Lexikon des Guten Lebens

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Ich mag den Freund meiner besten Freundin nicht - was nun?

Text: marie-charlotte-maas

Eigentlich freut man sich ja, wenn gute Freunde in einer glücklichen Beziehung sind. Was aber, wenn man den Partner oder die Partnerin an der Seite eines lieben Menschen nicht leiden kann? Das Lexikon des guten Lebens weiß Rat.

Er war laut und plump und seine Witze gingen meistens unter die Gürtellinie. Er war ein Mensch, mit dem ich unter normalen Umständen nicht mehr als drei Sätze gewechselt hätte. Leider war er der neue Freund einer engen Freundin. Sah ich sie, sah ich ihn und musste mit ihm auskommen.

Die beiden hatten sich beim Weggehen kennengelernt, schon eine Woche später waren sie ein Paar. Ihren Erzählungen zufolge war er der Mann für sie. Bevor ich ihn das erste Mal traf, hatte ich mir dementsprechend schon ein Bild von ihm gemacht: Eine Mischung aus ihren letzten drei Bekanntschaften. Also gutaussehend, intelligent und witzig, nur eben ohne die Macken, die bei den anderen letztlich zur Trennung geführt hatten. Nur: Er war genau der Typ Mann, den ich schrecklich fand. Den wir schrecklich fanden: Ein typischer Fitnessstudiogänger, braun gebrannt und schleimig. Wo zum Teufel war nur ihr Geschmack geblieben?

"Ist er nicht toll?", fragte sie, als er zur Toilette ging. Ich konnte keine Ironie in ihren Worten entdecken. "Mal nicht so ein arroganter und eingebildeter Künstlertyp, der sich selbst am Ende doch am wichtigsten ist." Ich nickte und hoffte, dass der Abend schnell vorüber gehen würde. Warum war ich so feige?

"Richtig gehandelt", sagt mir dagegen Dr. Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor des Buches Wie man Freunde fürs Leben gewinnt: "In den ersten Wochen wird sie ohnehin keine Kritik hören wollen, schließlich ist sie glücklich." Das müsse man respektieren und deshalb sollte man die Beziehung auch nicht kommentieren. Weder positiv, noch negativ, denn ersteres wäre unehrlich, letzteres unhöflich. Gab es also keine andere Lösung, als meine Freundin in ihr offensichtliches Unglück rennen zu lassen?

Ein paar Tricks gäbe es da schon, sagt Wolfgang Krüger: "Man sollte viele Fragen stellen und aufmerksam zuhören. Warum liebst du diesen Mann? Welche Eigenschaften schätzt du an ihm? Kennst du schon seine Familie? Was macht er beruflich? Wie lange haben bisher seine Partnerschaften gehalten? Weißt du, warum seine Beziehungen bisher gescheitert sind?" Seiner besten Freundin dürfe man solche Fragen stellen und Fragen können immerhin eine Menge bewirken. Entweder, man selbst begreift doch, wieso ihr dieser Mensch wichtig ist, oder sie merkt vielleicht selbst, dass er nicht so perfekt ist, wie sie dachte.  

"Es hat mich gefreut, dich endlich kennenzulernen", sagte besagter neuer Freund am Ende des Abends zu mir und lächelte mich freundlich an. Meine Freundin sah sehr glücklich aus, wie sie da stand und seine Hand hielt. In diesem Moment musste ich fast zugeben, dass die beiden irgendwie ein nettes Paar abgaben. "Ich habe mich auch gefreut", sagte ich. Eine kleine Notlüge hat noch niemandem geschadet.

Marie-Charlotte Maas, 28, findet, dass Fehlgriffe in Sachen Männern durchaus etwas für sich haben. Immerhin gewinnen sie rückblickend oft an Komik und mit ein bisschen Abstand kann man wunderbar über den eigenen schlechten Geschmack lästern.

Fünf Tipps, wenn man den Partner der Freundin/des Freundes nicht mag:

1. Nicht alles Schwarz-Weiß betrachten: Die meisten Menschen haben beim näheren Hinsehen durchaus Aspekte, die liebenswert sind. Wichtig ist nur, dass für die Freundin/den Freund diese positiven Seiten überwiegen.

