13.12.2012 - 18:30 Uhr

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Das Glas, das schlauer ist als du

Text: andreas-weck - Foto: Drinksavvy

Man schmeckt und riecht sie nicht, und sie hauen einen um: K.O.-Tropfen in Drinks werden oft verwendet, um Vergewaltigungsopfer wehrlos zu machen. Mike Abramson wurde Opfer einer K.O.-Tropfen-Attacke. Daraufhin entwickelte er ein Frühwarnsystem: Gläser, Becher und Strohhalme, die sich verfärben, wenn das Getränk die gefährlichen Zusatzstoffe enthält.

Vor knapp drei Jahren bestellte Mike Abramson auf einer Geburtstagsparty eines Freundes in einer Bar in Boston einen Drink, der es in sich hatte. Er war versetzt mit einer sogenannten K.O.-Droge. Die Wirkung setzte extrem schnell ein, nach wenigen Schlucken fühlte er sich, als hätte er bereits 15 hochprozentige Drinks  zu sich genommen und fiel in einen unschönen Rausch, aus dem er erst am nächsten Morgen erwachte. Mike war beunruhigt. Denn er konnte sich kaum mehr an den letzten Abend und seinen Verlauf erinnern.

Das Problem an K.O.-Tropfen und seinen Ablegern ist zum einen die heftige Wirkung, die bei einer Überdosis schon zu Todesfällen führte. Zum anderen, dass man den Mitteln quasi schutzlos ausgeliefert ist. Flunitrazepam in Pillenform – besser bekannt als Roofies – und die leicht herstellbare Gamma-Hydroxybuttersäure – kurz GHB – haben nämlich eines gemeinsam: man kann sie weder schmecken oder riechen noch mit dem bloßem Auge im Getränk feststellen. Jährlich werden in Deutschland hunderte Personen damit gefügig gemacht und nicht selten vergewaltigt. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht, da diese Mittel bereits nach wenigen Stunden im Körper nicht mehr nachweisbar sind und man oftmals die Einnahme nur noch vermuten kann.  

Auch Mike hatte keine Chance zu erkennen, was er da trank. Der Abend war für ihn ein einschneidendes Erlebnis und ließ ihn lange Zeit nicht los. Als er nach einigen Monaten von drei weiteren Freunden hörte, die ebenfalls einer K.O.-Droge zum Opfer gefallen waren, beschloss er zusammen mit Dr. John MacDonald, einem Professor für Chemie am Worcester Polytechnic Institute, ein Stoffgemisch zu entwickeln, das sich beim Kontakt mit Inhaltstoffen von Roofies oder GHB rot färbt und direkt in Materialien für Gläser, Becher und Strohhalme eingearbeitet werden kann. Die Gefäße oder Strohalme verfärben sich – ein eindeutiges Warnsignal. Die beiden gründeten das Startup DrinkSavvy, das inzwischen erste Erfolge mit einsatzfähigen Prototypen hat.

Durchsichtig? Prost! Rote Streifen? Weg damit!

Anders als Unternehmen wie Drink Safe Technologies, die sich „nur“ darauf verstehen, Papierstreifen zu produzieren, mit denen man Drogen im Drink nachweisen kann, ist es den beiden Machern ein großes Bedürfnis, dass bereits das Gefäß mit dem vermeintlichen Drogen-Cocktail darin Alarm schlägt. Denn gut gemeinte Ratschläge werden zu oft bei Seite geschoben – kaum einer hat solche Detektor-Streifen bei sich, wenn er abends einen Club besucht. Dazu sagt Mike Abramson: Wir alle wissen ganz genau, dass wir unsere Drinks nicht unbeobachtet lassen sollen. Aber in der Realität ist es so gut wie unmöglich den ganzen Abend ein Auge darauf zu haben”. Ein höchstmögliches Maß an Prävention können seiner Meinung nach nur Gefäße bieten, die eigenständig das Getränk auf illegale Substanzen darin prüfen.

Um das Projekt markttauglich zu machen, haben die Entwickler sich nun entschlossen, auf der Crowdfunding-Plattform www.indiegogo.com um Spenden zu bitten. Bereits mehr als 26.000 Dollar haben Abramson und MacDonald so bis jetzt eingenommen. Schaut man sich die Resonanz im Web an, scheint das gesetzte Ziel von 50.000 Dollar erreichbar. Ein großer Indikator dafür ist Reddit, ein US-amerikanischer Social-News-Aggregator, auf dem registrierte Benutzer Inhalte in Links oder Texten präsentieren können. Beiträge mit besonders positiven Bewertungen werden vom Reddit-Algorithmus auf der Startseite positioniert. Der Link zu DrinkSavvy schaffte es bisweilen auf Platz 2 der „Whats-hot“-Kategorie und bewies damit, wie ernst es vielen doch mit dieser Angelegenheit ist. Über 1.200 Kommentare wurden gezählt. Die meisten davon enthielten die einfachen Worte: „Thank you“.

