17.12.2012 - 18:30 Uhr

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Flädlesuppe und Frühstückstage

Text: jetzt-redaktion



Welchen Stellenwert hat Essen in Deinem Leben?
Wenn ich schlafen gehe, freue ich mich aufs Frühstück. Wenn ich das nicht tue, bin ich krank oder es geht mir wirklich nicht gut. Hunger ist ja ein wiederkehrendes Phänomen. Wahrscheinlich tut man nicht viele Dinge so oft und so regelmäßig im Leben wie Essen. Wenn man Glück hat, sitzt man dabei um einen runden Tisch mit Menschen, die man mag. Dass jeder Essen muss (auch Traurige, Kranke) finde ich sehr tröstlich („Wer nie sein Brot mit Tränen aß", schrieb schon Goethe), überhaupt bin ich ein Alltags-Ritual-Mensch. Wiederholungen bedeuten Sicherheit, sind Beweis dafür, dass es eben immer weiter geht.

Was ist dir beim Essen oder Essen-Einkaufen besonders wichtig?
Ich arbeite ein paar Mal in der Woche im Bioladen und bin inzwischen ziemlich verwöhnt. Brot, Käse und Gemüse kaufe ich fast ausschließlich dort oder auf dem Markt. Ich kann Menschen nicht verstehen, die in Folie verpacktes, geschnittenes Brot kaufen (das nicht wesentlich günstiger ist und einen Nährwert wie Plastik hat). Außer aber sie sind alt und haben kein Brotmesser. Ich bin ein ziemlich emotional gesteuerter Einkäufer. Die Dinge, die auf dem Band landen, vermitteln mir etwas über das Essen Hinausgehendes, das schwer zu beschreiben is(s)t, das sicher bei den meisten Einkäufern eine große Rolle spielt. Impulskäufe wie Blockschokolade, Kakao oder Allgäuer Emmentaler sind meistens einer Art universellem Heimwehgefühl geschuldet, sage ich mal so. In meiner Familie interessierte sich niemand für Lebensmittel und deren Zubereitung (außer meine beiden Großmütter). Deswegen halte ich in diversen WG-Küchen regelmäßig nervig-missionarische Vorträge über „gutes" und „schlechtes" Essen. Dass man sich Zeit nimmt (zum Nachdenken) beim Einkaufen, Kochen und Essen ist das Wichtigste.

Erinnerst Du dich, wann Du zum ersten Mal für Dich selbst gekocht hast und wer Dir das Kochen beigebracht hat?
Ich erinnere mich an Tage, als ich auf dem Küchensims meiner Großmutter saß und ihr beim Kochen zuschaute. Sie kochte Böhmisches, viel Knödel, Gulasch, Rouladen. An mein erstes selbst gekochtes Essen erinnere ich mich nicht, aber an meinen ersten Versuch, die Zwetschgenknödel meiner Großmutter zu kochen, nachdem sie gestorben war. Mit Kartoffelteig ist das ja so eine Sache. Ich kurbelte Kartoffeln durch den Fleischwolf meiner Großmutter, den ich als gutes Omen betrachtete, schüttete Mehl und Eier dazu, wie in ihrem Rezept beschrieben, das ich mir mit 15 aufgeschrieben hatte. Am Ende schwammen trotzdem rohe Teigklumpen auf der Wasseroberfläche, die man nicht essen konnte. Meine Eltern waren auf einem Geburtstag eingeladen gewesen und hatten dort extra nichts gegessen, um meine Zwetschgenknödel zu essen. Ich heulte so sehr, dass mein Bruder mir noch auf dem Rückweg eine Aufmunterungs-SMS schrieb und mein Vater mir am nächsten Tag eine Nachricht, mit der Zahl der Google-Suchergebnisse für Zwetschgenknödel-Rezepte: 66 700. Das Rezept war nicht das Problem! Zum Glück hatte ich einen Rest des Teigs über Nacht im Kühlschrank aufbewahrt und am nächsten Tag einfach eine Menge Mehl dazugegeben. (Blass erinnerte ich mich, dass auch meine Großmutter die Kartoffeln immer einen Tag vorher kochte.) Ich formte also Knödel in die ich Zwetschgen und ein Stück Würfelzucker steckte in meiner eigenen Küche. Wo ich am Ende über perfekte Zwetschgenknödel mit Butter und Semmelbröseln schon wieder heulte.

