 dass sie alle Jobs bei IWMM, Sprachen, oder Kinderbetreuung machen sollen weil sie da ganz gynozentriert dafuer super geeignet sind - viel besser als Maenner die das ja gar nicht koennen - und spaeter wundern wir uns dass es zu wenige gibt die fuer Fuehrungsjobs in der Industrie bereit sind.
Klingt ja herrlich und wenn dann eine Frau nach oben kommt...
"Mehrere Medien berichteten im vergangenen Jahr über sie und darüber, was man von dieser Verlagschefin so erwarten kann. Der zweite Satz beinahe jedes Artikels lautete: 'Sie hat zu Hause Zwillinge, die noch kein Jahr alt sind' Außerdem erfährt man wiederholt, dass die neue Chefin 'bernsteinfarbene Augen' habe und schon einmal geheult hat. Bei einem Mann wären weder die kleinen Kinder, noch seine Augenfarbe oder seine Emotionalität eine Zeile wert gewesen. Die Autoren dieser Artikel: in der Mehrheit weiblich." (Lasst sie durch! von Heike Kottmann)
herrjemine sagte:
"der den irrtümlichen Glauben behandelt, dass die Frauenquote automatisch unterqualifizierte Frauen bevorteilen würde" - Aber genau das tut sie! Eine qualifizierte Frau, die selbst das Ziel hat Karriere zu machen, braucht die Quote nicht, denn sie ist schon auf dem Weg an die Spitze! Die Quote sorgt nur für eines: Es werden Frauen die Karriereleite hochgepusht, denen entweder die Fähigkeiten fehlen oder die einfach intelligent genug sind, um auf Überarbeitung/Stress/Familienferne zu verzichten zu wollen. D.h. wir beförden Menschen, die keinen Bock auf den Job haben an denen, die sich anstrengen und darum kämpfen vorbei, damit sich der deutsche Feminismus auf die Anzahl von weiblichen Führungskräften einen runterholen kann. Ekelhaft!
Der kluge Kommentar zum Thema Frauenquote- in sechs Schritten:
Schritt 1: Definiere "anstrengen", definiere "darum kämpfen".
Schritt 2: Frage"nach welchen/wessen Spielregeln".
Schritt 3: Denke scharf nach
Schritt 4: Schlaf ne Nacht drüber
Schritt 5: Trinke einen Kaffee, denk dabei nochmal scharf nach.
Schritt 6: Formuliere einen Kommentar, beziehe dabei die Begriffe "Stallgeruch","Monokultur" und "innovative Personalpolitik" mit ein.
PS: Rote Daumen wie immer bitte oben rechts.
Bangshou sagte:
Der kluge Kommentar zum Thema Frauenquote- in sechs Schritten:
Schritt 1: Definiere "anstrengen", definiere "darum kämpfen".
Schritt 2: Frage"nach welchen/wessen Spielregeln".
Schritt 3: Denke scharf nach
Schritt 4: Schlaf ne Nacht drüber
Schritt 5: Trinke einen Kaffee, denk dabei nochmal scharf nach.
Schritt 6: Formuliere einen Kommentar, beziehe dabei die Begriffe "Stallgeruch","Monokultur" und "innovative Personalpolitik" mit ein.
PS: Rote Daumen wie immer bitte oben rechts.
Ach Gott, so viel Geschreibe hätte es doch gar nicht gebraucht, wenn dein einziges Argument ist, dass ich nicht genug nachgedacht habe ;-)
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18.01.2013 - 18:41 Uhr
herrjemine