17.12.2012 - 18:30 Uhr

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Strengere Waffengesetze - jetzt!

Text: kathrin-hollmer - Foto: pfosti / photocase.com, Screenshots: Twitter

Nach dem Amoklauf von Newtown wird auf Twitter unter den Hashtags #GunControl und #GunControlNow über die Waffengesetze in den USA diskutiert. Die Tweets sind zum Teil sarkastisch bis zynisch. Und auch ein bisschen hoffnungsvoll.

Routine. Das ist eigentlich das letzte, das einem einfällt, wenn man an einen Amoklauf denkt. Was jetzt nach dem Massaker von Newtown im US-Staat Connecticut passiert, ist trotzdem: Routine. Der Amoklauf in der Sandy Hook Elementary School, bei dem der 20-jährige Adam Lanza am vergangenen Freitag 27 Menschen, darunter 20 Kinder, und danach sich selbst getötet hat, ist bereits die 13. Massenschießerei in den USA in diesem Jahr.  



Wieder sind alle bestürzt, wieder hält Obama eine Rede, er kämpft mit den Tränen. Und wieder beginnt die Diskussion über die Waffengesetze in den USA. "The same Procedure as every Massacre", tweetete der User @piratenbaer. Das fasst die aktuelle Diskussion ganz gut zusammen. Verfolgen kann man diese unter den Hashtags #Newtown, #PrayForNewtown und #NoWayNRA (National Rifle Association: Nationale Schusswaffenvereinigung, die als Waffen-Lobby für das Waffenbesitzrecht eintritt). Die Tweets erzählen von der Fassungslosigkeit über die Tat, manche User posten die Namen und Fotos der getöteten Kinder, wie @bettaboy123, der jedes Opfer mit einem einzelnen Tweet bedacht hat.  



Die Konsequenzen, die die USA aus dem Amoklauf ziehen müssen, werden unter den Hashtags #GunControl und #GunControlNow thematisiert. Beide Hashtags existieren nicht erst seit der Schießerei in Newtown. Den Hashtag #GunControlNow gibt es seit 11. Dezember, als ein maskierter Mann in einer Mall im US-Bundesstaat Oregon um sich geschossen und zwei Menschen getötet hat. Der Hashtag #GunControl beginnt am 10. Dezember mit einem Tweet über eine anarchistische Milizarmee innerhalb des US-Militärs.

Trending Topics sind die "GunControl"-Hashtags erst seit dem Amoklauf in Newtown geworden. Manche User posten Anti-Waffen-Plakate, andere zitieren aus Obamas Rede: "'These Tragedies Must End', Obama Says", twitterte @abarbalich. Einige Tweets enthalten direkte Aufforderungen, wie dieser von @thecrisismag: "#Congress ban assault weapons now!!! Time for talk is over!!!!"



Manche Tweets sind sarkastisch bis zynisch, viele spotten über die Absurdität der US-amerikanischen Waffengesetze, wie @REDmedic87: "It's completely acceptable to have 47 guns in one house hold just for fun." Und @brocky71: "Zwei Pistolen und ein halbautomatisches Gewehr hat in Deutschland nicht mal ein Soldat." Der User @oberlehrer kommentiert die Reaktionen der Waffen-Fans: "Was schließt der Ami aus #Newtown? Weg mit dem Waffenverbot in Schulen -- die Schüler müssen zurückschießen können!"





Auch Marina Weisband (@Afelia), bis Mai politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland, spielt in ihrem Tweet auf den gedankenlosen Umgang mit Waffen in den USA an: "Wir könnten uns einfach nen Sport für Familienväter ausdenken, der Marihuana beinhaltet. Vielleicht wirds dann auch legalisiert." In den USA beteiligen sich viele Prominente an der Diskussion unter den beiden "GunControl"-Hashtags. @MiaFarrow schrieb: "Gun control is no longer debatable- it's not a 'conversation'- it is a moral mandate." Die Schauspielerin wohnt nicht weit weg von Newtown und postete auch Fotos von den Blumen, Kerzen und Kuscheltieren, die vor der Schule abgelegt worden sind. Der US-amerikanische Filmregisseur und Autor Michael Moore (‏@MMFlint) twitterte: "Too soon to speak out about a gun-crazy nation? No, too late. At least THIRTY-ONE school shootings since Columbine."    




