Jungs, habt ihr ein Problem mit Trösten?
Die Jungsantwort von christian-helten:

Am Anfang dieser Antwort muss ich erst mal Entwarnung geben, was dein trauriges Bild von der stummen Bierkastenrunde bei The Streets-Untermalung angeht: So schlimm ist es nicht um uns bestellt, wir sind der freundschaftlichen Trauer- und Tröstarbeit durchaus fähig.
Allerdings hast du in manchen Punkten durchaus Recht. Uns fehlt die totale Souveränität, mit der ihr diese Freundschaftsdienste meistert, der sichere Griff in eine gut bestückte Kiste der Heilmittelchen. In Panik verfallen wir deshalb nicht. Aber während ihr in solchen Trostfällen wie ein versierter Handwerker in einen gut sortierten Werkzeugkoffer greift, müssen wir erst mal ein bisschen überlegen, welche Werkzeuge wir jetzt brauchen und wo genau sie eigentlich herumliegen. Es ist nämlich schon ein bisschen her, dass wir sie das letzte Mal benutzt haben. Denn – und das ist wohl der größte Unterschied zwischen euch und uns auf diesem Gebiet – wir sind keine Team-Tröster. Unsere innersten Gefühle und intimsten Dinge teilen wir durchschnittlich glaube ich mit weniger Geschlechtsgenossen als ihr. Wir haben eher einen oder zwei allerbeste Freunde als vier oder fünf. Das bedeutet natürlich, dass wir seltener in die Situation kommen, einem besten Freund über Trennungsschmerz hinweghelfen zu müssen – und dass wir weniger Routine darin entwickeln.
Das führt dazu, dass unsere Trösterei weniger ganzheitlich ausfällt, wir bieten kein großes Rundumprogramm, bei dem wie in eurem Fall von Sekt und Schokolade bis zum stundenlangen Problemgewälze gleich alles parat steht und zu dem jeder seinen Teil beiträgt. Wir müssen uns jedes Mal von neuem erst Mal ein bisschen in die Trösterrolle hineinfinden. Aber das überfordert uns nicht, wir schaffen das schon. Kann sein, dass wir dabei manchmal zuerst ein bisschen daneben greifen. Aber das merken wir dann schon.
Ich glaube, dass unsere vergleichsweise spärlichere Trösterei aber auch damit zu tun hat, dass der zu Tröstende auf stundenlanges Reden gar nicht so erpicht ist. Die Frequenz und Intensität, in der wir uns in Gefühlsfragen updaten, ist ja generell ein bisschen geringer als bei euch. In solchen Gesprächen gibt man sein Innerstes Preis, und in diesem Innersten sind natürlich auch bei uns lauter Probleme und Ängste und mitunter auch eine Menge Traurigkeit – lauter Dinge, die wir nicht so selbstverständlich nach außen kehren, wegen dieses nun mal immer noch nicht ganz verschwundenen Bildes vom starken Mann. So befreiend und wichtig es ist, sich zum Beispiel nach einer Trennung auszukotzen und alles mit dem besten Freund durchzukauen, es ist immer auch mit ein bisschen Überwindung verbunden, und wir sind ein bisschen froh, wenn wir wieder damit aufhören können.
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