Lexikon des Guten Lebens

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Wie bringe ich selbst ein Buch raus?

Text: dorian-steinhoff

Dein Buch liegt fix und fertig in der Schublade, aber der Verlag fehlt? Macht nichts, bring es einfach selbst raus! jetzt-User michax erklärt im "Lexikon des guten Lebens" wie Self-Publishing funktioniert.

Die Bücherwelt verändert sich. Alle sprechen vom Ebook, von Self-Publishing, wie Gespenster geistern diese Begriffe schon seit mehreren Jahren durch die Messehallen in Frankfurt und Leipzig. In den USA wenden sich bereits immer mehr Autoren von den Verlagen ab und veröffentlichen selbst. Aber wie geht das eigentlich, selbst ein Buch rausbringen? Und wie schafft man es, dass es dann auch gelesen und besprochen oder überhaupt wahrgenommen wird?

Michael Meisheit ist eigentlich Drehbuchautor. Seit fünfzehn Jahren schreibt er Folgen für die Fernsehserie "Lindenstraße", über 300 sind es mittlerweile. Mit dem Prosaschreiben begonnen hat er als jetzt-User der ersten Stunde unter dem Namen michax. Im November letzten Jahres veröffentlichte er seinen ersten Roman „Soap“ als Ebook und als Taschenbuch, ganz alleine, ohne verlegerische Unterstützung. „Die Möglichkeit bei jetzt.de Texte zu veröffentlichen und Feedback zu bekommen, hat mich überhaupt erst dazu gebracht, einen Roman zu schreiben“, sagt er. Das Manuskript zu „Soap“ stammt noch aus dieser aktiven jetzt.de-Zeit.

Beides, Ebook und Taschenbuch, sind ganz normal über amazon zu beziehen, wie ein Buch von einem Verlag. Sogar einige Rezensionen hat Michael schon bekommen. Aber ganz so einfach wie es klingt, ist es dann doch nicht. „Das Ding einfach so bei amazon reinstellen und darauf hoffen, dass es gekauft wird, klappt nicht", sagt Michael. Er hat die Arbeit an seinem Projekt von Anfang an auf seinem Blog begleitet und so erfolgreich versucht, schon vor der Veröffentlichung des Romans Publikum zu finden. Die Blogleser durften über die Gestaltung des Covers und den Namen der Hauptperson abstimmen. Über seinen Blog fand Michael auch Leute, die seinen Roman Probe gelesen und lektoriert haben. „Das Feedback war sehr wichtig für mich", sagt er, „ich konnte wichtige Änderungen am Text vornehmen und bekam die Bestätigung, dass es tatsächlich jemanden interessieren könnte, was ich geschrieben habe."

Das Setzen hat Michael mit Word gemacht. Er sagt, er habe einige neue Funktionen entdeckt, viel geflucht und würde beim nächsten Mal vielleicht auch eine andere Software ausprobieren, zum Beispiel "Calibre". Um für den Druck der Taschenbücher nicht in Vorleistung gehen zu müssen, verwendet er den On-Demand Dienst CreateSpace. „CreateSpace hat den Vorteil, dass es ein Amazon-Unternehmen ist, das Buch also sehr einfach dort zum Verkauf einzustellen ist", sagt er. Außerdem konvertiert es die Druckdaten beinahe mit einem Klick in das richtige Ebook-Format für den Kindle.

Ist das Buch einmal da, verkauft es sich natürlich nicht von allein. Wer sein eigener Verleger ist, muss auch sein eigener PR-Stratege sein. „Eine eigene Website mit Klappentext, Coverfoto und Verkaufslink sowie Social Media-Aktivität ist Pflicht", sagt Michael. Er empfiehlt außerdem jedem Selfpublisher ein Profil auf lovelybooks anzulegen, um dort Leserunden zum eigenen Buch gründen zu können. Er hat zusätzlich seine Kontakte zum Fernsehen genutzt und einen Buchtrailer gedreht: „Möglichst viele Leute mit einzubinden, ist gut, weil die über ihre Beteiligung das Projekt dann auch weiterverbreiten." Es gibt außerdem schon Sachliteratur zum Thema Selfpublishing. Michael hat sich die Kindle-Veröffentlichung „Wer rezensiert mein Ebook" zugelegt. Es listet zum Beispiel Buchblogs auf, die auch Eigenveröffentlichungen besprechen.

„Wer sein eigenes Buch veröffentlichen will, kann das jetzt recht einfach tun, und das ist eine gute Sache", sagt Michael. Nur seinen Job solle man nicht direkt kündigen. Zwar verdient er mit 23 Prozent am Verkaufspreis des Taschenbuchs und 70 Prozent an dem des Ebooks viel mehr als bei einem Verlag – dort sind es nur zehn Prozent. Aber Bestseller gibt es bei Eigenveröffentlichungen im Internet genauso selten wie in der Verlagswelt.

Dorian Steinhoff, 27, ist gespannt, wie oft die Wörter "Ebook" und "Selfpublishing" auf den kommenden Buchmessen gesagt werden. 

5 Tipps für erfolgreiches Selfpublishing:

1. Beziehe dein potentielles Publikum schon vor der Veröffentlichung in den Schreib- und Arbeitsprozess ein, zum Beispiel über einen eigenen Blog.

2. Kümmere dich um ein gutes Lektorat. Solltest du über Crowdsourcing niemanden finden, lohnt es sich hierfür am ehesten, Geld auszugeben. Niemand möchte ein Buch lesen, das voller Fehler steckt.