Das beflügelte Mike und seinen Partner, und so lautet ihr erklärtes Ziel, die Produkte kostenlos an Krisenzentren zu verteilen sowie Bars, Clubs und Colleges zu überzeugen, DrinkSavvy zum neuen Standard für Sicherheit an deren Theken zu machen. Wenn alles gut geht, werden die Gläser, Becher und Strohhalme im Juni 2013 erhältlich sein. Hoffentlich auch auf dem deutschen Markt.


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soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

-1

13.12.2012 - 19:36 Uhr
soylentyellow

Interessant wäre es ja etwas zur Funktionsweise zu erfahren? Funktionieren die Gläser auch noch wenn man sie hunderte Male in der Spülmaschine spült?

Frage mich ernsthaft wie das funktionieren soll, die Papierstreifen kann man ja sicherlich auch nicht wiederverwenden. Ob man die Papierstreifen auch essen kann? Genauso muss man sich fragen ob man den (nichtabwaschbaren?) Indikatorstoff trinken kann?

---

Wobei die Mehrheit die unangenehmen Erfahrungen der geschilderten Art sicherlich eher mit Freunden / Bekannten i.V.m. zu viel Alkohol machen wird als mit völlig Fremden die einem Drogen in den Drink kippen.

schwindlicht
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Mag ich Mag ich nicht

3

14.12.2012 - 00:10 Uhr
schwindlicht

die überschrift ist schon dumm, verhöhnt opfer.

Dieter_Wondrazil
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Mag ich Mag ich nicht

-5

14.12.2012 - 09:36 Uhr
Dieter_Wondrazil

So ein Schmarrn. Ich würde vermuten, dass die Jungs ganz einfach in die falschen Kneipen gehen. In meinen ist das undenkbar. Aber im "Motherland" von allem geht das schon.
Un weil einer von 1000000 Drinks mit XY versetzt ist, muss ich nun aus einem Chemieglas schlürfen?
Was für ein Schmarrn.

Shaanea
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Mag ich Mag ich nicht

3

14.12.2012 - 09:51 Uhr
Shaanea

Bei den Kommentaren wundert mich gar nichts mehr...

Die Entwickler werden durchaus daran gedacht haben, dass der Stoff, der das Ganze rot färbt unbedenklich ist. Mir jedenfalls ist es lieber, Sicherheit zu haben als dass ein derartiger Stoff im Glas ist... Und nein, das wird nicht nur in ALkoholisches verpackt. Eine Freundin hatte das im Fruchtsaft - sie war an dem Abend Fahrerin und trank nichts mit Alkohol, war aber eindeutig wie betrunken. Blutanalyse, Treffer. Das war keine schummerige Kneipe oder Hinterhofdisco, sondern ein ganz beliebtes hübscher Café/Bar, welches auch bis in die Nacht offen hat.

Die Überschrift ist etwas merkwürdig, wobei da man den Stoff eben nicht schmeckt und sieht - naja...

herrjemine
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.12.2012 - 11:26 Uhr
herrjemine

Interessantes Konzept, aber bisher sind wohl nur Einwegbehälter geplant: "disposable straws and cups" (indiegogo.com). Also für Discos eher ungeeignet, aber auch nicht wirklich verwunderlich, wenn man an die Waschtemperature, sauren Getränke und mechanischen Belastungen beim Spülen denkt.

Flusenteppich
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Mag ich Mag ich nicht

-1

14.12.2012 - 11:51 Uhr
Flusenteppich

K.O.-Tropfen dürften doch höchstens ein Randproblem sein, da lohnen sich die Gläser eh nicht.

Zitat Wikipedia:
In einer 2009 vom British Journal of Criminology veröffentlichten Studie wurde der weitverbreitete Gebrauch von K.-o.-Tropfen als moderne Sage bezeichnet. Der Studie zufolge habe die Polizei keine Hinweise, dass K.-o.-Tropfen regelmäßig bei Vergewaltigungen eingesetzt werden. In den meisten Fällen sei die Ursache stattdessen exzessiver Alkoholkonsum. Im Jahr 2008 wurde in einer australischen Studie festgestellt, dass keiner der 97 Patienten, die in einem Zeitraum von 19 Monaten in einem Krankenhaus in Perth wegen vermeintlichen Konsums von K.-o.-Tropfen behandelt worden waren, diesen tatsächlich ausgesetzt war.

Mondkuppel
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Mag ich Mag ich nicht

-1

14.12.2012 - 12:32 Uhr
Mondkuppel

Flusenteppich sagte:
K.O.-Tropfen dürften doch höchstens ein Randproblem sein, da lohnen sich die Gläser eh nicht.

