Für die Optik
Mit seinen Plakaten und Albumcovermotiven gibt der Siebdruckkünstler Señor Burns der Münchner Musiklandschaft ein Gesicht. Seine Arbeit ist aber längst auch international gefragt.
Auf den Werkbänken stapeln sich haufenweise Plakatdrucke. In zwei riesigen Regalen trocknen frische Plattencover. Daneben ein Drucktisch, auf dem Schablonen und Bleistiftentwürfe verteilt sind, dazwischen großformatige Kartonbögen und Papierreste in allen möglichen Farben. An den Wänden bunte Konzertplakate, im Eck mehrere Kisten voller Vinylplatten. Überall riecht es ein wenig nach Acrylfarbe. Betritt man die Siebdruckwerkstatt von Bernd Hofmann, 38, dem Mann hinter dem Künstlernamen Señor Burns, merkt man sofort: Hier wird ziemlich viel gearbeitet.
Die Wirkstätte seiner Red Can Company befindet sich mitten im Münchner Stadtteil Haidhausen. Hofmann und sein Praktikant Anton schaffen dort gerade Ordnung, um die Werkstatt für die anstehende Adventsausstellung vorzubereiten. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit öffnet er für ein Wochenende seine Arbeitsräume, um Freunden, Kunden und Interessierten vorzustellen, was dort in den Monaten davor auf dem Drucktisch gelandet ist. Er stellt kunstvoll gestaltete Albumcover und Gigposter für Bands her, ist dabei aber auch noch Labelbetreiber und Ausstellungskurator in Personalunion. Doch von vorne.
Begonnen hat das alles im Jahr 2001. Bernd Hofmann studierte zu der Zeit Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste und entdeckte dabei den Siebdruck für sich. Das Plakative, die intensiven Farben und die Bildtiefe dieser Technik faszinierten ihn sofort. Schnell wurde die Druckwerkstatt in der Akademie zu seinem zweiten Wohnzimmer. Und leidenschaftlicher Plattensammler war er immer schon. Kein Wunder also, dass er sich für den Rest seines Studiums vor allem mit dem Thema Covergestaltung auseinandergesetzt hat. „Neben der Affinität für das Medium Vinyl als Tonträger hat mich vor allem dieser große Karton begeistert, und was man auf dem Format alles machen kann“, sagt Hofmann. Für eine Studienarbeit malte er die Covermotive seiner Lieblingsalben nach: „L’État et moi“ von Blumfeld zum Beispiel, oder „Green“ von REM. Später entwarf er fiktive Cover, einfach aus Spaß, ohne dass es dazu eine Band oder eine Platte gegeben hätte. Ebenso fiktiv war damals noch das Label, das er sich dazu ausgedacht hatte: Red Can Records, mit einem roten Kanister als Logo.
Ziemlich schnell allerdings wurde das Phantasielabel Realität. Seine damalige Band brauchte eine Plattenfirma für ihre erste EP, befreundete Musiker fragten, ob sie ihre Platten nicht auf seinem Label veröffentlichen könnten. Freilich, den Namen und das Logo gab es ja bereits. Und schließlich auch ein Konzept, denn sämtliche Plattenhüllen wurden fortan von Señor Burns per Hand bedruckt.
Natürlich packten die Bands bei der Herstellung ihrer Alben auch meist selbst mit an. Tagelanges Falten, Verkleben und Eintüten als Gemeinschaftsevent. Die „Do It Yourself“-Idee war bei Red Can stets Programm. Auf diese Weise sind bislang 35 Releases entstanden, darunter vor allem Münchner Künstler, von Candelilla über Angela Aux bis hin zu Joasihno und den Monostars.
Wo andere Labels beim Artwork sparen und ein Digipak als Alternative zur Jewelcase-CD das Höchstmaß der gestalterischen Gefühle ist, fängt bei Red Can der Spaß erst an. Bernd Hofmann betrachtet jede seiner Platten als künstlerisches Produkt, in dem sich mit der Musik und dem Artwork zwei gleichwertige Ausdrucksformen verbinden. „Für mich ist es ein größeres Erlebnis, wenn ich beim Hören auch ein Booklet durchblättern kann oder das Cover eine interessante Oberfläche hat“, erklärt er, während er eine seiner Veröffentlichungen aus der Plattenkiste zieht und mit der Handfläche über den Karton streicht. Das Spielen mit unterschiedlichen Materialien hat es ihm besonders angetan, weshalb seine Verpackungen fast immer mit haptischen Besonderheiten ausgestattet sind: mal ist es ein außergewöhnlicher Karton, mal Streugras, das als Wiesenfläche aufgeklebt wird.
Über die Jahre hat sich die Arbeit von Señor Burns herumgesprochen. Seine Motive kleiden auch Alben anderer Labels und Künstler. Bei Gutfeeling Records etwa, oder auch bei Alien Transistor, dem Label von The Notwist, erscheinen regelmäßig Platten aus seiner Hand. Auch Visitenkarten von Freunden, Ladenschilder und sogar Schuhkartons bedruckt er mittlerweile. Sein besonderes Interesse gilt jedoch seit sechs Jahren aufwendig gestalteten Gigpostern. 2006 hat er eines seiner ersten Plakate für die britische Punk-Band Leatherface angefertigt, seitdem hat ihn dieses Format nicht mehr losgelassen.
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