Berliner Kindle
E-Book-Reader hat unsere Autorin bisher ignoriert. Der minimalistische "Beagle" der Berliner Firma Txtr hat sie neugierig gemacht. Nicht, weil er weniger als zehn Euro kosten soll, sondern weil er nur E-Books darstellt statt ein Tablet-Computer sein zu wollen. Wie ganz früher mal der "Kindle".
Jetzt halte ich sie also in der Hand, die Zukunft des Lesens. Zumindest wird sie, seit der erste "Kindle" vor ziemlich genau fünf Jahren vorgestellt wurde, immer wieder als solche ausgerufen, vor allem in den Wochen vor Weihnachten.Bisher habe ich E-Book-Reader immer ignoriert. Nicht bewusst, sondern weil ich nie das Gefühl hatte, ich bräuchte einen. Neue Bücher kosten als E-Book nur minimal weniger als das jeweilige Taschenbuch, und irgendwie mag ich die unübersichtlichen Bücherstapel in meiner Wohnung. Zwischendurch lese ich schon mal ein E-Book, allerdings auf dem Tablet oder Laptop, seit das mit der "Kindle"-App geht.

Der batteriebetriebene (!) E-Book-Reader "Txtr Beagle" hat mich aber neugierig gemacht. Die Berliner Firma Txtr, die E-Books vertreibt und Lese-Apps für Smartphones und Tablet-Computer anbietet, hat ihren E-Book-Reader im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Erscheinen sollte er erst vor Weihnachten, dann wurde der Termin auf Frühjahr 2013 verschoben. Auf Facebook und Twitter wird viel spekuliert, vor allem, weil der Reader unglaublich günstig verkauft werden soll: für weniger als zehn Euro in Kombination zum Beispiel mit einem Mobilfunkvertrag. Der Preis ohne Vertrag steht noch nicht fest.
Diese Verbindung hat einen Grund. Txtr ordnet den "Beagle" als "Smartphone-Zubehör" ein. Das passt. Mit seinem Fünf-Zoll-Bildschirm ist er nur unwesentlich größer als das "Galaxy Nexus" und passt mit Handy zumindest in die Männer-Hosentasche, auf jeden Fall in die Jackentasche. Vor allem aber: Mit ihm kann man einfach nur lesen. Sonst nichts. Und zwar das, was man mit dem Handy auf das Gerät lädt. Anders als Amazon, Sony und Kobo wollten die Berliner kein Möchtegern-Tablet bauen - sondern einfach nur einen E-Book-Reader. Der "Beagle" ist so etwas wie ein zweiter Bildschirm fürs Smartphone - der sinnvoll ist, weil das Lesen auf einem E-Ink-Display viel augenschonender ist als auf dem Handy oder Tablet. Er ist eine praktische Erweiterung für das Smartphone. Zubehör eben - wie Kopfhörer, die das Musikhören mit dem Handy leichter machen.

