14.12.2012 - 18:30 Uhr

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Kleben gegen Rechts

Text: christian-helten - Bild: AHH

Sticker sind ein beliebtes Mittel, wenn es darum geht, Präsenz gegen rechtes Gedankengut zu zeigen. Eine Online-Druckerei hat deshalb den Wettbewerb "Sticker gegen Rechts" ins Leben gerufen. Gewonnen hat dieses Jahr überraschenderweise ein Motiv, das sich gegen eine türkische Bewegung richtet.

Ein Hakenkreuz wird in einen Mülleimer geworfen oder von einer Faust zerschlagen – diese Motive sind die gängigsten, wenn jemand dem Rechtsextremismus mit einer optischen Botschaft entgegentreten will, sie hängen als Aufkleber tausendfach an Straßenschildern, Häuserwänden, Schultaschen und an Türen von Clubtoiletten. Diese Motive sind Klassiker, ihre Aussage ist eindeutig. Trotzdem, ein bisschen Abwechslung kann nicht schaden.  

Diese Woche ist ein Wettbewerb zu Ende gegangen, der für solche Abwechslung sorgt: „Sticker gegen Rechts“ heißt er, zum vierten Mal hat INnUP, eine Onlinedruckerei aus Bremen, ihn ausgerichtet. Jeder kann einen Designvorschlag hochladen, auf der Internetseite wird abgestimmt und so ein Gewinner ermittelt. Der bekommt 2000 Aufkleber kostenlos zugeschickt, Platz zwei und drei und die anderen Teilnehmer eine kleinere Anzahl. Der Wettbewerb ist ein Marketinginstrument für das Unternehmen, er schafft Aufmerksamkeit und bringt Traffic auf die Internetseite. Das gibt Firmengründer und Geschäftsführer Philipp Bock ganz offen zu. Aber, sagt er, er und sein Partner kämen „aus einer linken Vergangenheit“, und man habe man sich neben anderen Wettbewerben auch „einen politischen Strang ausgedacht“.  

Sticker sind ein beliebtes Kommunikationsinstrument, ob für Marken, Bands, Clubs, Parteien oder Protestierende. Sie sind handlicher als Plakate, lassen sich einfacher verteilen, verschicken und anbringen. Sie sind nicht so leicht abzureißen, landen nicht wie Flyer im Mülleimer.  

Bei „Sticker gegen rechts“ wurden dieses Jahr etwa 150 Vorschläge eingereicht, mindestens doppelt so viele wie 2011, sagt Philipp Bock. Ein Motiv zeigt einen Handschlag zwischen einer weißen und einer schwarzen Hand, „Strong Together“ steht darunter. Auf einem anderen fliegt ein Superman mit durchgestrichenem Hakenkreuz in den Kampf gegen den Faschismus. Es gibt ernste Motive, wütende, und humorvolle mit Augenzwinkern – in den vergangenen Jahren schafften es vor allem letztere auf die vorderen Ränge.  

Dieses Jahr aber hat ein Stickermotiv das Rennen gemacht, das auf den ersten Blick sehr kryptisch wirkt: Drei schwarze Mondsicheln in einem roten Kreis sind zu sehen, sie werden von einer roten Faust zertrümmert, wie man sie aus den klassischen Motiven gegen Nazis kennt. Drüber steht: Faşizme geçit yok!



Die Parole ist türkisch und bedeutet so viel wie „Kein Fußbreit dem Faschismus", die Monde sind das Symbol der türkischen Partei Milliyetçi Hareket Partisi (deutsch: Partei der nationalistischen Bewegung). Ihre Anhänger sind auch bekannt als „Graue Wölfe“, sie gelten als rechtsextrem und werden in mehreren Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet. Ihre Ideologie ist nationalistisch, in einer Broschüre des Innenministeriums mit dem Titel „Wer sind die Grauen Wölfe?“ (hier als PDF) ist von einem übersteigerten Nationalbewusstsein die Rede, „das die türkische Nation sowohl politisch-territorial als auch ethnisch-kulturell als höchsten Wert ansieht. Andere Nationen und ihre Angehörigen, deren Rechte und Interessen mit den türkischen tatsächlich oder vermeintlich in Konflikt stehen, werden propagandistisch herabgesetzt und verunglimpft.“ Der Politologe Kemal Bozay schreibt, dass der Einfluss der Grauen Wölfe in Deutschland seit den Neunzigern anwachse, von den Behörden aber immer noch verharmlost werde. Vor allem unter Jugendlichen haben die Wölfe dem Wissenschaftler zufolge eine wichtige Basis aufbauen können. 