Was war dein Lieblingsessen als Kind?
Siehe oben! Ich hatte wirklich jedes Mal, wenn es diese Knödel gab, manchmal in der Variante Quarkknödel, Angst, dass es das letzte Mal wäre. Als meine Großmutter das Kochen vergaß, war das der Anfang vom Vergessen von allem.

Was ist dein aktuelles Lieblingsessen?
Ich esse oft wochenlang immer wieder das Gleiche. Zur Zeit: Birne und Fenchel auf Seele, überbacken mit Käse (Berg, Ziege, manchmal auch mittelalter Gouda). Zum Nachtisch Mohn-Vanille-Joghurt.

Was magst Du gar nicht?
Viel Geld ausgeben für ungutes Essen im Restaurant, das man zu Hause besser hinbekommen hätte. Menschen, denen Essen egal ist. Das Missverhältnis Dauer des Essens vs. Zubereitungszeit.

Mittags warm und abends kalt oder andersherum?
Fritz J. Raddatz hat neulich in einem Interview gesagt, dass er „mittags essen" gar nicht kenne. Seitdem frage ich mich, ob er wenigstens mittags ein Brot isst und das aber nicht als richtiges Essen zählt. Ich esse meistens mittags kalt, ein Käsebrot, eine Butterbrezel. Weil mir das Essen abends in Ruhe wichtiger ist. Manchmal ist es aber auch schön, mittags mit einem Lieblingsmenschen beim Italiener über einem Teller heißer Pasta Puttanesca zu sitzen, neben Bankmenschen und Anwälten im Anzug in ihrer Mittagspause.

Wo isst Du am liebsten? Am Tisch oder auf dem Sofa?
Alleine sehr gern auf dem Sofa und fernkuckend. Auch am Tisch mit Zeitung oder Buch. Bloß verträgt sich Lesen, Umblättern und Essen so schlecht. Zusammen am Tisch. Am liebsten an einem runden.

Was trinkst Du zum Essen?
Zu Hause nichts oder Leitungswasser. Auswärts Traubensaftschorle oder Wasser.

Wie oft gehst Du auswärts essen und hast Du ein Lieblingsrestaurant?
Am liebsten gehe ich auswärts frühstücken. In einem kleinen Café, wo es eine offene Küche gibt, in der regelmäßig der Eierkocher piept und wo es eben immer nach Kaffee und warmer Milch riecht, Zeitungen umgeblättert werden und Dinge besprochen.

Was isst du, wenn es schnell gehen muss?
Käsebrote (wichtig: guter Käse und gutes Brot, ich bin ziemlich gut im Brote belegen), Butterbrezeln. Manchmal auch unterwegs Pide mit Schafskäse. Rosinenbrötchen. Ich würde jederzeit gute Backwaren einem schnellen/schlechten, aber warmen Essen vorziehen.

Was war das aufwendigste Gericht deines Lebens?
Ein gefülltes Huhn mit einer Brezel-Petersilien-Ich-weiß-nicht-mehr-genau-Gemüsefüllung, dazu Serviettenknödel, Rahmsauerkraut und eine richtige Bratensoße. Aufwändige Gerichte sind ja die, bei denen man hinterher mit rotem Kopf am Tisch sitzt und sich tausend Mal entschuldigt, dass die Soße womöglich nicht mehr heiß genug ist und überhaupt selbst gar keinen Hunger mehr hat.

Hast Du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen?
Hm. Eigentlich nicht. Vielleicht Nudeln mit Butter, Salbei und Parmesan.

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