30.11.2012 - 17:02 Uhr

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Ciao Charly!

Text: synthie_und_roma in JETZTpartei (492)

Heute musste ich schreckliches lesen: Ende des Jahres nimmt das ZDF einen alten Freund und Bananenstecher von mir aus dem Programm: der Affe Charly sagt zum Abschied mehr leise als laut „Tschüss Rentner!“ zum senilen Publikum des Senders vom Lerchenberg. Wahrscheinlich haben manche gar nicht mehr mitbekommen, dass Charly gar kein Mensch ist, genauso wenig, dass Robbie die Robbe eine Robbe und Kalle der Hund ein Hund und nicht Kalle war. Bei Charly war die Vermenschlichung ja noch irgendwie verständlich, ist der Affe doch schon genetisch her uns Humanoiden am nächsten. Beim Vergleich des Erbguts zwischen Mensch und Charly ermittelte man eine Übereinstimmung von 99%. Zum Vergleich: beim Mensch und Homo Sapiens X-Diaries liegt die Übereinstimmung nur bei 97,5%. Außerdem trägt Charly Kleidung, was man von den Leuten bei X-Diaries nicht unbedingt behaupten kann. Man muss also dem etwas sehschwachen Zuschauer des ZDF verzeihen, dass er Charly nicht nur tierisch, sondern auch verdammt menschlich fand.


Jetzt also macht er am Samstag Vorabend zum letzten Mal Schabernack. Leider. Für mich war Charly für viele Jahre ein treuer Wegbegleiter: Seit 1995 erlebte er seine Abenteuer in der Familie eines Berliner Tierarztes. Immer war er für eine kleine Katastrophe oder einen Scherz unter guten Freunden gut. Zugegeben: Seine Streiche hatten höchstens Franck Ribery Niveau: Zahnpasta an die Türklinke schmieren oder Schnürsenkel zusammen binden. So was. Doch zumindest hat er nie den Mannschaftsbus des FC Bayern kaputt gefahren. Immerhin. In der Traumwelt von ZDF Serien wie Forsthaus Falkenau, Notruf Hafenkante oder Küstenwache brachte er etwas Realismus: Während sich dort die Schauspieler zum Affen machen und Holzschnittartigen Charakteren zombiehaftes Leben  einhauchen, war er immer nur er selbst: Affe. Und was machen Affen? Eben: Zahnpasta an Türklinken schmieren, Toupets mopsen oder allgemein für gute Stimmung in Berliner Tierarztfamilien sorgen.


Millionen sahen über viele Jahre zu. Die Quoten des Affen Charly waren am Schluss besser als beim Samstagabend-Bonobo Thomas Gottschalk. Und bei Charly blieb immer alles harmlos: Keine gewagten Wetten, kein Sex, keine Spannung - nur ab und an mal zusammengebundene Schnürsenkel. Mit solchem Keinfernsehen, in dem eigentlich nichts passiert, es keine Handlung gibt und die Mimiken der Schauspieler nur zwischen total glücklich oder total traurig changieren war der Affe Charly ein Vorreiter. Serien wie „Berlin Tag und Nacht“ oder „50667 Köln“ werden von einer Horde Halbprimaten bevölkert. Dort passiert im Grunde auch nichts und die Darsteller haben etwa 2 Gesichtsausdrücke drauf. Entscheidender Nachteil: Sie können noch nicht mal Schnürsenkel zusammenbinden. Trotzdem schauen Millionen zu und studieren die Tätowierungen der Mimen – zumindest kann man auch ohne Hauptschulabschluss etwas studieren. Es ist nicht zu erwarten, dass die Fans des Affen Charly jetzt in Massen zu RTL2 strömen werden. Ich auch nicht. Mir ist das Original immer lieber als die schlechte Affenkopie.


Charly hinterlässt eine Lücke, die auch der Trigema-Affe nicht schließen kann. Der kommt ja sowieso immer nur ab und an vor der Tagesschau. Und dann immer in Verbindung mit einem Lackaffen, der die Sportartikelfirma besitzt und behauptet, dass er nur in Deutschland produziert. Mit weit ausladender Geste weist er stolz auf seine gebückt arbeitenden Näherinnen hin. Nein Charly, dass ist nicht unsere Welt. In unserer Welt ist alles in Ordnung. Nun gut, es gibt kleinere Störungen. Mal böse Tierhändler oder Heiratsschwindler, aber das bringen wir gemeinsam wieder in Ordnung. Du hüpfst fröhlich auf und ab und bringst etwas Sonne in unser Leben. Dir sind Griechenlandkrise, Hartz4 oder die Ausbeutung bei Chiquita Banane. Du willst nur Unsinn, was für mich mehr als Sinn machte. Ich habe jetzt Angst, was kommt – nein nicht noch einen weiteren Rettungsschirm für den Euro. Sondern mit welchen Life-Style-Serien nebst aalglatten Schauspielern das ZDF bald aufwartet. Vielleicht nimmt sich das Zweite ein aktuelles Beispiel und macht eine Serie mit Urzeitkrebsen. Die sind ein Gimmick und auch immer gut drauf.

Lieber Charly: Ich finde es oberaffentittenungeil, dass es dich nicht mehr gibt.

Bananengruß



Dein Affe Alf




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1 Kommentar
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innere_leere
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Mag ich Mag ich nicht

0

04.12.2012 - 15:00 Uhr
innere_leere

Das gehörte früher irgendwie dazu

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