4. Fitz 5. Uschmann 6. Uschmann/Witt
4. Jan-Uwe Fitz- Entschuldigen Sie meine Störungen
"Wo ich auch bin, die Wanderbaustelle ist nicht weit und lärmt. Es ist wohl weniger eine Wanderbaustelle als vielmehr eine Hinterherlaufstelle. Sehe ich die drei Bauarbeiter scharf an, schauen sie unschuldig pfeifend gen Himmel. Ich vermute, sie glauben, sie könnten mir etwas vormachen. Können sie auch. Ich war schon mehrmals kurz davor, die Kerle zur Rede zu stellen, um endlich in Erfahrung zu bringen, warum sie mich verfolgen. Aber ich traue mich nicht. Ich spreche ungern Leute an. Auch dann nicht, wenn ich ein wichtiges Anliegen habe. Und wenn ich ihnen dann noch irgendwas unterstellen muss, zum Beispiel, dass sie mich verfolgen, lasse ich es erst recht lieber sein. Ich weiß doch, wie das laufen wird.
Warum verfolgen Sie mich?
Was? Wir wollten Sie gerade fragen, warum sie ständig vor uns herlaufen."
Inhalt:
Es geht um den, nach eigenen Aussagen, völlig gestörten Jan-Uwe Fitz. Der ständig Angst hat, besonders vor Menschen. Und vor sich selbst. Aber auch vor seinem Therapeuten.
Der es nur zehn Minuten auf einer Party aushält und lieber aus dem Fenster steigt um den Müll heraus zu bringen als auf seine Nachbarn zu treffen.
Aber nicht nur er spinnt, auch alle um ihn herum.
Da kommt er auf die Idee, sich in eine Nervenheilanstalt zu begeben. Und auf diesen Weg hinein und wieder hinaus kann ihn nun der geneigte Leser begleiten.
Fazit:
Erneut Altlast, im Juni 2011 begonnen. Und dann vergessen. Nun weiß ich auch wieder warum.
Das Buch fängt gar nicht schlecht an. Ich mag die Idee mit der verfolgenden Wanderbaustelle.
Aber dann wird es zu abstrus, schon fast blödsinnig. Vielleicht verstehe ich auch diese Art von Humor nicht. Oder ich spinne einfach nicht genug um so etwas witzig zu finden.
Es ist einfach überladen. Viel zu viele Spinnerein, seltsame Geschichten und Personen. Mir fehlt da ein roter Faden, Inhalt, irgendwas
(Das Kuscheltier auf dem Cover würde ich allerdings gerne haben)
3/10
5. Oliver Uschmann- Feindesland
"Ich gehe die Müllerstraße hinab, langsam, ich lasse mir Zeit. Vor dem Eingang des Urnenfriedhofs steht ein Mann und sieht stumm hinein ins Gelände, eine Hand am Gitter. Dann dreht er sich um, geht die Straße hinab an mir vorbei und hustet, ein lautes und unerbittliches Husten. Eine Bugwelle aus Schleim schiebt sich in seinem Inneren über die Bronchien und zieht Tentakeln aus rostigen Ketten hinter sich her. Ich weiche ihm aus. Auf der anderen Straßenseite grenzen der Internetshop Net-Nex, der Callshop Netbox und der Gebrauchtelektronikladen Net-Tek direkt aneinander. In keinem der drei ist Kundschaft zu sehen. Vor dem Yildiz-Café plauschen zwei alte Männer, deren Hosenbünde zwei Nummern zu klein sind. Ich weiche einem weiteren Hundehaufen aus, einem Viermaster, noch unberührt. Ein Mann in Jeansjacke hustet knöchern. Ich weiche den Bakterien aus. Zwei Teenagermädchen hüpfen aus einem Shop, der Kunstlederhandtaschen mit Nieten für drei Euro verschleudert. Sie schnattern. Dann niesen sie. Ich beschleunige meinen Schritt. Vor der Post lehnt ein Trinker an der Wand und wippt, auf den Fersen hockend, regelmäßig vor und zurück. Als ich ihn erreiche, kippt er mir vornüber vor die Füße, fängt sich mit einer Hand ab und verflucht mich und die Welt. Ich weiche dem Trinker aus."
Inhalt:
Ein weiterer Roman von Uschmann in der sogenannten Hui-Welt.
Diesmal sind die der Philosoph Hartmut und der Packer aus dem Ruhrpott mit ihren Frauen Susanne und Caterina, Yannik der Katze und Irmtraut der Schildkröte in Berlin gelandet und sehen sich der schutzgelderpressenden Russenmafia, verrückten Werbeleuten, Jobs ohne Gehalt und dem sehr flinken Überwachungsstaat gegenüber. Wie gewohnt als letzte Bastion der Vernunft heckt Hartmut wieder Pläne aus und baut sogar einen Schutzturm.
In typisch überspitzer humorvoller Art und Weise geschrieben, wenn auch ernster als die Vorgänger. Und mit einem Ende, welches alles verändern wird.
