Lexikon des Guten Lebens

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Wie beende ich eine platonische Freundschaft?

Text: marie-charlotte-maas

Wie man sich am besten aus einer Liebesbeziehung löst ist oft ein großes Thema. Wie aber geht man vor, wenn man sich von einer Freundschaft trennen möchte? Das Lexikon des guten Lebens gibt Rat.

 - „Hör zu, ich denke, wir sollten uns nicht mehr sehen. Diese Freundschaft funktioniert einfach nicht mehr." - „Was soll das heißen?"
- „Wir sind nicht dazu gemacht Freunde zu sein. Du bist ein netter Typ, aber wir haben einfach keine Gemeinsamkeiten."
- „Was habe ich getan? Ich möchte wissen, was ich getan habe!"
- „Du hast nichts getan! Es ist nicht deine Schuld, es ist meine Schuld."

Die beiden Freunde, deren Gespräch wir hier lesen, heißen Joel Horneck und Jerry Seinfeld - sie sind keine realen Personen. Die Szene stammt aus einer der ersten Episoden der berühmten amerikanischen Sitcom „Seinfeld". Sie ist bekannt dafür, Themen aus dem Alltag aufzugreifen. In diesem Fall möchte Jerry die Freundschaft zu seinem alten Schulfreund Joel nicht länger aufrechterhalten. Denn Joel nervt ihn zusehends. Er stellt die falschen Fragen, macht peinliche Dinge, ruft ungebeten an und merkt dabei gar nicht, wie wenig er und seine Geschichten Jerry interessieren. Am Ende kommt es, wie es kommen muss: Jerry trennt sich von Joel.

Sollte man mit Freunden Schluss machen wie mit seinem Partner? Kann man das? „Eine Freundschaft ist natürlich auch eine Beziehung und nicht weniger intensiv und berührend als eine Partnerschaft. Wenn also etwas nicht mehr stimmt, sollte man das in jedem Fall ansprechen, sagt Karin Krümmel, Psychologin und  Life-Coach aus Berlin: „Das ist man dem Gegenüber sogar schuldig, denn er oder sie sollte ja die Chance bekommen, zu verstehen, dass etwas schief läuft. Merkt man dann, dass es trotz der Aussprache einfach nicht mehr funktioniert, sollte man es tatsächlich offiziell beenden."

Wichtig sei dabei vor allem die Art und Weise, wie man es dem anderen mitteilt. Karin Krümmel rät von sogenannten „Du-Botschaften" ab. „Man sollte nicht sagen, „Du machst das und das falsch", sondern stattdessen berichten, wie es einem selbst mit dem Verhalten des anderen geht. Das ist weniger angreifend und für das Gegenüber viel besser nachvollziehbar. Diese Art von Gespräch führt zu mehr, denn sonst blockt die andere Person erfahrungsgemäß direkt ab."

Und wie endet die Geschichte aus Seinfeld? Joel ist am Boden zerstört und beginnt zu weinen. Jerry kann diesen Anblick nicht ertragen und nimmt zurück, was er gesagt hat. Die beiden sind wieder „Freunde". Das Problem beginnt von vorne. Klar ist: Eine Freundschaft zu beenden ist niemals leicht und erfordert ebenso viel Mut, wie eine Trennung vom Partner. Hinzu kommt: Oft ist das Ende einer Freundschaft ein schleichender Prozess. Meistens ist nichts Dramatisches vorgefallen, kein Zank, kein Streit. Man merkt nur einfach, dass man nicht mehr zusammen passt. Dass man sich auseinandergelebt hat - eben wie in einer Beziehung. Das macht ein Ende noch schwieriger, denn das schlechte Gewissen ist groß. Ein Trost aber bleibt: Nach einer Zeit der Trennung kommt in manchen Fällen eines Tages das Revival. Das ist bei platonischen Freundschaften nicht anders als bei Beziehungen. Dass das nicht immer gut geht, wissen wir natürlich. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Marie-Charlotte Maas, 28, hat vor Kurzem Freundinnen aus Kindertagen wiedergetroffen und gemerkt, dass der Spruch „Es war als hätten wir uns gestern erst gesehen", tatsächlich stimmen kann.