2. Hast du den Eindruck, dass der Partner deiner Freundin/deinem Freund schadet, zum Beispiel gewalttätig ist, eine schwere Suchtproblematik hat oder das Selbstbewusstsein durch Machtgehabe ruiniert, solltest du eingreifen und etwas sagen.

3. Versuche dich in deine Freundin/deinen Freund hineinzuversetzen: Warum verliebt sie/er sich in diesen Typen/diese Frau? Wie waren ihre/seine früheren Partnerschaften? Unsere Partnerschaftswahl ist immer von unserem Selbstbewusstsein abhängig. Es kann eine Möglichkeit sein, den besten Freund/die beste Freundin viel zu loben, damit er/sie in der Liebeswahl anspruchsvoller wird.

4. Dass man ihn/sie nicht leiden kann, sollte man weder sagen noch zeigen, denn im Zweifelsfall treffen Streitereien ja immer die Person, die zwischen den Parteien steht.

5. Es ist erlaubt zu sagen, dass man den besten Freund/die beste Freundin auch mal wieder ohne den Partner treffen möchte. Das ist generell wichtig für eine Freundschaft, denn nur unter vier Augen kann man wirklich seine Geheimnisse mitteilen und Gefühle ausdrücken. Auch eine Einladung muss nicht immer für beide gelten. Nur bei wichtigen Feiern wie Geburtstag und Silvester sollte man den Partner ebenfalls einladen.
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32 Kommentare
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tuladoesthehula
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Mag ich Mag ich nicht

13

26.02.2013 - 19:41 Uhr
tuladoesthehula

also ich finde, das ist ein größeres problem, wenn man den mag. also mag-mag.

chrinamu
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Mag ich Mag ich nicht

3

27.02.2013 - 11:01 Uhr
chrinamu

Ja, also ich finde, so lange der Freund nicht offensichtlich schlecht für sie ist, sondern einfach meinem subjektiven Geschmack nicht entspricht, muss ich das aushalten können. Nicht, dass ich es unbedingt verheimlichen würde, aber nur weil jemand nicht perfekt für mich wäre, würde ich ihn nie einer Freundin ausreden.

Ich hab tatsächlich eine Freundin, deren Freund ich nicht mag. Allerdings kommt da hinzu, dass er sich meiner Meinung nach auf Kosten ihres ohnehin sehr mageren Selbstbewusstseins immer in den Vordergrund drängt und sie ein wenig dominiert. Und das hab ich durchaus schon mal angemerkt (zu ihr), aber nicht so, dass ich ihr gleich die Trennung nahelegen würde. Das muss sie schon selber wissen.

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

2

27.02.2013 - 11:01 Uhr
octopussy

Ich kenne beide Seiten. Meine beste Freundin hatte jahrelang einen Freund, der ihr auf Dauer nicht gut tat. Und ich hatte später jahrelang einen Freund, mit dem kaum jemand auskam, was allerdings nicht sooo schlimm war, da er im Ausland wohnte.

Es ist, wie es bleibt: man muss einfach als Freundin da sein. Wenn man super vertraut ist miteinander und schon lange mit der Freundin zusammen ist, dann kann man schon auch mal sagen, was man doof findet. Ich habe meiner Freundin mal einen langen Brief geschrieben, als ich nich mehr mit ansehen konnte, wie sie die Beziehung kaputt macht. Aber im Endeffekt habe ich ihr den Brief doch nicht geschickt, weil ich verstanden habe, dass sie selbst da rausfinden muss. Als sie die Trennung dann endlich geschafft hat, war ich für sie da - und bin es immer noch. Wir sind jetzt seit über 20 Jahren "zusammen". Und das eben auch, weil wir so tolerant miteinander umgehen und unsere Unterschiedlichkeiten akzeptieren.