„Die Grauen Wölfe sind immer wieder aktiv, wenn es Konflikte in der Türkei gibt, zum Beispiel mit Kurdistan, und deswegen auch bei uns große Demos stattfinden“, sagt Ingo Mertens von der Antifaschistischen Aktion Hannover (AAH), die den Gewinner-Entwurf eingereicht hat. „Auch wenn viele Weiße das nicht mitbekommen – wir wissen aus Gesprächen mit türkischen und kurdischen Linken, dass die Grauen Wölfe durchaus präsent sind.“ Der 28-Jährige berichtet von eingeschlagenen Scheiben eines linken türkischen Vereins in Hannover, die wahrscheinlich Anhängern der Wölfe zuzurechnen sind. Mit dem Aufkleber habe die AAH Aufmerksamkeit für diese weniger bekannte Form des Faschismus schaffen wollen. In dem Erklärungstext zum Aufkleber heißt es, er solle zeigen „dass wir nicht nur gegen NPD, Freie Kameradschaften usw. sind, sondern auch etwas gegen türkische Faschist_innen haben.“  

Die AAH hat den Sticker in einer kleinen Auflage schon selbst produziert. „Die waren im Nu weg, es gab auch Interesse aus anderen Städten“, erzählt Ingo Mertens. Deshalb habe man es bei „Sticker gegen Rechts“ eingereicht. „Dass wir da gewonnen haben, zeigt, dass es Interesse gibt und eine Sensibilität für das Thema da ist.“  

Philipp Bock von INnUp hingegen war ziemlich überrascht, dass ausgerechnet ein Sticker, der sich mit einem, sagen wir: Randaspekt des Rechtsextremismus in Deutschland befasst, die Abstimmung gewonnen hat.  Er hatte eher mit einem Sieg des Superman-Motivs gerechnet.


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8 Kommentare
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francinefrancoise
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Mag ich Mag ich nicht

4

14.12.2012 - 20:48 Uhr
francinefrancoise

ach, ich dachte, es gäbe nur deutsche nazis. tyyyyyypisch.

scherz beiseite.

des weiteren: man muss nicht "links" sein, um gegen extrem rechts zu sein. vernunft reicht.

alces
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Mag ich Mag ich nicht

-1

15.12.2012 - 09:18 Uhr
alces

Leute, Leute. Es muß "...türkische Faschist*innen." heißen. Der Gender gap ist nicht mehr gut genug, da sich inter-, trans- und asexuelle türkische Faschismus-Anhänger*innen jetzt ausgegrenzt fühlen könnten. Am Ende glauben die noch, diese AAHahahaha sie nur deshalb nicht gegen sie, weil sie ganz unwahrscheinliche Freaks sind. Und das kann doch keiner wollen.

Henriettesbimmelbahn
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Mag ich Mag ich nicht

-2

15.12.2012 - 09:49 Uhr
Henriettesbimmelbahn

alces sagte:
Leute, Leute. Es muß "...türkische Faschist*innen." heißen. Der Gender gap ist nicht mehr gut genug, da sich inter-, trans- und asexuelle türkische Faschismus-Anhänger*innen jetzt ausgegrenzt fühlen könnten. Am Ende glauben die noch, diese AAHahahaha sie nur deshalb nicht gegen sie, weil sie ganz unwahrscheinliche Freaks sind. Und das kann doch keiner wollen.

boah, wie lustig, ein weißer Banker fühlt sich diskriminiert...