Vieles am "Txtr Beagle" ist ein bisschen umständlich. Die Schriftgröße, die man nur vor dem Übertragen, nicht mehr auf dem Gerät, ändern kann. Das mühsame Raufladen über Bluetooth und eine App, die das E-Book erst in Raw-Bilder umwandelt und dann auf das Gerät schickt. Und auch, dass man keine einzelnen Bücher löschen, sondern nur das Gerät ganz zurücksetzen kann. Immerhin kann man das auch unterwegs mit dem Smartphone machen, in der App bleiben ja alle E-Books gespeichert. Auf den E-Book-Reader passen, je nach Größe, fünf bis 15 Bücher.
Wenn man den "Txtr Beagle" in der Hand hält, fühlt man sich, als hätte man einen alten Gameboy (den dicken grauen) in der Schublade gefunden. Man hat keine Farbe, keinen Touchscreen, bloß ein paar Tasten. Nur, dass es beim "Beagle" nicht ums Spielen, sondern ums Lesen geht (das erstaunlich gut funktioniert!). Ihn so minimalistisch – und auch günstig – wie möglich zu halten, ist nur konsequent. Für alles andere hat man sowieso schon Computer, Tablet und Smartphone.
"I'm pleasantly surprised to report that the beagle seems like it could be truly disruptive to Amazon's Kindle leadership", schrieb Michael Grothaus in der Online-Ausgabe des "Guardian" über den deutschen E-Book-Reader. Das könnte stimmen. Der "Beagle" ist einfach nur zum Lesen da. Wie ein Reclam-Büchlein. Nur in Jadegrün, Türkis, Violett und "Grapefruit".
- Ein Daumen voll Hass 14.03.2013
- Tweets aus dem Grab 21.02.2013
- Google für GIFs 07.02.2013
- Diaabend in Cool 31.01.2013
- Vine: Instagram für sechs Sekunden 25.01.2013
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem donnerstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
04.12.2012 - 18:13 Uhr
bsommer
U_DIT sagte:
Ich habe mir nach langer Skepsis jetzt nun doch endlich einen eReader zuglegt und bin begeistert! - Zum Glück keinen komplizierten, enttäuschenden Beagle sondern einen selbsterklärenden, einfachen Kindle Touch. Wenn ich in der Bahn keine Lust mehr auf Lesen habe, höre ich eben Musik ohne von einem Gerät zum nächsten wechseln zu müssen. Bücher & mp3's Laden per integriertem WLAN - spart man sich auch den Wechsel auf ein anderes Gerät. Der Beagle klingt nach dem Artikel eher abschreckend. Da würde ich auch lieber wieder zum Buch greifen - oder zu meinem Kindle.
Da stimme ich dir zu. Habe zwar ein anderes Modell, würde mir aber auch nicht diesen im Artikel vorgestellten Reader kaufen.
Meiner kann auch Internet, aber halt nur in dieser einfachen Optik, zum Bücher laden reichts aber eindeutig.
okkasionalsozialist sagte:
keine ahnung, was das ding technisch taugt, aber beim naming haben die entwickler einen volltreffer gelandet. nur weil es beagle heisst denke ich länger als eine sekunde über dieses teil nach.
Beagles sind aber eine tolle Sache, während dieses Ding Schrott und der Artikel wohl eine bezahlte Anzeige ist. Wäre ich der Beaglezüchter-Verein, würde ich die abmahnen - ist ja Rufschädigend für alle anständigen Meutenhunde, das.
In der gleichen Größe gibts aktuell den Kobo Mini für 70 oder 80 Euro, etwas größer (sechs Zoll) diverse Geräte verschiedener Hersteller, die höchstens 150 Euro kosten. Auf alle passen Hunderte von E-Books drauf, man kann die Schriftgröße und allerlei anderes nach Bedarf einstellen.
Falls das Ding wirklich auf den Markt kommt, wird es sich nicht lange halten.
Alle Kommentare anzeigen









0
04.12.2012 - 13:54 Uhr
valeri
Text kann nicht mehr markiert und als Notiz gespeichert werden, Schriftgröße ist nicht dynamisch, überhaupt: die ganze "inhaltslastige" lineare Struktur des Buches, dass sich an die Lesegewohnheiten anpasst, wird wieder in speicherplatzintensive, schlechter darstellbare, unflexible Bilder umgewandelt.
Das Gerät selbst find ich nett, vorallem die Farben, das ist schön – aber auch Batterien sind im Jahr 2012 keine Zukunfstechnologie…sorry!
Und schließlich: Menschen die ein einfaches Gerät wollen, weil sie vielleicht mit Online-Interfaces, WLAN zum Bücher laden usw. nicht so vertraut sind oder schlicht keinen Zugang dazu haben – denen ist die Bedienung garantiert zu umständlich und zu kompliziert. Dito allen anderen, die einfacheres Handling von anderen Geräten gewohnt sind.