07.12.2012 - 18:30 Uhr

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Übermixt

Text: sina-pousset

Pünktlich zu Weihnachten erscheint der Remix des Kopfschmerzklassikers Jingle Bells mit dem Trendsong des Jahres, Gangnam Style. Wir fragen uns: Muss man eigentlich alles remixen?

Es gab Zeiten, da war der Remix etwas Schönes. Da rappte die Sugarhill Gang in Rapper’s Delight zum wunderbaren Beat von Chic und schuf einen soliden Klassiker der Hip-Hop-Geschichte. Der Remix hatte etwas Künstlerisches: die gegenseitiges Inspiration, die wundersame Verwandlung eines Songs in den Händen eines anderen Musikers, der wechselseitige Einfluss verschiedener Musikstile. Auch die Timbaland-Ankündigung „Re-re-reeemix“ hatte im Heranwachsendenalter noch etwas Spannendes. Das Gefühl, jetzt kommt was Neues, jetzt nimmt der Song eine andere Richtung. So wie auf dem Grey Album, auf dem Jay-Z und Co Beatleshits remixten. Das hab ich gern gehört.

Trio Infernale: Wham! und Remixbruder PSY

Mittlerweile hängt mir der Remix zum Hals raus. Wären der Remix und ich ein Paar, würde ich ganz nah an seinen Fernsehsessel herantreten, verächtlich auf sein bierbeflecktes Feinripphemd blicken und sagen: "Du bist nicht mehr der, in den ich mich damals verliebt habe." So mancher Tanzversuch in Clubs fand für mich ein abruptes Ende, als der x-te Clubhit-Remix mit dem x-ten Clubhit gereremixed wurde und mein Körper endgültig nur noch widerwillig mitwippte. Nach einem Abend Zwangsschunkeln zu Housebeats sehne ich mich meistens nach dem unberührten Song, ganz simpel ohne feat. und Remix. Dann will ich am liebsten in die Zeit zurück, in der noch nicht jeder Idiot mit passender Software und You-Tube-Account seinen eigenen Remix basteln konnte.

Wenn ich mir die aktuellste Remix-Geburt, "Gangnam-Style" und Whams "Last Christmas" zu Gemüte führe, beschleicht mich die leise Gewissheit, dass der Remix in Zukunft wenig an Qualität gewinnen wird. Der Overkill-Remix verlängert das sowieso schon viel zu lange Leben von gehypten Hits künstlich. Witzig ist es für einen kurzen Moment, wenn PSY unter Schneeflocken seine Lyrics abspult. Aber wer möchte das Duett eines nichtssagenden Hits mit einem anderen genau so nichtssagenden Hit noch hören, wenn der Unterhaltungswert nach dem zweiten Mal abgeebbt ist?

Im großen Remixsammelsurium der letzten Jahre gibt es hin und wieder ein paar Stücke, die auch freiwillig ihren Weg in meine Ohren fanden. Der The XX Remix von Florence + The Machines "You've Got The Love" zum Beispiel. Weil der aber auch anderen Menschen gefiel, wude er gemasht, gemixt und getunt bis nur noch ein kleines Häufchen Akustikschrott zurückblieb. Es scheint, als wäre das Original für den Song das, was für Wham! ihre Fönfrisuren sind: Nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen. Und das finde ich schade. Der Remix an sich ist eine tolles Konzept. Nur das Totremixen nicht. Das weiß er selbst. Und deswegen sollte er vielleicht mal den Hintern von Sessel heben, sich ein frisches Hemd anziehen und mich mal wieder zum Tanzen ausführen. Das erste Bier ginge auf mich.

Auf der nächsten Seite liest du die Antwort von dirk-vongehlen.

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sina-pousset

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.