Das Glas, das schlauer ist als du
Man schmeckt und riecht sie nicht, und sie hauen einen um: K.O.-Tropfen in Drinks werden oft verwendet, um Vergewaltigungsopfer wehrlos zu machen. Mike Abramson wurde Opfer einer K.O.-Tropfen-Attacke. Daraufhin entwickelte er ein Frühwarnsystem: Gläser, Becher und Strohhalme, die sich verfärben, wenn das Getränk die gefährlichen Zusatzstoffe enthält.
Vor knapp drei Jahren bestellte Mike Abramson auf einer Geburtstagsparty eines Freundes in einer Bar in Boston einen Drink, der es in sich hatte. Er war versetzt mit einer sogenannten K.O.-Droge. Die Wirkung setzte extrem schnell ein, nach wenigen Schlucken fühlte er sich, als hätte er bereits 15 hochprozentige Drinks zu sich genommen und fiel in einen unschönen Rausch, aus dem er erst am nächsten Morgen erwachte. Mike war beunruhigt. Denn er konnte sich kaum mehr an den letzten Abend und seinen Verlauf erinnern.Das Problem an K.O.-Tropfen und seinen Ablegern ist zum einen die heftige Wirkung, die bei einer Überdosis schon zu Todesfällen führte. Zum anderen, dass man den Mitteln quasi schutzlos ausgeliefert ist. Flunitrazepam in Pillenform – besser bekannt als Roofies – und die leicht herstellbare Gamma-Hydroxybuttersäure – kurz GHB – haben nämlich eines gemeinsam: man kann sie weder schmecken oder riechen noch mit dem bloßem Auge im Getränk feststellen. Jährlich werden in Deutschland hunderte Personen damit gefügig gemacht und nicht selten vergewaltigt. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht, da diese Mittel bereits nach wenigen Stunden im Körper nicht mehr nachweisbar sind und man oftmals die Einnahme nur noch vermuten kann.
Auch Mike hatte keine Chance zu erkennen, was er da trank. Der Abend war für ihn ein einschneidendes Erlebnis und ließ ihn lange Zeit nicht los. Als er nach einigen Monaten von drei weiteren Freunden hörte, die ebenfalls einer K.O.-Droge zum Opfer gefallen waren, beschloss er zusammen mit Dr. John MacDonald, einem Professor für Chemie am Worcester Polytechnic Institute, ein Stoffgemisch zu entwickeln, das sich beim Kontakt mit Inhaltstoffen von Roofies oder GHB rot färbt und direkt in Materialien für Gläser, Becher und Strohhalme eingearbeitet werden kann. Die Gefäße oder Strohalme verfärben sich – ein eindeutiges Warnsignal. Die beiden gründeten das Startup DrinkSavvy, das inzwischen erste Erfolge mit einsatzfähigen Prototypen hat.

Anders als Unternehmen wie Drink Safe Technologies, die sich „nur“ darauf verstehen, Papierstreifen zu produzieren, mit denen man Drogen im Drink nachweisen kann, ist es den beiden Machern ein großes Bedürfnis, dass bereits das Gefäß mit dem vermeintlichen Drogen-Cocktail darin Alarm schlägt. Denn gut gemeinte Ratschläge werden zu oft bei Seite geschoben – kaum einer hat solche Detektor-Streifen bei sich, wenn er abends einen Club besucht. Dazu sagt Mike Abramson: „Wir alle wissen ganz genau, dass wir unsere Drinks nicht unbeobachtet lassen sollen. Aber in der Realität ist es so gut wie unmöglich den ganzen Abend ein Auge darauf zu haben”. Ein höchstmögliches Maß an Prävention können seiner Meinung nach nur Gefäße bieten, die eigenständig das Getränk auf illegale Substanzen darin prüfen.
Um das Projekt markttauglich zu machen, haben die Entwickler sich nun entschlossen, auf der Crowdfunding-Plattform www.indiegogo.com um Spenden zu bitten. Bereits mehr als 26.000 Dollar haben Abramson und MacDonald so bis jetzt eingenommen. Schaut man sich die Resonanz im Web an, scheint das gesetzte Ziel von 50.000 Dollar erreichbar. Ein großer Indikator dafür ist Reddit, ein US-amerikanischer Social-News-Aggregator, auf dem registrierte Benutzer Inhalte in Links oder Texten präsentieren können. Beiträge mit besonders positiven Bewertungen werden vom Reddit-Algorithmus auf der Startseite positioniert. Der Link zu DrinkSavvy schaffte es bisweilen auf Platz 2 der „Whats-hot“-Kategorie und bewies damit, wie ernst es vielen doch mit dieser Angelegenheit ist. Über 1.200 Kommentare wurden gezählt. Die meisten davon enthielten die einfachen Worte: „Thank you“.
Das beflügelte Mike und seinen Partner, und so lautet ihr erklärtes Ziel, die Produkte kostenlos an Krisenzentren zu verteilen sowie Bars, Clubs und Colleges zu überzeugen, DrinkSavvy zum neuen Standard für Sicherheit an deren Theken zu machen. Wenn alles gut geht, werden die Gläser, Becher und Strohhalme im Juni 2013 erhältlich sein. Hoffentlich auch auf dem deutschen Markt.
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Flusenteppich sagte:
Mondkuppel sagte:
Benutzt ihr dann auch keine Sicherheitsgurte, weil es statistisch unwahrscheinlich ist, dass ihr einen Unfall haben werdet?
Der Professor schein aber nicht mehr am WPI zu arbeiten.
Das Patent dazu:
http://www.google.de/patents?vid=USPATAP...
Bin schon backer und ich hoffe hier machen auch noch ein paar Leute mit, damit das Ziel erreicht wird.
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14.12.2012 - 15:06 Uhr
mia_mia
Die Studie ist nicht ernst zunehmen, da die meisten Opfer erst am Nächsten Tag in der Notaufnahme waren bzw. Stunden zu spät, umd GHB nachzuweisen.
Weiter gehts es hier nicht wie im Artikel geschrieben wurde um GHB, was dem Betäubungsmittel unterliegt und damit ziemlich schwierig zu beschaffen ist, sondern GBL (γ-Butyrolacton), welches man literweise im Internet als Reiniger bestellen kann. Einzeldosen bewegen sich um die 0,5 bis 3 mg, bei Toleranz auch mehr.
Wiki:
Und JA, GBL schmeckt man. Aber in einem Drink ist es dann nur für diejenigen bemerkbar, die es öfter konsumieren.
Ich möchte damit nicht sagen, dass alle "Da hat mit jemand etwas in den Drink getan" nie Ausrede für versoffene Nächte ist, trotzdem dürfte die Opferzahl höher sein als von der erwähnten Studie impilziert.
Die Strohalmsache: Super Idee.