Mut zum Fehlgriff
Onlineshops spezialisieren sich in der Weihnachtszeit darauf, das perfekte Geschenk für die Lieben ausfindig zu machen. Bei all der Geschenkeoptimierung geht eines verloren: der Fehlgriff. Schade eigentlich.
In den Händen halte ich ein flaches, weiches Paket. Auf dem Geschenkpapier tummeln sich Rentiere, ein Weihnachtsmann mit weißem Rauschebart sitzt im Schlitten und lacht. Er kann ja nicht ahnen, um was er da gewickelt wurde. Ich löse die sorgsam verklebten Tesastreifen und erhalte freien Blick auf das, was in den Augen meiner Oma gerade noch zu meinem Glück gefehlt hat: lange Unterhosen. Wie jedes Jahr. Zage Versuche von der Gegenseite, das Unterhosenglück vielleicht in Bares umzuwandeln, scheiterten erfolglos. „Damit du auch nicht frierst!“, lautet wie immer der Zusatz, mit dem sie mir sagen will: „Siehst du, ich hab mir was dabei gedacht.“. „Danke“, lautet jedes Jahr die Antwort, die nur noch nach verschlissenem Enthusiasmus klingt.
Keiner möchte blöde Geschenke haben oder, noch viel schlimmer: blöde Geschenke schenken. Wie unschön ist es für den Schenker, wenn sich auf dem Gesicht des Beschenkten beim Auspacken ein innerer Kampf von blankem Entsetzen und Taktgefühl abzeichnet. Mundwinkel zucken, verzerren sich, heraus kommt ein gequältes Lächeln. Sätze wie „Das wäre doch wirklich nicht nötig gewesen“, „Wie lieb von dir“, „Ach, schön“, „Wie nett“ oder auch „Hat was!“ können die weihnachtliche Besinnlichkeit schwer verletzen. Wer so vor seinem Beschenkten sitzt, der schwört sich: nie wieder. Und stürzt sich ins Gefecht.
Seit ein paar Jahren bringt die Weihnachtszeit Experten hervor, die sich bemühen, schreckliche Geschenke in die weit entfernte Zeit zu verbannen, als am Weihnachtsbaum noch Lametta hing. Dafür sollen Shopping-Guides, Trendbarometer und Tipps sorgen, die sich auf Websites und Onlineshops finden. Das ideale Geschenk wird mit Hilfe der richtigen Klicks schnell vom Mysterium zur kalkulierbaren Größe. Das ist gut für die Wirtschaft und senkt das Stresslevel unterm Weihnachtsbaum.
Heute landet der Suchende auf Websites mit Baukastensytem. Gängige Onlineshops geben schon in der Vorweihnachtszeit Tipps, wie bestimmte Menschen mit bestimmten Neigungen zu bestimmten Preisen am besten beschenkt werden. Perfektioniert hat das System die Website www.wantful.com. Sie bietet dem völlig überforderten Schenker Geschenkeplanung in vollendeter Form – hier kann erst anhand eines virtuellen Stilchecks der Geschenketyp fehlerfrei ermittelt werden, danach wird sich systematisch durch sämtliche Interessenfelder der Menschheit geklickt. Du suchst ein Geschenk für deinen Freund A.? Aha, sagt wantful und fragt weiter: Wie gerne kocht A. auf einer Skala von 1-10? Hört A. gern Rufus Wainwright und lädt dabei Fotos auf Instagram hoch? Oder ist A. mehr so der straighte Businessman mit Hang zu technischem Gerät? Abgeglichen mit Preislimit, Anlass und Sozialgefüge (ist A. Freund? Feind? Oder Affäre?) würfelt der Dienst zwölf optimale Geschenke in einem Gutscheinheft zusammen. Daraus darf sich der Beglückte dann eines, schon statistisch als Optimum ausgewiesenes Geschenk aussuchen. Das Geschenk soll trotzdem noch von deinen Freunden abgesegnet werden, die am besten noch eine kleine Finanzspritze beisteuern? Kein Problem, dafür gibt es doch socialgift.com, ein virtueller Marktplatz, auf dem sich Freunde zum gemeinsamen Schenken zusammenschließen können. Und wer auf handverpackte Adventskalender wert legt, aber auf professionelle Unterstützung nicht verzichten will, kann sich bei der Adventskiste seinen Kalender individuell zusammenstellten lassen. Den kann man - so liest es sich in den FAQs der Seite - selbstverständlich auch für sich selbst bestellen. Da kann doch wirklich nichts mehr schiefgehen!
Irgendwie schade ist es trotzdem, wenn Socken, lange Unterhosen und selbstgestrickte Pullover mit Schneeflockenmotiv so ganz vom Gabentisch verschwinden. Fehlgriffe unterm Baum gehören einfach zu Weihnachten. Wenn der Griff ins Regal ordentlich daneben ging, dann war es wenigstens die Hand des Schenkers und nicht der Algorithmus irgendeines Onlineshops. Womit wären Keller- und Speicherräume ohne das alljährliche Sammelsurium aus Scheußlichkeiten gefüllt? Und wer beim Festtagsumtrunk die Orientierung verliert, weiß spätestens beim Blick ins Paket mit den selbstgehäkelten Topflappen, dass wirklich Weihnachten ist.
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die gibt es in sehr schön, und die meisten leute können sie tatsächlich gut gebrauchen.
alles was warm ist kann gerne zu mir. gerade socken. ich liebe socken. warme, bunte, ausgefallene. leider schenkt mir nur keiner welche.
Etwas vollkommen passendes geschenkt zu bekommen, vielleicht etwas, das man sich selber gewünscht hat ist schön. Ich liebe aber auch die schrägen Geschenke und lasse mich gerne überraschen. Das schöne an Geschenken ist ja auch, dass man mal etwas bekommt, das man sich selber nie gegönnt hätte, vielleicht vorher gar nicht kannte! Über solche Sachen kann ich mich freuen, wie ein kleines Kind.
anagramm sagte:
... dass man immer sein geld zurück bekommen kann.....
das finde ich auch mit den größten vorteil. ich bekam letztes jahr zum geburtstag eine tasche geschenkt, die schon schön.. aber leider überhaupt nicht alltagstauglich für mich war, die wollte ich dann umtauschen. leider bot der laden sonst nur deko zeugs an, stil: romantisch landhaus ... das war schwer, da überhaupt irgendwas zu finden.
ansonsten bestelle ich gerne online, für andere und für mich selbst, aber nur dinge, von denen ich weiß, dass sie prinzipiell gefallen und bei denen ich mich dann gezielt auf die sucher nach einem guten preis mache. ich hasse es nämlich std lang durch städte zu rennen, von geschäft zu geschäft, in schlagen zu stehen und ahhhh.. menschen, buh!
gartenfrau sagte:
bitte nichts gegen selbstgehäkelte topflappen sagen!
die gibt es in sehr schön, und die meisten leute können sie tatsächlich gut gebrauchen.
hier!
ich habe jahrelang mir von meiner mutter selbstgehäkelte topflappen gewünscht. irgendwann hab ich sie dann bekommen, das war echt toll!









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26.11.2012 - 21:15 Uhr
lea2
aber praktisch ists schon, das online geschenke besorgen, so ists nicht