Fünf Tipps von Karin Krümmel, wie man reagieren sollte, wenn eine Freundschaft nicht mehr funktioniert: 

1. Wann sollte man eine Freundschaft beenden? Wenn ich mich in der Gegenwart des anderen nicht mehr wohl fühle. Wenn die Treffen auslaugen, statt erfüllend zu sein. Wenn man das Gefühl hat, nur zu geben. Wenn man schlicht unzufrieden ist. Eine Freundschaft sollte ausgeglichen sein – in schwierigen Phasen ist eine „Schieflage" auf Zeit aber auch in Ordnung. Und bei alledem auch darauf achten: Fordert der/die andere wirklich so viel von mir, oder gebe ich eher freiwillig und beschwere mich hinterher unfairerweise darüber?

2. Man sollte gut überdenken, ob es sich bei den Unstimmigkeiten nur um eine Phase handelt. Bei langjährigen Freundschaften gibt es immer Zeiten, in denen man sich näher ist, und solche, in denen man sich ein wenig fremd fühlt. Dann hilft eine genaue Analyse: Überwiegen die guten Eigenschaften des Freundes oder der Freundin die ein, zwei oder drei Dinge, die mich an ihm oder ihr stören?

4. Bei Unstimmigkeiten nicht still und leise vor sich hin schmollen, sondern den Freund oder die Freundin ansprechen. Nur so hat er/sie die Chance sich zu ändern. Und die bekäme man im Zweifel doch selber auch gerne. Wenn einem tatsächlich nichts mehr an der Freundschaft liegt, bitte den nächsten Punkt beachten.

5. Eine Freundschaft nicht einfach auslaufen lassen und sich nicht mehr melden. Das hat der andere/die andere nicht verdient und ist feige. Eine Erklärung, warum man keine Lust mehr hat sich zu treffen, muss drin sein. Die Annahme „Er/sie muss doch merken, dass ich keinen Kontakt mehr möchte" ist oft falsch. Nicht alle Menschen haben so feine Antennen, wie wir uns das idealerweise vorstellen. Hinzu kommt: Man kann nicht loslassen, solange man nicht weiß, woran eine Freundschaft gescheitert ist. Die Freundschaft ist beendet und eines Tages bemerkt man, dass man selber auch Fehler gemacht hat und es ungerecht war, dem anderen die alleinige Schuld am Scheitern zu geben. Dann sollte man den Mut haben, und es mitteilen – auch wenn die Hemmschwelle ziemlich groß sein kann. Bleibt eine Reaktion von der anderen Seite aus, muss man damit leben. Aber schon auszusprechen ´Es tut mir leid´, kann sehr befreiend sein. 
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6 Kommentare
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das_maedchen
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Mag ich Mag ich nicht

1

02.01.2013 - 10:53 Uhr
das_maedchen

das thema war für mich eigentlich noch nie relevant. freundschaften (oder meistens eher bekanntschaften) bei denen ich mich weniger wohl fühl, haben sich meistens von alleine recht bald wieder schleichend verabschiedet.

aber ich bin immer immer für ich-botschaften, auch wenn ich sonst von so gesprächsregeln blabla nicht viel halt.

librarian78
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Mag ich Mag ich nicht

-2

03.01.2013 - 10:19 Uhr
librarian78

Grundsätzlich finde ich die Vorschläge sinnvoll, ich glaube vieles von dem Beschriebenen wird hier dem/der einen oder anderen tatsächlich schon passiert sein.