3. Meide jede Art von Zuschussverlag: Um ein Buch drucken zu können, braucht man vorab nichts zu bezahlen! Nutze on-demand-Dienste wie zum Beispiel CreateSpace.

4. Nutze Social Media, Leserplattformen und Foren, um deine Veröffentlichung bekannt zu machen, zum Beispiel lovelybooks.

5. Sei deine eigene PR-Agentur. Verfasse zum Beispiel einen griffigen Klappentext und erstelle eine Website. Wer ein Problem mit Selbstvermarktung hat, sollte sich lieber einen Verlag suchen. 
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5 Kommentare
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chrinamu
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Mag ich Mag ich nicht

2

23.01.2013 - 09:20 Uhr
chrinamu

Schade, dass hier nur ein einziger PoD-Anbieter erwähnt wird, das hat so ein bisschen was von Product Placement. Ein Vergleich mehrerer Firmen wäre nett gewesen.

Dass man vom eigenen Buch in den seltensten Fällen leben kann, ist ja auch bei richtigen Verlagen so... auch hier hätte sich ein Vergleich der Einnahmen angeboten (soweit ich weiß, bekommt man in Literaturverlagen je nach Verhandlungsposition ca. 10% Honorar von jedem verkauften Buch und 50% Honorar von Lizenzeinnahmen). In der Wissenschaft, die hier leider ganz fehlt (es gibt ja auch mal Leute, die z.B. eine Doktorarbeit publizieren) gibt`s für die erste Auflage meist gar kein Honorar, und man muss oft sogar noch einen Druckkostenzuschuss zahlen.

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

-1

23.01.2013 - 09:20 Uhr
soylentyellow

On Demand Verlage wie der vdm (Verlag Doktor Müller )veröffentlichten auch alles was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Man hat dann eine ISBN Nummer aber ob das eigene Buch sich dann auch verkauft ist dahingestellt (Meine Diplomarbeit hat sich im einstelligen Bereich verkauft - klar, wer zahlt schon 50 Euro wenn er das Ding auch kostenlos ausleihen könnte?)

michax
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Mag ich Mag ich nicht

1

23.01.2013 - 10:15 Uhr
michax

chrinamu sagte:
Schade, dass hier nur ein einziger PoD-Anbieter erwähnt wird, das hat so ein bisschen was von Product Placement. Ein Vergleich mehrerer Firmen wäre nett gewesen.


Ich bin zwar nur der "Experte", der hier befragt wurde, aber ich denke, ein Vergleich der Anbieter hätte den Platz gesprengt. Und ganz ehrlich: Dies ist einer der seltenen Fragen in diesem Bereich, die zur Zeit ganz einfach zu beantworten sind. Ich bin echt kein besonderer Freund von Amazon, aber die sind mit Createspace der Konkurrenz von BoD, epubli, lulu usw. weit voraus. Die sind mit Abstand am Günstigsten, haben die besten Vertragsbedingungen (nämlich Null Bindung) UND die beste Vertriebsmöglichkeit. Ich kann dort mein Buch für 9.90 verkaufen, das bei den anderen nie weniger als 15 Euro gekostet hätte. Klar sind das Kampfpreise von Amazon, die den Markt aufmischen wollen, aber rein wirtschaftlich gedacht ist das für den Selbstverleger ein Segen. Frag jeden Selbstverleger, der verglichen hat: Er wird Dir dasselbe sagen. Oder aber: Vergleich selbst!

chrinamu
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.01.2013 - 13:40 Uhr
chrinamu

soylentyellow sagte:
On Demand Verlage wie der vdm (Verlag Doktor Müller )veröffentlichten auch alles was bei drei nicht auf den Bäumen ist.


Stimmt, und dazu fallen mir auch gleich diese sogenannten Zuschussverlage aus dem literarischen Bereich ein (fehlt auch im Artikel): Verlage, die aktiv um Autoren werben, wirklich jedes Manuskript begeistert annehmen (z.B. Rita G. Fischer Verlag, August von Goethe Verlag etc.) und dann vom Autor mehrere tausend Euro "Zuschuss" zu den Druckkosten wollen (was nicht dasselbe ist wie der in bei Doktorarbeiten übliche Druckkostenzuschuss). Finger weg von denen, liebe geschmeichelte Jungautoren.

dorian-steinhoff
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23.01.2013 - 23:40 Uhr
dorian-steinhoff

chrinamu sagte:
soylentyellow sagte:
On Demand Verlage wie der vdm (Verlag Doktor Müller )veröffentlichten auch alles was bei drei nicht auf den Bäumen ist.


Stimmt, und dazu fallen mir auch gleich diese sogenannten Zuschussverlage aus dem literarischen Bereich ein (fehlt auch im Artikel): Verlage, die aktiv um Autoren werben, wirklich jedes Manuskript begeistert annehmen (z.B. Rita G. Fischer Verlag, August von Goethe Verlag etc.) und dann vom Autor mehrere tausend Euro "Zuschuss" zu den Druckkosten wollen (was nicht dasselbe ist wie der in bei Doktorarbeiten übliche Druckkostenzuschuss). Finger weg von denen, liebe geschmeichelte Jungautoren.


Liebe chrinamu,

stimmt, aber nicht ganz. In den fünf Tipps unter dem Text steht unter Punkt drei sehr deutlich, dass man Zuschussverlage meiden sollte.