Fazit:
Endlich wieder ein Hartmut-Roman den ich mag. Der Vorgänger "die Wandelgermanen" hat mir nicht so gefallen.
Für mich liegt die Stärke dieses Romans, neben der übliche Satire und Gesellschaftskritik, in den ernsteren Passagen. Damit weicht er zwar aus der sonst üblichen Humorschiene ab, aber erhält dadurch auch mehr Tiefgang.
Man sollte die Werke Uschmanns allerdings chronologisch gelesen haben, sonst versteht man viele Anspielungen nicht. Und auch die Handlung wird geschmälert.
8/10
Weil es so schön war und ich so im lesen drin war:
6. Oliver Uschmann/ Sylvia Witt- Erdenrund
"Noch kann er ihr nur ein Moped bieten, aber er spürt bereits, dass es erst der Anfang einer längeren Reise ist.. Einer Reise mit diesem Mädchen und keinem anderen. Man bemerkt so etwas, wenn man eine Antenne dafür hat. Es ist, als strahle jeder Mensch ein Feld von Zukunft aus. Bei manchen ist das Feld klein. Es schimmert rot und hitzig, aber es reicht gerade mal für eine Nacht. Dann gibt es blaue Felder, ein Dämmerblau wie vier Uhr morgens. Heimfahrt nach einer Party direkt hinein in den Kater. Das Dämmerblau-Feld kündigt eine Beziehung von Wochen an, vielleicht Monaten aber mehr nicht. Es endet an den Grenzen all der anderen Möglichkeiten, die keiner der beiden Partner im leben verpassen will.[.......]
Es gibt nur einmal im Leben einen Menschen, der mit dem eigenen Feld zu grenzenlosen Zukunft verschmilzt. Man bemerkt es daran, dass man erst, wenn man diesen Menschen getroffen hat, solche Metaphern überhaupt erfindet und nicht mal mehr für kitschig hält. Sie sind auf einmal treffend, und selbst der Professor bleibt still. Aber wenn diese Zukunft zerrissen, wird, diese eine, die sein soll, dann gibt es nur noch... Einsamkeit."
Inhalt:
"Erdenrund" schließt sich direkt an "Feindesland" an. Aufgrund des Schicksalsschlages müssen wir erleben wie die Familie der vier zerbricht und sich entwurzelt.
Alle vier fahren in unterschiedliche Richtungen davon und daraus resultierend gibt es zum ersten mal in der Hartmut-Reihe keinen durchgängigen Erzählstrang, sondern jeder Protagonist kommt in der Ich-Form zu Wort und erzählt seine Geschichte.
Caterina wandelt auf den Spuren berühmter Maler nachdem sie von Zuhause flüchtet.
Susanne verrichtet depressiv alle Handwerksarbeiten bei ihrer Mutter in ihrer Kölner Kneipe bevor sie nach Neuseeland aufbricht.
Hartmut ist eigentlich auf dem Weg die Einsamkeit zu suchen, eine russische Insel und
Ich, der eigentliche Erzähler der Romane, verschanzt sich in seiner Heimatstadt, spielt Playsationspiele und hat einen Pizzaernährungsplan.
Bis auf einmal das Schweigen zwischen den vieren gebrochen wird. Mit Flucht, einem personifizierten Dom, einem Neurotiker und einem Mann der wohl alle Menschen auf der Welt kennt.
Fazit:
Ich habe gerade das Buch geschlossen und muss sagen, ich finde es wunderbar.
Die Frage im Klappentext trifft es genau: Wo fängst du an, wenn du am Ende bist?
Ähnlich wie Feindesland ist dieser Roman nicht mehr in der Tradition der Hartmut-Reihe, es gibt noch immer die slapstickartigen Begebenheiten, absurd anmutende Begegnungen aber die Figuren werden handfester, direkter, echter. Auch die Geschichte wird, vorallem verglichen mit dem ersten Teil, wesentlich tiefer, ruhiger und ernster.
Und mir gefällt dies tadellos.
9/10

- 8 & 9 16.05.2013
- 59.Pratchett 60.Wiles 61.Klüpfel/Kobr 13.05.2013
- 56.Wallace 57.Leon 58.Murray 03.05.2013
- 7 24.04.2013
- 53.Glattauer 54.Kinsella 55.Nuhr 23.04.2013
addictedToSleep sagte:
vll. lese ich die hartmut bücher ja doch mal. bisher konnten die mich ja überhaupt nicht überzeugen. hm. wieviel teile sind es nun insgesamt schon?
ich finde die reihe ann sich ganz schick, mit kleinem hänger zwischendrin halt.
und ich glaube...erdenrund müsste der sechste gewesen sein.
ich wäre auf die auch nie gekommen die zu lesen wenn ich sie nicht auf den grabbeltisch gefundne hätte.









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07.01.2013 - 11:11 Uhr
addictedToSleep