Zitat Wikipedia:
In einer 2009 vom British Journal of Criminology veröffentlichten Studie wurde der weitverbreitete Gebrauch von K.-o.-Tropfen als moderne Sage bezeichnet. Der Studie zufolge habe die Polizei keine Hinweise, dass K.-o.-Tropfen regelmäßig bei Vergewaltigungen eingesetzt werden. In den meisten Fällen sei die Ursache stattdessen exzessiver Alkoholkonsum. Im Jahr 2008 wurde in einer australischen Studie festgestellt, dass keiner der 97 Patienten, die in einem Zeitraum von 19 Monaten in einem Krankenhaus in Perth wegen vermeintlichen Konsums von K.-o.-Tropfen behandelt worden waren, diesen tatsächlich ausgesetzt war.

Flusenteppich sagte:
K.O.-Tropfen dürften doch höchstens ein Randproblem sein, da lohnen sich die Gläser eh nicht.

Zitat Wikipedia:
In einer 2009 vom British Journal of Criminology veröffentlichten Studie wurde der weitverbreitete Gebrauch von K.-o.-Tropfen als moderne Sage bezeichnet. Der Studie zufolge habe die Polizei keine Hinweise, dass K.-o.-Tropfen regelmäßig bei Vergewaltigungen eingesetzt werden. In den meisten Fällen sei die Ursache stattdessen exzessiver Alkoholkonsum. Im Jahr 2008 wurde in einer australischen Studie festgestellt, dass keiner der 97 Patienten, die in einem Zeitraum von 19 Monaten in einem Krankenhaus in Perth wegen vermeintlichen Konsums von K.-o.-Tropfen behandelt worden waren, diesen tatsächlich ausgesetzt war.

So sieht's aus. Dass man z.B. GHB nicht schmecke, ist auch völliger Unsinn. Wenn man das nicht mehr schmeckt, ist man schon extrem betrunken. Aber eine gute Ausrede für den Vollrausch sind K.O.-Tropfen natürlich, außerdem ist diese Urban Legend für Geschäftemacher wie den im Artikel beschriebenen super.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

1

14.12.2012 - 13:13 Uhr
Digital_Data

Sehr clever. Mit dem Strohhalm hat man eine Dauerüberwachung.

Digital_Data

the-wrong-girl
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Mag ich Mag ich nicht

3

14.12.2012 - 15:04 Uhr
the-wrong-girl

ja bei der überschrift dachte ich auch, es ist ein glas, was sich einfach nicht mehr füllen lässt. wenn man zu viel hatte. könnte ich ab udn zu gebrauchen.

mia_mia
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.12.2012 - 15:04 Uhr
mia_mia

Mondkuppel sagte:
Flusenteppich sagte:
K.O.-Tropfen dürften doch höchstens ein Randproblem sein, da lohnen sich die Gläser eh nicht.

Zitat Wikipedia:
In einer 2009 vom British Journal of Criminology veröffentlichten Studie wurde der weitverbreitete Gebrauch von K.-o.-Tropfen als moderne Sage bezeichnet. Der Studie zufolge habe die Polizei keine Hinweise, dass K.-o.-Tropfen regelmäßig bei Vergewaltigungen eingesetzt werden. In den meisten Fällen sei die Ursache stattdessen exzessiver Alkoholkonsum. Im Jahr 2008 wurde in einer australischen Studie festgestellt, dass keiner der 97 Patienten, die in einem Zeitraum von 19 Monaten in einem Krankenhaus in Perth wegen vermeintlichen Konsums von K.-o.-Tropfen behandelt worden waren, diesen tatsächlich ausgesetzt war.


Mondkuppel sagte:
So sieht's aus. Dass man z.B. GHB nicht schmecke, ist auch völliger Unsinn. Wenn man das nicht mehr schmeckt, ist man schon extrem betrunken. Aber eine gute Ausrede für den Vollrausch sind K.O.-Tropfen natürlich, außerdem ist diese Urban Legend für Geschäftemacher wie den im Artikel beschriebenen super.


Die Studie ist nicht ernst zunehmen, da die meisten Opfer erst am Nächsten Tag in der Notaufnahme waren bzw. Stunden zu spät, umd GHB nachzuweisen.

Weiter gehts es hier nicht wie im Artikel geschrieben wurde um GHB, was dem Betäubungsmittel unterliegt und damit ziemlich schwierig zu beschaffen ist, sondern GBL (γ-Butyrolacton), welches man literweise im Internet als Reiniger bestellen kann. Einzeldosen bewegen sich um die 0,5 bis 3 mg, bei Toleranz auch mehr.

Wiki:

Wikipedia sagte:
Die Plasmahalbwertszeit von GBL beträgt auf Grund rascher Metabolisierung zu GHB weniger als 60 s, das heißt, fünf Minuten nach der Einnahme von GBL sind im Körper noch etwa 3 % des γ-Butyrolactons vorhanden.


Und JA, GBL schmeckt man. Aber in einem Drink ist es dann nur für diejenigen bemerkbar, die es öfter konsumieren.

Ich möchte damit nicht sagen, dass alle "Da hat mit jemand etwas in den Drink getan" nie Ausrede für versoffene Nächte ist, trotzdem dürfte die Opferzahl höher sein als von der erwähnten Studie impilziert.

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