Makvirag
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.12.2012 - 11:19 Uhr
Makvirag

Ich dachte mir, die Anatolier sind weiss...
In der Türkei gibts es wesentlich weniger Afro-Türken, als in Deutschland Afro-Deutschen.

strikingback
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.12.2012 - 11:22 Uhr
strikingback

ich erinnere mich an eine debatte, in der die faust, die ein hakenkreuz zerschlägt, als zu gewalttätig empfunden wurde. damals wurde diese dann nurch einen pfeil, über dem NEIN stand, ersetzt...

oriental_pussy
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.12.2012 - 16:57 Uhr
oriental_pussy

Tja, was man doch alles entdeckt, wenn man über den eigenen Tellerrand hinweg blickt....

alces
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.12.2012 - 22:19 Uhr
alces

Henriettesbimmelbahn sagte:
alces sagte:
Leute, Leute. Es muß "...türkische Faschist*innen." heißen. Der Gender gap ist nicht mehr gut genug, da sich inter-, trans- und asexuelle türkische Faschismus-Anhänger*innen jetzt ausgegrenzt fühlen könnten. Am Ende glauben die noch, diese AAHahahaha sie nur deshalb nicht gegen sie, weil sie ganz unwahrscheinliche Freaks sind. Und das kann doch keiner wollen.

boah, wie lustig, ein weißer Banker fühlt sich diskriminiert...


Ich fühle mich nicht diskriminiert. Ich bin, wie Du arme Wurst immer wieder reflexartig und unreflektiert betonst, weiß, gebildet, obere 10% (gaaaanz knapp) nach Einkommen. Mich kann man gar nicht diskriminieren, mich kann man bestenfalls kurz verarschen. Aber selbst ich merke, was für ein irrsinnig herablassender Hohlkörper "Ingo Mertens" ist, und deshalb mache ich mich über ihn lustig.

„Auch wenn viele Weiße das nicht mitbekommen – wir wissen aus Gesprächen mit türkischen und kurdischen Linken, dass die Grauen Wölfe durchaus präsent sind.“

Dieser Satz alleine sollte doch reichen. Türken sind erstmal keine Weißen, da können sich etliche unter ihnen noch so als Europäer sehen. Die AAH erspart ihnen die neue "white man's burden" durch eine verschrobene Definition des Begriffs "Weiß".
Türkische und Kurdische Linke können übrigens auch nicht direkt kommunizieren, das muß schon durch "Gespräche" mit der AAH geparsed werden. Ebensowenig können sie selbst sowas wie einen Sticker machen, da hilft die AAH aber gerne.
Ebenso wenig will man sich damit auseinandersetzen, daß ein an "unseren", "deutschen" Maßstäben bedenklicher Nationalismus mit-definierendes Merkmal aller drei großen Parteien der Türkei ist. Jeweils anders betont, aber da.

Henriettesbimmelbahn
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Mag ich Mag ich nicht

-1

24.12.2012 - 15:52 Uhr
Henriettesbimmelbahn

alces sagte:


Ich fühle mich nicht diskriminiert. Ich bin, wie Du arme Wurst immer wieder reflexartig und unreflektiert betonst, weiß, gebildet, obere 10% (gaaaanz knapp) nach Einkommen. Mich kann man gar nicht diskriminieren, mich kann man bestenfalls kurz verarschen. Aber selbst ich merke, was für ein irrsinnig herablassender Hohlkörper "Ingo Mertens" ist, und deshalb mache ich mich über ihn lustig.

„Auch wenn viele Weiße das nicht mitbekommen – wir wissen aus Gesprächen mit türkischen und kurdischen Linken, dass die Grauen Wölfe durchaus präsent sind.“

Dieser Satz alleine sollte doch reichen. Türken sind erstmal keine Weißen, da können sich etliche unter ihnen noch so als Europäer sehen. Die AAH erspart ihnen die neue "white man's burden" durch eine verschrobene Definition des Begriffs "Weiß".
Türkische und Kurdische Linke können übrigens auch nicht direkt kommunizieren, das muß schon durch "Gespräche" mit der AAH geparsed werden. Ebensowenig können sie selbst sowas wie einen Sticker machen, da hilft die AAH aber gerne.
Ebenso wenig will man sich damit auseinandersetzen, daß ein an "unseren", "deutschen" Maßstäben bedenklicher Nationalismus mit-definierendes Merkmal aller drei großen Parteien der Türkei ist. Jeweils anders betont, aber da.


aha, und was hat das jetzt mit dem Gender-Gap zu tun? Du heulst hier jedes mal rum, wenn es um solche Themen geht, und wenn man Dich darauf anspricht, dann wirst Du ausfallend, wie ein Teenager, dem man die Pornos weggenommen hat. Aber gut, wenn Leute, die keinen Meter weit denken koennen, es trotzem versuchen, sollte man wahrscheinlich nicht zu viel erwarten ^^

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