Näher. // Come closer.
Ich genieße den Abend. Die Atmosphäre ist angenehm entspannt. Der attraktive Gastgeber flirtet mich beim Jacke abnehmen an. Er ist sehr attraktiv und genau der richtige Typ Macho. Im Lauf des Abends fliegt der ein und andere Blick zwischen uns. Wenn er etwas erzählt hänge ich an seinen Lippen. Locker und süß.Das Essen ist göttlich. Es ist gut, dass wir nicht an einer Tafel sitzen und dass die Küche offen ist. So besteht immer Bewegung. Auch meine Blicke sind in Bewegung. Suchen sie nicht den Gastgeber, dann beobachten sie das Treiben, die Konstellationen und die Formen der Konversation. Einige haben sich lange nicht mehr gesehen. Die Simmung ist fröhlich und der Alkohol scheint keinen zu Grundsatzdiskussionen zu verleiten. Der Gastgeber ist eine sehr angenehme Alterative zu dem, dessen Nähe ich eigentlich suche. Immer wieder halte ich nach ihm Ausschau. Weiß immer ungefähr, wo er ist. Versuche, den Augenblick zu erhaschen. Es ist das erste mal, dass ich ihn auf fremden Terrain erlebe. Spannend. Interessant.
Schließlich stehen wir an einem Tisch, nebeneinander. Zwischendrin getrennt durch die gemeinsame Freundin, die seine Nähe sucht, weil sie zu lang am gekippten Fenster stand. Ich beobachte die Umarmung. Ohne Eifersucht, denn sie gibt mir den Maßstab, wie weit ich gehen kann.
Er ist es, der wenig später den Anfang macht. Legt den Arm um mich und meint "Also wir stehen hier sehr gut." Wir lächeln uns an und meine Hand fasst seine Seite fest. Das erste mal ihn mehr spüren. Fassen. Noch flüchtig. Wir lösen uns wieder. Doch jetzt konzentriert sich das Gespräch zwischen uns. Die Lady wird Thema. Die Kohleöfen. Seine Augen leuchten. Ewige Momente. Wir lösen uns durch ein verschieben der Gesprächsrunde und sind doch einander nahe.
Später bin ich mit der gemeinsamen Freundin auf der Tanzfläche. Außer uns tanzt kaum jemand. Sie ist herrlich natürlich und hat einfach Spaß, wir haben Spaß. Und er beobachtet uns. Ich halte mich mit der Inszenierung zurück und doch gilt jedes Hüftkreisen ihm.
Wir lachen und bei unserer Pause kommt er direkt zu uns und fragt, ob das einer unserer Musikwünsche war. Wieder spüre ich seine Hand im Rücken.
Und wieder verschieben sich die Szenarien. Ich höre Komplimente von anderer Seite, trinke guten Grappa aus Barrique, der Gastgeber wirbelt neben mir an der wundervollen Dampfmaschine, die Espresso zubereitet und irgendwann spüre ich die Hand von meinem Ex mit festen Griff auf meinem Po. Ein Kompliment im Vorbeigehen. Oder auch ein "ich will dich wieder." Schließlich sieht er den ganzen Abend, wie Gespräche und Funken zwischen mir und anderen Männern fliegen. Während er (Ex) eher als Anlehnstation für die betrunkenen Mädels dient.
Ich genieße die Atmosphäre, will aber auch nicht den Moment verpassen, ihm - so gut es geht - allein näher zu kommen. Es ergibt sich. Er steht am Rande der Tanzfläche. Viele der Gäste sind schon weg, die anderen im stetigen Fluß. Nach einem weiteren Tanz suche ich seine Nähe. Näher. Und näher. Seine Hand in meinem Rücken. Meine in seinem. Ich drehe mich leicht. So, dass wir nicht Seite an Seite sondern fast im rechten Winkel stehen. Meine Leiste lehnt an seiner Hüfte, wenn ich etwas sage. Ständig sind unsere Körper im Kontakt. Einzig der Stoff trennt uns. Worüber wir reden? Ich weiß es nicht. Ah doch, ich hatte ihn gefragt, wann denn nun die Apokalypse stattfindet. Wir diskutieren die verschiedenen Inszenarien und auf einmal sagt er: "Ich will aber gar keine Apokalypse mehr." Sein Blick lodert. Mein Mund ist trocken. Es finden sich weitere Worte von mir. Dann wieder er. Dabei sind seine Lippen so nah, dass sie meinen Hals berühren. Meine Haut brennt.
Ich genieße diese kostbare Nähe. Diese Zartheit im Näherkommen. Wieder verflüchtigen wir uns und ich bin schwer in Versuchung, ihm aufs Klo zu folgen. Doch ich habe auch Angst, die gewonnene Nähe zu riskieren.
Später der Abschied im Kreis der anderen. Er macht sich auf den Weg. Ich bleibe. Ein sich Drücken der Reihe nach. Ich bedaure, dass er die dicke Jacke anhat, und doch versuche ich nochmal eine Extraportion Nähe in die Umarmung zu stecken. Spüre seine glattrasierte Wange an meiner.
Jede unserer Berührungen an diesem Abend hat sich mir eingebrannt. Es ist eine schöne Mischung aus Entspannung und Abenteuer.
Etwa 2 Stunden nach ihm bin auch ich auf dem Heimweg. Werde am Morgen von der Affäre geweckt. Er will mich in einer halben Stunde überfallen. Ich will nicht. Kann nicht. Sex kann mir jetzt nicht das geben, was mir dieser wundervolle Abend gegeben hat. Die Affäre quengelt aufs Heftigste. Will unbedingt. Doch ich bleibe bei meinem Nein und schicke den Drängenden ins Neue Jahr. Nach 15 Minuten versucht er es nochmal. "Was hattest du vorhin nicht verstanden?"
Später ein SMS. Nicht die Affäre. Der Ex. "Deinen Po werde ich mir demnächst noch vornehmen." - "Ach ja?", denke ich mir und grinse. Wer erst dann aufwacht, wenn er merkt, dass ich von anderen begehrt werde, der bekommt mich nicht. Dennoch nehme ich das Kompliment an.
Der Sex, den ich in der Nacht der Apokalypse nicht hatte, ist weitaus nachhaltiger und sexier als jeder heiße Quickie mit Affären oder Exen.
Ich spüre seine Hand, seine Hüfte, seine Lippen...
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Die Sprache gefällt mir und die unsympathischen Figuren der Geschichte kommen überzeugend rüber.
Bangshou sagte:
Schöner Text.
Die Sprache gefällt mir und die unsympathischen Figuren der Geschichte kommen überzeugend rüber.
Danke. Ich wollte auch den Fokus auf das Schöne legen. Die "Unsympathischen" sollten nur auf den Punkt gebracht werden.
Kurze, klare Sätze finde ich gut.
Und es ist so anschaulich beschrieben, dass man sich beim Lesen die ganze Zeit freut, nicht dabei sein zu müssen.
bangshou sagte:
Sehr gerne.
Kurze, klare Sätze finde ich gut.
Und es ist so anschaulich beschrieben, dass man sich beim Lesen die ganze Zeit freut, nicht dabei sein zu müssen.
Na, du musstest ja auch nicht dabei sein.









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23.12.2012 - 23:16 Uhr
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