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EsGheratVuiMeaDrunga
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Mag ich Mag ich nicht

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30.11.2012 - 15:12 Uhr
EsGheratVuiMeaDrunga

Ich habe den Artikel gestern in der Printausgabe der SZ gelesen und meinen seit Jahren brachliegenden Username reaktiviert, nur um hier kommentieren zu können: Mir aus der Seele gesprochen - vielen Dank! V.a. die Szene auf der Wiesn, wobei die blöden Fragen meistens von eher von norddeutschen Besuchern in 1.000 Euro-Plus"Tracht" kommen.

Und das mit dem rollenden "R" kenne ich auch. Mir wird also abwechselnd unterstellt, keinen Dialekt zu haben (von Nichtbayern) bzw. fränkischen Dialekt zu haben (von Bayern). Dabei habe ich nachweislich seit Generationen keine Wurzeln nördlich der Donau.

iatzad
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30.11.2012 - 17:44 Uhr
iatzad

Schade doch eigentlich, dass du es von der Seite siehst.

Natuerlich kann auch der groesste Hinterwaeldler verstehen, dass viele Leute in Muenchen nicht bairisch sprechen - deswegen muss man es aber noch lange nicht "moegen" oder akzeptieren.

Das Problem ist vielmehr, dass Dialekt eben doch eher als primitiv und hinterwaeldlerisch angesehen wird.
Dabei birgt Dialekt einen unglaublichen sprachlichen, geschichtlichen und damit kulturellen Reichtum mit sich (wer will, kann ja mal nachsehen warum man z.B. Semmel sagt).
Die sprachlichen Fertigkeiten werden vermutlich viel mehr geschult, wenn man schon in jungen Jahren Muttersprache und Hochsprache parallel erlernen muss.
Man sollte es deswegen als Zusatzqualifikation sehen, so wie man das bei anderen Sprachen ja auch macht.

Ich selbst rede gerne Dialekt wo immer moeglich, aber mit meinen vielen auslaendischen Kollegen (oder anderen Mitgliedern meiner Peergroup ;-) auch oefter hochdeutsch oder englisch.
Ich glaube ein Grund der den Bayern nicht gefaellt ist ausserdem, dass hochdeutsch halt doch sehr hart klingt.
Das sagt auch nicht nur der Sueddeutsche, sondern auch viele, die eine andere Muttersprache haben.
Ich glaube das Bairische ist dann doch weicher und melodischer - fuer mich deswegen einfach auch: schoener.
Uebrigens finde ich es eigentlich bei jedem etwas stoerend, wenn er nicht Dialekt spricht, egal wo er herkommt.
Vielfalt ist doch was schoenes...

vycanismajoris
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01.12.2012 - 12:35 Uhr
vycanismajoris

iatzad

"Dabei birgt Dialekt einen unglaublichen sprachlichen, geschichtlichen und damit kulturellen Reichtum mit sich (wer will, kann ja mal nachsehen warum man z.B. Semmel sagt)."

Diese Aussage ist ein Paradebeispiel für die grassierende Unkennntis bzgl. Dialekt vs Standard bzw. süddeutsche Sprachunterwerfung im Besonderen! Besser geht´s fast nicht;-)

Gefühlte 95 Prozent können offenbart nicht zwischen Dialekt u. Standard/Hochdeutsch/Schriftdeutsch unterscheiden! Nur so lässt sich erklären, dass Süddeutsche dazu neigen zweiffellos hochsprachliche (allerdings eher im süddt. Sprach- und Kulturraum verwendete) Begriffe als Non-Standard, mithin Dialekt, einzuordnen. Infolgedessen ist vom Aussterben nicht nur der (bairische) Dialekt, sondern die süddeutsche Hochsprache an sich betroffen.

Wachtelkoenig
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01.12.2012 - 23:05 Uhr
Wachtelkoenig

@Grrmpf
"1. Dialekt akzentfrei sprechen lernen ist nach dem 10. Lebensjahr praktisch nicht mehr möglich"

Das mag auf Dialekte erlernter Fremdsprachen zutreffen, aber sicherlich nicht auf eine einheimische Regionalsprache (Regiolekt). Auch wenn der Regiolekt sich verbal schon stark dem Hochdeutschen angenähert hat, so bleibt doch die für ihn typische Sprachmelodie erhalten. Wer länger in einem bestimmten regiolektalen Umfeld lebt, wird in der Regel (oft unbemerkt und schleichend) auch dessen Sprachfärbungen annehmen. Es sei denn, er möchte sich (aus welchen Gründen auch immer) von seinem sprachlichen Umfeld abgrenzen. So ist es jedenfalls mir ergangen, als es mich als Zugezogener ins Rheinland verschlagen ist.

iatzad
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03.12.2012 - 11:57 Uhr
iatzad

vycanismajoris sagte:
iatzad

"Dabei birgt Dialekt einen unglaublichen sprachlichen, geschichtlichen und damit kulturellen Reichtum mit sich (wer will, kann ja mal nachsehen warum man z.B. Semmel sagt)."

