Euro bald ohne Griechenland?

Zwei Stimmungen im Land
Einigkeit in Europa, das ist selten genug: Antonis Samaras, der griechische Ministerpräsident, begrüßt die Entscheidungen der Euro-Gruppe als Aufbruch in eine neue Zukunft. Der Chef dieser Gruppe, Jean-Claude Juncker, spricht sogar von einer besseren Zukunft eines ganzen Volkes. Neue Milliarden sind unterwegs, ein Grund für die Politiker in Brüssel und Athen, zu feiern. Die Medien jubeln, alle sind glücklich.
Nur den Griechen selbst ist das Feiern vergangen! Sie haben das Vertrauen in die EU-Partnerländer verloren und noch mehr das in die eigene Regierung.
Apotheken verkaufen Medikamente nur noch gegen Bargeld, Busunternehmen haben kein Geld für Benzin, warum also sollte man feiern? Die Menschen kennen nur noch Verzweiflung. Der Besitzer eines Marktstandes in Nea Krini, einem Vorort von Thessaloniki, immerhin der zweitgrößten Stadt des Landes, versteht die Euphorie nicht. Die neuen Entscheidungen hätten für die Menschen im Land überhaupt keine Bedeutung. Wenn der Markt am Mittag schließt, sammeln die Menschen das Gemüse aus dem Müll, das von den Inhabern der Marktstände weggeworfen wurde. Die Entscheidungen der Politiker im entfernten Brüssel wären für die Menschen hier nichts weiter als Worte, von denen niemand satt wird.
Die Drei-Parteien-Koalition im Land sieht das dagegen vollkommen anders. Für sie sind die Zusagen für neue Finanzhilfen Gold wert. Der Regierungschef Antonius Samaras hofft darauf, dass sich nun das gesellschaftliche Klima im Land verbessert und das Selbstbewusstsein der Menschen gestärkt wird. Er wirkt entschlossen, die geforderten Reformen und Maßnahmen umzusetzen. Er geht davon aus, dass die in Brüssel getroffenen Entscheidungen der Wirtschaft Luft und eine dringend notwendige Atempause einbringen. Außerdem sei nun geklärt, dass das Land in der Eurozone bleiben könne, was durchaus nicht als sicher angesehen wurde. Insgesamt leidet die Wirtschaft im Land im fünften Jahr in Folge unter einer Rezession und Rekordarbeitslosigkeit.
Auch der Chef der sozialistischen Pasok lobte die Beschlüsse als dringend notwendigen Neubeginn und rief die Griechen dazu auf, diese Chance zu nutzen. Die Oppositionsparteien wirkten dagegen eher skeptisch. Hier war eher die Rede von blutarmen Kompromissen, die wegen der bevorstehenden Wahlen in Deutschland nur Zeit herausschinden sollten.
Unabhängig von positiven und negativen Meinungen steht eins unumstößlich fest: Griechenland benötigt die Finanzspritze um zu überleben. Die anhaltend leeren Konten des Staates hat die Wirtschaft nahezu zum Erliegen gebracht, das soziale Netz bekommt nicht mehr nur immer größere Löcher, es ist ein einziges großes Loch. Dienstleistungen fallen immer mehr in sich zusammen, der Müll stapelt sich in den Straßen, das Fernbusunternehmen in Thessaloniki hat den Betrieb eingestellt, da die Regierung den Betrieb der Linien nicht mehr bezahlt hat und das Unternehmen nun kein Geld mehr hat um Benzin zu kaufen. Das örtliche Busunternehmen für den Nahverkehr steht, sollte nicht schnell Geld eintreffen, in der nächsten Woche vor dem gleichen Problem.
Ein Hindernisparcours um Müllhaufen herum oder auf Busse warten, die dann nicht kommen, ist allerdings nicht das größte Problem, das man derzeit in Griechenland haben kann. Apotheker weigern sich, Medikamente an gesetzlich versicherte Patienten abzugeben, da die Regierung diese seit Monaten nicht mehr bezahlt hat. Um dem Ärger der Kundschaft vorzubeugen, sind die meisten Apotheken seit Wochenbeginn geschlossen.
Nun hoffen die Menschen im Land, dass das Geld aus Europa von der Regierung genutzt wird, um wenigstens die Hälfte der 6,5 Millionen Euro zu bezahlen, die das Land Unternehmen und Privatpersonen schuldet.
Mehr gebt es auch unter folgender URL: www.themenwochen-online-lernen.de/gemeinsame-bankenaufsicht-der-eu-staaten-kommt/







