30.11.2012 - 18:30 Uhr

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Jungs, was habt ihr mit euren Skateboards?

Text: kathrin-hollmer - Cover: han.lei / photocase.com


Die Jungsantwort von christian-helten:


Ich kann nicht sonderlich gut Skateboard fahren. Genau genommen bin ich nie wirklich über einen Ollie und einen 180 hinausgekommen. Ich kann also hier nicht für die Jungs sprechen, die wirklich Skateboard fahren, die Skaten als Sport betreiben. Für die muss ich aber auch nicht sprechen. Denn dass man Skaten als Sport lieben kann, wenn man über 25 ist, sollte außer Frage stehen.  

Spannender ist die Frage glaube ich in Bezug auf Jungs, die eigentlich keine wirklichen Skater (mehr) sind. Die meisten Jungs über 25, die ich kenne – und ich selbst ebenfalls – haben ein Skateboard im Keller stehen. Selbst wenn wir es nicht benutzen, werden wir es beim nächsten Umzug wieder mitnehmen und nicht in die Kiste mit der Aufschrift „Kann weg“ stopfen. Viele von uns holen es ab und an sogar hervor. Ich zum Beispiel fahre manchmal mit dem Skateboard zum Bäcker, die Strecke ist mir manchmal zu lang zum Laufen und zu kurz zum Fahrradfahren. Ein bisschen Fahrtwind, ein bisschen Rollengeräusch auf dem Gehsteig machen den notwendigen Bäckerausflug zu einem kleinen Genuss. Und ja, irgendwie auch zu einem Ausflug in die Zeit, als man sich noch nicht mit den Problemen und Sorgen eines Über-25-Jährigen (oder Über-30-Jährigen) herumschlagen musste. Als die Nachmittage aus Herumrollen und Ollies bestanden, aus Scheiße bauen und Beastie Boys hören, und Dinge wie Steuererklärungen noch ganz weit weg in der Welt der Erwachsenen lagen.  

Das Skateboard ist eine der unverzichtbaren Zutaten, aus denen wir Jungs unsere Vorstellung vom Jungsein – und vom Junge sein – zusammenrühren. In der Skatekultur waren immer Elemente des Rebellischen enthalten, das sah man im Auftreten der Skater, man sah es oder spürte es selbst, wenn wieder mal ein Wachmann eine Gruppe Skater von einem Vorplatz eines Bürogebäudes mit einladenden Stufen vertrieb, und man sah es in den Skate-Videos, die wir als DVD oder VHS-Kassette im Reagla hatten, zu denen lange Zeit auch dämliche Mutproben und pubertärer Jungsquatsch gehörten und die die geistigen Väter der Jackass-Serie waren. Skaten hat auch im Jahr 2012 noch einen Touch von Rebellion, und der gefällt uns und erinnert uns an die kleinen Rebellen, die wir mit 16 waren oder zumindest sein wollten. Das ist ein Grund, warum wir uns nicht verbieten lassen wollen, das Skateboard aus dem Keller zu holen, genauso wenig, wie wir uns verbieten lassen wollen, mal einen Abend vor einer Spielkonsole zu verbringen. Wir wollen uns ein bisschen Jungsein bewahren, ganz unabhängig vom Alter.  

Ein anderer Grund: Skaten hat es geschafft, ein ernst zu nehmender Sport zu werden und gleichzeitig echt zu bleiben. Auf einem Skateboard anständige Tricks hinzubekommen, ist schwer. Man lernt es nicht in ein paar Tagen, man muss es wollen und viel Zeit und einiges an aufgeschürften Ellenbogen und Knien investieren. Das gibt dem ganzen eine natürliche Exklusivität. Skaten ist nichts für jeden Dahergelaufenen (oder Dahergerollten) - und das imponiert uns irgendwie.
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.


München