In meiner Fernbeziehung ging es mir sehr gut. Und ich bereue sie bis heute nicht. Ich habe viel gelernt durch die Beziehung und durch meinen Exfreund. Dass ich mir damit so einige (Berufs-)Chancen in Deutschland verbaut habe, haben weder meine Eltern, meine Brüder noch meine beste Freundin gern gesehen. Aber sie akzeptieren eben, dass es mein Leben ist.

So wie mein Vater schon immer sagt: "Ich muss nicht mit euren Partnern auskommen. Ihr müsst das. Wenn ich mich mit euren Partnern gut verstehe, dann ist das natürlich schön. Aber das ist nicht das Wichtigste."

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

2

27.02.2013 - 11:01 Uhr
afrirali

das ist doch eine vollkommen überzeugende und ausreichende erklärung:

"Ist er nicht toll?", fragte sie, als er zur Toilette ging. Ich konnte keine Ironie in ihren Worten entdecken. "Mal nicht so ein arroganter und eingebildeter Künstlertyp, der sich selbst am Ende doch am wichtigsten ist."

marksu_
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Mag ich Mag ich nicht

1

27.02.2013 - 11:42 Uhr
marksu_

tuladoesthehula sagte:
also ich finde, das ist ein größeres problem, wenn man den mag. also mag-mag.


stimme vollkommen zu … gleiches problem wenn man die freundin vom besten freund mag-mag.

MsAufziehvogel
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Mag ich Mag ich nicht

1

27.02.2013 - 11:42 Uhr
MsAufziehvogel

und was macht man, wenn der/die partner/in wirklich so gut wie jede party sprengt mit mieser laune und aufwändig inszeniertem egozentrismus?

queen_without_a_country
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Mag ich Mag ich nicht

1

27.02.2013 - 12:00 Uhr
queen_without_a_country

das ist mir Gott sei dank noch nie so gegangen, @tula. ich finde schon, gerade bei längeren Beziehungen, dass es sehr furchtbar sein kann, wenn man viel Zeit mit einer Person verbringen muß, weil die beste Freundin die gerade toll findet und die man selber nicht leiden kann UND das aushalten soll. und man wünscht seiner Freundin ja auch den zweitbesten Kerl der Welt, Volltrottel, die mit 40 immer noch in der Spätpubertät hängen, sind dann auch aus altruistischen Gründen schwer erträglich.

Montagsgast
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Mag ich Mag ich nicht

2

27.02.2013 - 12:00 Uhr
Montagsgast

Muss man alles mitmachen, nur weil's -aus welchem Grund auch immer- heisst: "...ach ist der nicht toll ...?"

Nein, muss man nicht.

Weder als Bestefreundin noch als Buddy.

Nicht persönlich oder untergriffig werden, dabei aber das "Gegenstück" zum Buddy oder zur besten Freundin als Individuum wahrnehmen, nicht als Anhängsel, und sei der/die auch noch so unerirdisch.

Wenn sich die Person selbst ebenfalls als Individuum begreift, klappt das erfahrungsgemäss in der Regel ganz OK, wenn er/sie das NICHT kann, sondern lediglich als Partner nur über den Buddy / die beste Freundin funktioniert, klappt es meistens nicht.

Dann, zeigt die Erfahrung, hilft Abstand vergrössern.

Schad', aber alle Mal viel besser als diplomatische Verlogenheit oder gar "gute-Mine".

speedcola
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Mag ich Mag ich nicht

0

27.02.2013 - 12:01 Uhr
speedcola

es ist wohl in den meisten faellen so, dass die "beste freundin" den freund von ihr nicht mag. das muss so ne art eifersucht sein.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

0

27.02.2013 - 12:01 Uhr
Digital_Data

Wie lange haben bisher seine Partnerschaften gehalten? Weißt du, warum seine Beziehungen bisher gescheitert sind?


Die Frage nach früheren Partnerschaften birgt so viele Mienenfelder, dass es für mich das einzige Thema ist, dass ich in einer Beziehung konsequentz ausblende. Außerdem erfährt man eh nur eine Sicht auf eine Sache, die immer zwei Seiten hat.

Digital_Data

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