Es sind auch User dabei, die den Zusammenhang zwischen dem Amoklauf und der Forderung nach strengeren Waffengesetzen nicht anerkennen, wie @LittleSlav: "Next time I get pulled over for speeding, I'll say my car did it #guncontrol". Sie deutet an, dass nicht Waffen, sondern Menschen mit Waffen schießen. Dennoch sind die USA mit Abstand das Land mit den meisten Toten durch privaten Schusswaffengebrauch. Ein Zusammenhang ist also durchaus naheliegend.

Die Mehrheit auf Twitter spricht sich für strengere Waffengesetze aus. Auch Jeffrey D. Sachs (@JeffDSachs), Direktor des "Earth Institute" an der Columbia University. Er forderte in einem Tweet dazu auf, eine Online-Petition für ein strengeres Waffengesetz zu unterzeichnen: "Let's all sign the petition for gun control. We need to try every approach. Our voices can prevail", schrieb er. Bisher sind erst knapp 150.000 Unterschriften (Stand: 17.12.2012) zusammengekommen.    

Zwischen den zynischen Sprüchen liest man heraus, wie unzufrieden viele und besonders junge US-Amerikaner mit den Waffengesetzen sind und wie hilflos sich viele Menschen dort und auf der ganzen Welt fühlen. "Please Obama, grow some balls in your second term and say something, anything about gun control", twitterte der User @DavidYazbek. Wie er bauen viele darauf, dass Obama in seiner zweiten und letzten Amtszeit endlich den Kampf mit der Waffen-Lobby aufnimmt. Denn: Für die 10.000 Menschen, die jedes Jahr in den USA durch Schusswaffengewalt sterben, reichen keine Tränen.


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ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.12.2012 - 20:11 Uhr
ThomasCrown

schön und gut. das sind aber mit sicherheit fast ausschließlich menschen, die auch vorher schon nicht der nra zuzuordnen waren. wer nur twitter als quelle nutzt, ohne zu bedenken, dass das - auch in den usa - eher ein phänomen der urbanen, jüngeren, gebildeteren schichten, kommt eben leicht zu einem verzerrten bild.

DasUntier
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Mag ich Mag ich nicht

-2

17.12.2012 - 20:35 Uhr
DasUntier

ich bin gegen waffengesetze, man muss wehrhaft bleiben, kein gesetz hat geplante massaker verhindert

durch autounfälle werden in dt. hunderte menschen jährlich getötet und keiner kommt auf die idee, autos zu verbieten

131111
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.12.2012 - 20:42 Uhr
131111

DasUntier sagte:
durch autounfälle werden in dt. hunderte menschen jährlich getötet und keiner kommt auf die idee, autos zu verbieten



Bitte erklären Sie mir den Zusammenhang zwischen Autounfall und Amoklauf oder erläutern Sie mir den Unterschied, junger Mann.

Sinnestau
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Mag ich Mag ich nicht

-1

17.12.2012 - 20:50 Uhr
Sinnestau

DasUntier sagte:
ich bin gegen waffengesetze, man muss wehrhaft bleiben, kein gesetz hat geplante massaker verhindert

durch autounfälle werden in dt. hunderte menschen jährlich getötet und keiner kommt auf die idee, autos zu verbieten



????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????
Name ist bei dir Programm, nheme ich an. Hauptsach was dazu gesagt.
1. Intelligente Menschen wehren sich mit Worten und Fakten - nicht mit Kugeln.
2. Warum hätte sich der Amokläufer gegen GRUNDSCHULKINDER wehren sollen????

DasUntier
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.12.2012 - 20:50 Uhr
DasUntier

131111 sagte:
DasUntier sagte:
durch autounfälle werden in dt. hunderte menschen jährlich getötet und keiner kommt auf die idee, autos zu verbieten



Bitte erklären Sie mir den Zusammenhang zwischen Autounfall und Amoklauf oder erläutern Sie mir den Unterschied, junger Mann.


ich bin Ihnen keine erklärung schuldig,
abgesehen davon, verkehren wir in verschiedenen denkwelten
sie sind gegen das, wofür bin ich und umgekehrt

Sinnestau
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.12.2012 - 21:02 Uhr
Sinnestau

[sie sind gegen das, wofür bin ich und umgekehrt


Lassen wir seine Worte einfach für sich sprechen. ....

