Fünf Songs für den Jahresabschluss
Uns ist ganz besinnlich zumute, weshalb wir am letzten Wochenende des Jahres eine kleine Rückschau halten auf das Popjahr 2012. Fünf Songs, die fünf Menschen in diesem Jahr viel bedeutet haben.
Kid Kopphausen – "Das Leichteste der Welt"Im Oktober ist der Hamburger Musiker Nils Koppruch gestorben – nur wenige Wochen nachdem er zusammen mit Gisbert zu Knyphausen ein ziemlich tolles Album veröffentlicht hatte. Das war ein trauriger Verlust, und wie es so ist, wenn ein Musiker plötzlich weg ist, versucht man sich noch ein bisschen mehr an seinen Liedern festzuhalten, hört noch genauer hin, fühlt noch ein bisschen mehr mit. Das tollste Lied unter den vielen tollen Liedern auf dem Album von Kid Kopphausen ist „Das Leichteste der Welt“ – weil es so schön hadert mit dem Leben und einem gleichzeitig immer wieder sagt: Schon okay, alles wird gut. Und das kann man ja eigentlich nicht oft genug hören. Never mind the darkness, baby...
christian-helten
Alt-J – Tesselate
Es ist Ende 2012, langsam bin ich der penetranten Hipster-Geometrie überdrüssig und will eigentlich keinen Dreiecken mehr begegnen. Ausnehmen möchte ich da allerdings explizit die Dreiecksjünger Alt-J. Der Bandname entspricht der englischen Mac-Tastenkombination für das Delta-Zeichen (∆), in „Tesselate“, dem vielleicht schönsten Song von Alt-J, bekennt Sänger Joe Newman ausgerechnet „Triangles are my favourite shape“ und durchs Video geistern auch noch ein paar Dreiecke. Den Clip habe ich außerdem sowieso nicht ganz kapiert, Hip-Hop-Kids statt bärtiger Philosophen in der Schule von Athen, irgendwie sieht das für mich ja eher nach einem DIESEL-Werbespot als nach einem Musikvideo aus. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich „Tesselate“ laut Player-Statistik weit über hundert Mal gehört habe. Der Song war die letzten Monate eigentlich immer dabei, wo Musik dabei sein konnte: Auf dem Weg zur Arbeit, beim Kochen, beim Kater Auskurieren, beim Liebeskummer und beim Schreiben. Nur auf die Sport-Playlist hat es „Tesselate“ nicht geschafft, aber das ist wahrscheinlich besser so, sonst hätte ich mir den Song wohl doch übergehört.
juliane-frisse
Carly Rae Jepsen - "Call me Maybe"
Und wer ist sie?” fragt der Kollege als ich das Video vorspiele, in dem Jimmy Fallon mit seiner Studioband The Roots “Call Me Maybe” auf “Classroom Instruments” nachspielt. Nein, an Carly Rae Jepsen liegt es nicht zuvorderst, dass ihr Hit der Song des Jahres 2012 wurde – es liegt an all den lustigen und weniger lustigen Menschen da draußen, die ihren Ohrwurm-Quatsch nachgesungen und geremixt haben. Wenn es eine Hymne auf die kreative Kraft des Netzes gab, dann ist es der Plastikpop der kanadischen Justin-Bieber-Freundin. Und deshalb ist “Call Me Maybe” mein Song des Jahres!
dirk-vongehlen
The Subdudes - „Carved In Stone“
Natürlich bin ich auch serieller Glotzer, wie gefühlt neunzig Prozent meiner Mitmenschen. Meine Serie des Jahres war "Treme", das aktuelle Projekt von David Simon, dem Mastermind hinter "The Wire". In "Treme" geht es um das Leben der Bewohner von New Orleans nachdem der verheerende Sturm Katrina 2005 die Stadt unter Wasser gesetzt hatte und in der Folge die Bevölkerung so ziemlich von allen alleine gelassen wurde, die hätten helfen sollen. "Treme erzählt davon, wie sich die Stadt trotz der Korruption und der Unfähigkeit staatlicher Organisationen wie FEMA und den unzähligen Verlusten in den Jahren danach wieder aufgerappelt hat.
"Treme" ist aber vor allem auch eine filmische Hommage an die Stadt und die Musik, die in dieser Stadt entstanden ist - von dem traditionellen Dixieland Jazz über Southern Soul bis hin zur Bounce Music. Obwohl die zweite Staffel schon eine Weile fertig geschaut ist, denke ich oft an einzelne Geschichten und Szenen. Aus dem Soundtrack zur zweiten Staffel stammt der Song „Carved In Stone“, überhaupt kein typischer New Orleans-Sound, trotzdem herzzerreißend schön, wie ich finde.
christina-waechter
The Maccabees – Pelican
Mit der ersten Single-Auskopplung des aktuellen Albums Given To The Wild der fünf Londoner verbinde ich kostbare Erinnerungen an tagelange Bus- Bahn- oder Bootsfahrten durch Thailand, wo ich im Februar mit der besten Freundin auf Backkpackertour war. Der Song handelt von Vergänglichkeit, lässt sich das im Sound aber kein bisschen anmerken: Mit der Energie, die hinter Schlagzeug, Gitarrenläufen und Harmoniegesang steckt, kommt man auch im graumelierten deutschen Halbwinter einigermaßen gut gelaunt durch den Tag.
helena-kaschel
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28.12.2012 - 18:32 Uhr
Sunset_