03.01.2013 - 02:36 Uhr

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2012 - wie es unwirklich war

Text: ein_oxymoron in Tagebuchschreiber (1125)

Mein Jahr begann nackt im Schnee, unter Nordlichtern. Dann dort, wo das alte auch schon begonnen hatte: mit dem Husky-Mann an seinem Lagerfeuer am Meer. Nicht mehr "zusammen", aber trotz allem und wegen allem immer noch zusammen.

Steil auf die 30 zugehend immer noch so viele erste Male: Skilaufen. Meditieren. Online-Dating. Im Schnee zelten. Seit Jahren wieder Studentin. Bergsteigen. Verlassen werden und nicht verzweifeln. Auf einen Kompass angewiesen sein. Auf einem Festival Spass haben. Im Eismeer schwimmen. Veranstaltungen organisieren. Arbeit ablehnen, weil meine Wuerde mehr wert ist. Selbstgebackenes verkaufen. Alleine und ohne Schlafplatz in einer fremden Stadt stranden, die Hotels ausgebucht. Von fremden Menschen spontan beherbergt werden. Einen fremden Menschen spontan beherbergen.

Es gab Niederlagen, Frustration, Dummgelaufenes. Ich wurde immer noch gerne missverstanden. Ich war immer noch oft uebersensibel. Mein Knie machte mir einen Strich durch die Fahrradrechnung. Die Lieblingsfranzoesin zog weg und meldete sich nicht mehr. Die Weltrettung ging nur sehr langsam voran. Ich bekam zu spueren, dass ich immer eine Fremde bleiben wuerde. Die Maeuse kackten in meine frischen Handtuecher und interessierten sich nicht mehr fuer die Fallen. Zwei Monate ohne heisses Wasser und mal wieder ein paar Wochen ohne Dusche und Waschmaschine zu Hause. Schon wieder an der Uni gescheitert, bis auf Weiteres. Eine Standpauke vom Zugschaffner darueber, wie verantwortungslos ich reiste.

Und dann gab es diese hundertprozentigen Momente, in denen man pures Glueck und Erfuellung findet, in denen nichts anderes zaehlt. Skier's High unter strahlend blauem Himmel und ueber dem Meer, die vorher furchterregenden Haenge bezwingend. Einfach nur im Bett liegen und Naehe spueren. Alleine in den Bergen, in der Mitternachtssonne, immer wieder fassungslos ueber all die Schoenheit umherblickend. Tiefenentspannt in der Sauna mit guten Freunden. Die Seele aus dem Leib tanzen. Nach einem Bad im Eismeer halbnackt in einer Gruppenumarmung am Strand stehen und zur Nordnorwegerin ernannt werden. Barfuss im moosigen Herbstwald. Optimistischer Tatendrang. Vor Nordlichtern explodierender Nachthimmel. Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

Mein Jahr endete dort, wo es begonnen hatte. Mit dem Husky-Mann an seinem Lagerfeuer am Meer. Dieses Mal mit special guest - naemlich dem spontan beherbergten Fremden, der sich als waschechter Indianer und Bruder im Geiste entpuppte. Rentierfelle und indianisches Raeucherwerk. Arm in Arm zusehen, wie die Leute ihr Geld verbrennen. Naturreligioese Zeremonien, Dankgebete und Wuensche. Brataepfel in der Glut. Hoffnung in der Luft.


Ein wunderbares neues Jahr euch allen.


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8 Kommentare
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octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

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03.01.2013 - 07:39 Uhr
octopussy

Beeindruckend. Klingt nach gutem echten ehrlichen Leben. Danke fürs Teilen.

Lenjia
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Mag ich Mag ich nicht

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03.01.2013 - 16:02 Uhr
Lenjia

wow, toll.

das_maedchen
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Mag ich Mag ich nicht

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04.01.2013 - 12:20 Uhr
das_maedchen

schon soooooo alt und trotzdem noch so viele tolle erste male. ich freu mich für dich!
und generell: du machst ja nur! sympathischen kram.

TirolerHut
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Mag ich Mag ich nicht

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04.01.2013 - 15:30 Uhr
TirolerHut

Sehr schön geschrieben! :-) Man muss sich und das Leben jeden Tag neu erfinden.

MojoMenges2
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Mag ich Mag ich nicht

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04.01.2013 - 19:41 Uhr
MojoMenges2

Klingt sehr intensiv. Alles Gute und schöne neue Geschichten für 2013!

schattenfisch
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Mag ich Mag ich nicht

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04.01.2013 - 21:48 Uhr
schattenfisch

Dito.

sunnybunny84
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Mag ich Mag ich nicht

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05.01.2013 - 23:40 Uhr
sunnybunny84

Die Weltrettung ging nur sehr langsam voran.

+++

john_doa
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Mag ich Mag ich nicht

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06.01.2013 - 03:26 Uhr
john_doa

Die Geschichte mit dem Schaffner würde mich doch etwas näher interessieren ;-)
Und nackig unterm Nordlicht macht einen Astronom irgendwie wuschig :)=)
Allerdings sei bemerkt, dass bei Aurora die Zuverlässigkeit Von Kompanten doch arg leidet :o
Liest sich nach einem guten Jahr. Auf dass dieses mindestens so ereignisreich wird!

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