Die besonders wichtige 5.) halte ich allerdings gerade in schwierigen Fällen für problematisch und oft nicht umsetzbar:

Das einzige Mal dass ich bisher eine Freundschaft aktiv faktisch beenden musste, habe ich zunächst wie in 5.) empfohlen gehandelt, da mir so etwas sehr wichtig ist. Habe halt Erklärt dass ich mich nicht wohlfühle usw.
Die Folge davon war, dass die Person sich irgendwie entschuldigt hat, gleichzeitig aber auch Unverständnis für meine Ausführungen gezeigt hat, ein Ende des Kontaktes, so wie von mir erwünscht, erwuchs daraus nicht, im Gegenteil. Es wurde alles daran gesetzt, die Freundschaft möglichst de facto unverändert weiterzuführen. Es handelte sich hier um eine recht komplizierte Person, Dinge wie Eifersucht, Machtspiele usw. spielten da eine Rolle.
Und ich glaube sowas gibt es auch in platonischen Feundschaften öfter als man denkt. Jede Erklärung meinerseits wurde im Endeffekt wieder für schwierige Argumentationsketten ihrerseits genutzt, führte also gerade nicht zum ersehnten Ende dieser am Ende wirklich belastenden und unschönen Verbindung.

Erleichterung kam letztlich erst mit dem kommentarlosen Einstellen des Kontaktes, nicht antworten usw. meinerseits. Dies wurde zwar von der Person als nicht nett wahrgenommen, jedoch war es die einzige Möglichkeit für mich, mich zu lösen. Und seitdem ist weitgehend Funkstille.

Ich glaube leider, dass viele Menschen gerade mit dem bewußten Beenden von platonischen Freundschaften nicht umgehen können. Und dann muss man als ansonsten fairer und mutiger Mensch dann so Mutig sein, in diesem Fall mal im Sinne der Autorin "feige" zu sein und den Kontakt einschlafen lassen. Tut zwar weh und macht vorübergehende ein schlechtes Gewissen, ist aber besser als fruchtlose Endlosdiskussionen. Und wenn es dann vorbei ist fühlt man sich befreit. :)

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

0

06.01.2013 - 15:13 Uhr
JoergAuch

Ich habe mir den Text jetzt zum zweiten Mal durchgelesen und muss sagen, ich verstehe das Konzept des förmlichen Beendens einer Freundschaft nicht. Eine Freundschaft entwickelt sich langsam und wenn man Pech hat, läuft sie langsam wieder aus oder endet auch abrupt in einem Knall. Ich war aber noch nie an dem Punkt, wo ich den Beginn oder das Ende einer Freundschaft formal festgestellt habe und das jemandem mitteilen wollte.

Dennis_dp
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Mag ich Mag ich nicht

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06.01.2013 - 15:13 Uhr
Dennis_dp

Einmal hab ich das auch schon durch. Es war ein schwerer Schritt, aber letztendlich doch befreiend. Obwohl es auch mehr oder weniger nach Punkt 5 abgelaufen ist.

tiefsee
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.01.2013 - 10:55 Uhr
tiefsee

ich kann punkt 5 auch nicht wirklich nachvollziehen. so ein irgendwie "formales" beenden oder auch beginnen von freundschaften gibt es oft unter teenagern, wo man übt, sich selbst in sozialen kontexten zu behaupten und wert darauf legt zu wissen, wer jetzt mit wem zu tun hat, wer wo dazugehört oder nicht. später gibt sich das von alleine ... wer nicht bleiben will, den muss man ziehen lassen und wenn man selbst gehen will ... wenngleich kommentarlos ... dann soll man das auch tun. es wird auch immer wieder anknüpfungspunkte geben, wenn man will ... und man sieht sich im leben meistens zweimal.

munkepunke
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.02.2013 - 13:19 Uhr
munkepunke

Naja, also Punkt 5 setzt voraus, daß der/die FreundIn mit einem gewissen Maß an Empathie und Kritikfähigkeit ausgestattet ist. Sonst nutzen auch Ich-Sätze wenig.

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