Wilberforce
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Mag ich Mag ich nicht

3

17.12.2012 - 23:18 Uhr
Wilberforce

Das Problem ist meiner Meinung nach, daß in Amerika viele Leute (und auch teilweise zu Recht) kein Vertrauen in die simpelsten Nachtwächter-Funktionen ihres Staates haben: Polizei und allgemeine Rechtspflege.

Das ist sonst ein typisches Charakteristikum von korrupten Drittwelt-Diktaturen, und deswegen haben die Amis Mordraten, die in Richtung dritte Welt gehen. Deswegen bewaffnen sich Bürger, es gibt Milizen, und eine allgemein militarisierte Zivilwelt. Die Kanone hängt nicht als Werkzeug im Waffenschrank, sondern als Waffe an der Garderobe. Und dann zieht halt soundsooft ein zorniger junger Mann damit los, um sich an der Welt zu rächen, in der er nicht klarkommt.

In der Schweiz, in Kanada, in Skandinavien (?) haben genausoviele Menschen Schußwaffen (auch wenn viele Amis dann gleich fünf haben statt einer). Dort ist aber friedlich. Genauso in New York (die seit 20 Jahren, mit z.T. fragwürdigen Methoden, den Menschen klarmachen, daß die Polizei da ist und kommt), wo die Taten mit Waffeneinsatz in Richtung europäischer Verhältnisse gehen. Und im Gegensatz zu z.B. Washington DC, wo man das nicht macht, und pro Kopf zehnmal soviel passiert.

Paradox_of_Choice
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.12.2012 - 23:49 Uhr
Paradox_of_Choice

DasUntier sagte:
ich bin gegen waffengesetze, man muss wehrhaft bleiben, kein gesetz hat geplante massaker verhindert

durch autounfälle werden in dt. hunderte menschen jährlich getötet und keiner kommt auf die idee, autos zu verbieten

Wenn niemand anderes Waffen besäße, hättest also auch Du keinen Grund welche haben zu wollen.
Wer könnte schon sagen, wie viele Massaker wir hier gehabt hätten, hätten wir vergleichbare Waffengesetze?

Im Gegensatz zu Waffen werden Autos nicht dafür gebaut, Menschen und Tiere zu verletzen und/oder zu töten. Und es wird kontinuierlich daran gearbeitet, dass weniger Menschen auf diese weise sterben. - Außerdem sind wohl die allerwenigsten Verkehrsopfer von jemandem mit Absicht über den Haufen gefahren worden.

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

-2

18.12.2012 - 00:04 Uhr
JoergAuch

Na ja, so ganz von der Hand weisen kann man die Argumente nicht, dass es weitaus gefährliche Dinge als Schusswaffen gibt. Zum Beispiel haben Levitt & Dubner in ihrem unglaublich lesenswerten Buch "Freakonomics" dargestellt, dass wir uns oft vor den falschen Dingen fürchten: In den USA ertrinken z. B. jedes Jahr etwa 550 Kinder unter 10 Jahren in privaten Swimming Pools. Bei insgesamt 6 000 000 Pools ist ein Kind auf 11 000 Pools. Im gleichen Zeitraum kommen ungefähr 175 Kinder unter 10 Jahren durch Schusswaffen um. Das ist knapp ein Kind pro 1 000 000 Waffen, wenn man von 200 000 000 Waffen ausgeht. Es wäre also wesentlich sinnvoller Swimming Pools zu verbieten als Waffen. Allerdings sind die Fälle mit den Waffen wesentlich spektakulärer und werden in den Medien aufgeblasen während man von ertrunkenen Kindern praktisch nie etwas hört. Im gleichen Kapitel geht es auch noch um die BSE-Hysterie und ein paar andere Hypes.

Ich will damit jetzt nicht die Waffenlobby verteidigen, aber es lohnt sich trotzdem, mal über die Einschätzung von Gefahren nachzudenken.

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Mag ich Mag ich nicht

-2

18.12.2012 - 00:06 Uhr
JoergAuch

... ach so vergessen: Und selbst, wenn man 99 % der Waffen sofort einsammeln würde: Diejenigen, die mit ihren Waffen wirklich etwas vorhaben, werden schon die eine oder andere gut verstecken. Und für den erschossenen Schüler ist es letztlich egal, ob die Kugeln aus einer legalen oder illegalen Waffen kamen.

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