Diese Aussage ist ein Paradebeispiel für die grassierende Unkennntis bzgl. Dialekt vs Standard bzw. süddeutsche Sprachunterwerfung im Besonderen! Besser geht´s fast nicht;-)


Worum geht es dir denn hier? Ob Semmel Dialekt ist oder Hochsprache? Meinetwegen - geschenkt.
Darin liegt nicht der Kern der Aussage - und natuerlich gibt es bessere Beispiele.

eisengrau
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03.12.2012 - 15:43 Uhr
eisengrau

hahaha, der Text kommt wie gerufen. Gerade letzten Samstag wieder:
- Du redsch aber ned wie a Augschburgr.
- Bin ich auch nicht, ich bin ein Münchner Kindl.
- In München redns doch bayrisch.
- Leute in meinem Alter nicht.
- Ja, aber... (Weißwurst, Brezn, Oktoberfest).

Na gut, wieder mal die Geschichte meiner Migration längs der A8 erzählt, plus den halben Familienstammbaum bis zurück ins Jahr 1900 runtergebetet, dann war endlich mal Ruhe.

Wachtelkoenig
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03.12.2012 - 22:53 Uhr
Wachtelkoenig

Grrmpf sagte: "Dass wir hier unten teilweise eine eigene Grammatik und anderes Vokabular haben, weißt Du aber schon, oder?Dass wir hier unten teilweise eine eigene Grammatik und anderes Vokabular haben, weißt Du aber schon, oder?"


Zur eigenen Grammatik schriebst du selbst: "2. Eine Bayerische Schriftsprache gibt es nicht, gell."

Was nicht verwunderlich ist. Ich wüsste auch nicht, wie man die zahlreichen bayrischen
lokalen Subdialekte unter einen gemeinsamen grammatikalischen Hut zwingen könnte.

Was das andere Vokabular angeht, stimme ich Dir voll zu. Der Rückgang der
Dialekte zieht unweigerlich eine empfindliche Verarmung des Wortschatzes nach sich.
Dialekte sind auch aus diesem Grund für mich - historisch und gegenwärtig -
ein unverzichtbarer Teil der deutschen Sprache. So mundet mir - je nach Region - ein
Brötla, Brödele, Bröötli, Rundstück, Semmel, Semmerl, Schrippe, Weck, Wecken, Weckele,
Weckl, Weckla, Weckerl, Weggli, Weckli, Kipfl, Kipfle, Kipfli, Kipfla, Laabla oder Laibl
besser als ein fades bundesdeutsches Einheitsbrötchen.

derHaidhauser
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05.12.2012 - 12:57 Uhr
derHaidhauser

Obwohl ich es auch schade finde, dass der Münchner Dialekt in Vergessenheit gerät, glaube ich, dass nicht der Dialekt alleine gemeint ist.

Untrennbar mit dem Münchner Dialekt verbunden war nämlich auch eine Lebenseinstellung, die aus einer Mischung von Provinziellem und Städtischem bestand, sich vor allem aber durch eine gewisse Gelassenheit auszeichnete.

Die SZ beschrieb diese Einstellung einst sehr treffend, als vor ca. 20 Jahren bei einem Klassik-Open-Air das anschließende Feuerwerk etwas außer Kontrolle geriet. Sinngemäß wurde berichtet, dass die Gäste sehr besonnen reagierten, nach dem Motto: "Entschuldigung Herr Nachbar, Sie sitzen auf a Raket'n".

Auch Fernsehserien wie z.B. "Monaco Franze" oder "Die Hausmeisterin" spiegelten dieses Münchner Leben wider. Die Serien waren wahrscheinlich auch deshalb so beliebt, weil viele sich darin selbst wieder erkannt haben. Heute ist meiner Meinung nach der Schauspieler Andreas Giebel ein gutes Beispiel dafür.

Und es ist eben so, dass Begriffe wie "Leben und leben lassen" untrennbar mit dem Münchner Dialekt verbunden sind. Mit Hochdeutsch verbindet das niemand.

Nix für unguat.

Romand
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13.12.2012 - 19:07 Uhr
Romand

Ich kenne niemand, der wirklich hochdeutsch spricht.
Alle reden Umgangssprache und die ist in einem großen Teil Deutschlands preußisch dominiert. Manche Hannoveraner/innen ( Gerd Schröder ) sagen übrigens: Tach, da schteht n Fead (Pferd) voam Fluch (Pflug). Dieses "Tach" höre ich neuerdings schon bei Schwaben. Bald kommt es auch nach Bayern. Der Allmächtige stehe euch bei.
Die Norddeutschen übernehmen ständig plattdeutsche Worte und Redensweisen in die Umgangssprache.
z.B. Tschüss, Nöö, nich, Pott, außen vor, Jungs, Meedels, ...
Die Süddeutschen glauben aus Minderwertigkeitskomplexen, dass das hochdeutsch sei.

Es gibt nur einen Tagesschausprecher, der sich nicht nach Nordlicht anhört:
Claus-Erich Boetzkes.
Der kommt aus Memmingen und kam dann nach München.

Ich bin dafür, dass Münchnerisch offiziell zur deutschen Umgangssprache erklärt wird.

Hubay dee Array ( des is fei boarisch for english speakers )

Lebrecht
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23.01.2013 - 12:45 Uhr
Lebrecht

Ich musste an diesen Text und diese Diskussion denken, als ich bei youtube zufällig auf diesen Film über die wenigen verbliebenen Familien, in denen noch mit den Kindern Friesisch gesprochen wird, gestoßen bin:

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