Die Fernbusse kommen! Alles was Du wissen musst.

In anderen Ländern sind Fernbusse Alltag, bei uns noch wahre Exoten. Endlich wird öffentlicher Fernverkehr wesentlich günstiger als den PKW zu nehmen. Die Busunternehmern locken mit modernen Bussen und Extras wie W-Lan und gratis Kaffee. Doch es gilt ein paar Dinge zu beachten, damit Du von dem neuen Angebot auch profitieren kannst.
Was passiert denn genau? Ab Januar 2013 ändert sich das Personenbeförderungsgesetz grundlegend. Es verhinderte bisher faktisch die Einrichtung neuer Fernbuslinien innerhalb Deutschlands. Lediglich nach und von Berlin existiert bererits jetzt eine nennenswerte Anzahl von Verbindungen. Diese jedoch mit recht hohen Preisen, da jede Strecke nur von einem Unternehmen bedient wird. Von nun an darf also jedes Unternehmen Linien eröffnen, ganz wie es will. Lediglich der Abstand der Haltestellen muss mehr als 50 Kilometer betragen.
Obwohl sich das Gesetz erst 2013 ändert, bekamen ein paar Unternehmen schon in jüngster Zeit neue Fernbuslinien genehmigt. Dies hängt mit der sich ändernden politischen Grundhaltung gegenüber Fernbussen zusammen. Sah man bislang vor allem die negativen Folgen (die zusätzliche Konkurrenz für die Bahn), setzt sich nun die Einsicht durch, dass dieses alternative Verkehrsmittel Fahrten im öffentlichen Fernverkehr erst für eine breite Bevökerungsschicht erschwinglich macht.
Neben den den etablierten Anbietern wie Berlin Linien Bus oder Deutsche Touring, heißen die neuen Unternehmen beispielsweise DeinBus, MeinFernBus oder Flixbus. Auch ADAC und Post haben angekündigt, zusammen ein deutschlandweites Fernbus-Netz aufbauen zu wollen.
Was bedeuten die Fernbusse für mich? Erste Beispiele zeigen: spätestens wenn zwei Fernbus-Anbieter auf einer Strecke in Konkurrenz stehen, fällt der Preis knapp unter den einer Mitfahrgelegenheit. Im Unterschied zum Zug, wird es bei den Fernbussen aber sehr viele Anbieter geben. Wir müssen uns erst noch daran gewöhnen, dass der öffentliche Fernverkehr nicht mehr nur durch ein Unternehmen (die Bahn) betrieben wird. Der nun erstmals ernsthaft stattfindende Wettbewerb im öffentlichen Fernverkehr wird zunächst zu günstigeren Preisen und einer stärkeren Service-Orientierung der Unternehmen führen. Andererseits müssen wir uns auch an die negativen Folgen vieler unterschiedlicher Anbieter gewöhnen. Jeder betreibt seine eigene Website und die Angebote unterscheiden sich in kleinen aber im Zweifel nervigen Details. Manchmal wird das Gepäck umsonst befördert, manchmal nur gegen Gebühr, teilweise können Tickets problemlos umgebucht werden, teilweise kostet dies extra und teilweise geht es gar nicht. Auch Komfort und Service können sich unterscheiden. Sparpreise sind oft stark kontingentiert, manchmal gibt es hingegen aber auch einen fixen Preis, egal wann man bucht. Besondere Personengruppen (Kinder, Jugendliche, Rentner,..) erhalten oft einen Rabatt, dieser ist jedoch zwischen den Anbietern ebenfalls uneinheitlich.
Informieren und profitieren Auf jeden Fall solltest Du dich schlau machen, welche Verbindungen es von und zu deiner Stadt gibt. Ein paar Anbieter, aber längst nicht alle, werden auch bei mitfahrgelegenheit.de angezeigt. Den einzigen ernsthaften Versuch, Licht ins Dunkle dieses unübersichtlichen Angebots zu bringen, haben drei Studenten aus Karlsruhe gestartet. Mit ihrer Website busliniensuche.de möchten sie das „Fernbus-Angebot in Deutschland und Europa transparenter“ machen. Bleibt zu hoffen, dass es Ihnen gelingt. Die Beta-Version ist zumindest recht vielversprechend. Eine neutrale Anlaufstelle würde den Suchaufwand nämlich deutlich reduzieren.
Die Fahrt Falls Du dein Ticket schon im Vorhinein besorgt hast, empfehlen die meisten Busanbieter 15 Minuten vor der Fahrt vor Ort zu sein. Umsteiger von der Mitfahrgelegenheit müssen sich erst wieder daran gewöhnen, unbedingt zeitig vor Ort zu sein. Achtung: Einige Anbieter behalten sich das Recht vor, deinen Sitzplatz anderweitig zu vergeben, falls Du nicht spätestens fünf Minuten vor der offiziellen Abfahrt am Bus bist.
Überlege dir im Vorfeld was Du während der Fahrt machen willst. Lesen und Schlafen ist im Bus noch beliebter als in der Bahn. Für den Laptop reicht der Klapptisch jedoch häufig nicht aus. Wähle deinen Nebensitzer sorgfältig aus. Falls jeder Doppelsitz schon mit einer Person besetzt ist, erzeugt das für viele Leute eine Stressituation: Wo setzte ich mich hin? Frage einfach die Person, die dir als erstes positiv auffällt, ob Du dich neben sie setzten darfst. Umgekehr gilt - falls Du also schon sitzt und noch weitere Menschen einsteigen - zeige Ihnen, dass Du sie als Sitznachbar haben möchtest (und nicht den ekligen Typen der sich auch gleich nach einem Platz umsehen wird). Nimm deine Tasche vom Nebensitz und stelle Augenkontakt her.

Die Zukunft Fest steht: mit den „neuen“ Fernbussen wird es vielfach eine sehr attraktive Verbindung in andere Städte geben. Allerdings können die vielen Anbieter auch zu Verwirrung führen. Erfahrungen in anderen Ländern legen nahe, dass es in den ersten Jahren häufig zu Änderungen im Angebot kommen wird. Unternehmen steigen in den Markt ein oder werden von Wettbewerbern übernommen. Vielleicht wird der Fernbus im Verkehr in drei Jahren das sein, was Aldi heute im Lebensmittelbereich ist. Wer Geld hat und Wert auf Prestige legt, fährt Auto, alle anderen nehmen den Fernbus und gönnen sich dafür einen guten Wein.
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25.12.2012 - 12:38 Uhr
brotfresserin